Die “Guantanamoisierung” Bagdads: Recycling alter US-Teilungstaktiken für den Nachkriegs-Irak?
Wednesday, 11.April 2007 um 22:48 Uhr | Allgemein, Breaking News, Politik, USA
Wie nur ist dem Chaos in Baghdad beizukommen? Diese Frage beschäftigte im Wesentlichen die Strategen des US-Militärs, angesichts der täglichen Bombenanschläge der aufständischen, freiheitskämpfenden, Zivilbevölkerung wie Soldaten hinmeuchelnden Mörder-Brigaden. Kluge und weniger kluge Köpfe workshoppten in extenso und kamen dabei auf eine alte Taktik zurück, die schon früher (nicht) funktioniert hat und angesichts bisheriger Erfolglosigkeit im Irak unter Militärs trotzdem fast erotisierende Wirkung hat: Teilung heißt das Zauberwort. “Sie verlassen den amerikanischen Sektor” könnte es also bald wieder, diesmal in Bagdad, heissen.
Die USA planen nach Informationen des britischen “Independent”, einzelne Teile der irakischen Hauptstadt voneinander hermetisch abzuschotten. Die Versiegelung weiter Bereiche mit konkreten Zugangs-Beschränkungen und der Zulassung nur bestimmter Bevölkerungsteile erinnert erheblich an die Sektorisierung Berlins nach dem zweiten Weltkrieg – nur das die USA die Stadt unter sich selbst aufteilt. “Gated communities” sollen die Nachbarschaften im neuen Militär-Jargon heissen und werden vorerst 30 von 89 Stadtbezirken betreffen. Daneben sollen fünf Brigaden mit 40.000 Mann im Süden und Osten Bagdads stationiert werden, darunter drei zwischen der Stadt und der irakisch-iranischen Grenze.
Einzelheiten sehen zunächst vor allem die Absicherung von Märkten und Shiiten-Vierteln vor. Dazu sollen die Männer im wehrfähigen Alter verhaftet, neue Personalausweise für die Bewohner ausgestellt und die Bewegung von Waffen und Bewaffneten durch Absperrungen/Mauern um diese Bereiche unterbunden werden. Innerhalb der neugeschaffenen Zonen (Man beachte den in Deutschland vertrauten “Teilungs-Slang”) sollen schließlich irakische und US-Truppen in befesigten Basen stationiert werden, um die Aufständischen besser bekämpfen zu können. Charakteristisch sei hauptsächlich die Einschränkung der Bewegungsfreiheit der Bürger: Zugang sei nur für Bewohner erlaubt, fremde Personen bedürften danach besonderer Besuchererlaubnisse. Faktisch würde das US-Militär die ”Guantanamoisierung” Bagdads organisieren.


