Soldaten-Amnestie durch Ahmadinedschad: Kleiner Mann – Großer Illusionist
Wednesday, 04.April 2007 um 22:00 Uhr | Europa, Politik
Es glich einem billigen, aber nicht weniger effektvollen, politischen Taschenspielertrick als Irans Ministerpräsident Ahmadinedschad nach ellenlangem, ideologischen Monolog erst zum Ende seiner Presseaudienzkonferenz zum Höhepunkt seiner Show ansetzte und die Amnestie der festgehaltenen 15 britischen Soldaten gleich einem plüschig-weißen Eisbärbaby Kaninchen aus dem Zylinder zog. Ein “Geschenk” des iranischen an das britische Volk sei die Begnadigung der Briten, die er ausgesprochen habe. Das hätten nur Siegfried & Roy effektvoller inszenieren können.
Dabei war wohl nicht nur die Amnestie, sondern auch Ahmadinedschads Einfluß darauf eine perfekte Illusion. Waren die britischen Soldaten von der Marine der elitären iranischen Revolutionsgarde gefangen genommen worden, die als “Staat im Staat” gilt, halten politische Analysten für gesichert, dass nur der oberste Religionsführer Khamenei eine bedingungslose Freilassung der britischen Militärangehörigen veranlassen könne. Selbst die britische Regierung, mittlerweile in diplomatischen Gesprächen mit dem Iran, hatte noch am Dienstag Hoffnungen auf ein zügiges Ende der Krise zerstreut.
Und wenngleich sich Ahmadinedschad noch am Nachmittag bei einem Zusammentreffen mit den 15 Briten als großzügiger, friedfertiger und fast umgänglicher Staatsmann präsentierte, bleibt die Frage: Wer bestimmt in diesem “Wettbewerb” wirklich die iranische Spieltaktik und wie sieht sie aus?



