Wenn SPD-Chef Kurt Beck Politik-Harakiri mit Bischofs-Kastrations-Metaphern betreibt
Saturday, 24.February 2007 um 18:17 Uhr | Deutschland, Kopfschüttelnd, Politik
Ich gebe zu, die scharfe Kritik an der politischen Ausgestaltung der zukünftigen Kinderbetreuung, die der Augsburger Bischof Mixa öffentlich gemacht hat, war zunächst nicht unbedingt dazu angetan, einem ledigen, kinderlosen Evangelen zur aufmerksameren Betrachtung zu animieren: Dass der Ausbau der Kinderbetreuung Frauen zu “Gebärmaschinen” mache und sie als Erwerbstätige auf Kosten ihrer Rolle als Mütter und Erzieherinnen stärke (Ich dachte bisher immer, sie führten dann kleine erfolgreiche Familienunternehmen???) kann man sachlich fragwürdig finden oder auch nicht.
Doch dann kam SPD-Chef Kurt Beck, selbsternannter Rächer der Kinder und Schutzheiliger der Kirchenfürsten, der sich bei einer Programmkonferenz seiner Partei heute dazu verstieg, jenen Bischof mit einem “kastrierten Kater” zu vergleichen und das dann später auch noch als Ruf nach Verständnis für den Kirchenmann zu rechtfertigen suchte. Die von “Märchenonkel” Beck erzählte Geschichte ist schnell zusamengefaßt:
Eine einsame Frau habe sich als Gesellschaft einen Kater gekauft, der aber jeden Abend unterwegs gewesen sei und sie alleine gelassen habe. Auf Rat einer Freundin habe sie das Tier daraufhin kastrieren lassen. Als sie später der Freundin klagte, der Kater sei weiterhin jeden Abend unterwegs, habe diese ungläubig gefragt: “Wieso denn, der kann doch gar nicht mehr?” Darauf habe die Frau gesagt: “Das nicht, aber er berät jetzt.” [Spiegel]
Ist ein dem Zölibat verpflichteter Mensch qualifiziert, über Kinder und Karriere zu dozieren? Beck meint ja. Aber die zerknautschte, von 2,6km Tesafilm zusammengehaltene Verpackung dieser Aussage hätte vor zwanzig Jahren noch ein Ende der politischen Karriere bedeutet – so gut sie auch gemeint gewesen wäre.


