Washington: Was trieb deutscher Botschafter bei Obama-Spendenveranstaltung?
Friday, 13.April 2007 um 23:59 Uhr | Deutschland, Politik, USA
Für “Spock-mäßiges Hochschnellen so mancher Augenbraue”(© ich selbst) von Washington-Insidern sorgt der deutsche Botschafter in den USA Klaus Scharioth. Der Diplomat war am Mittwochabend bei einer Spendenveranstaltung des demokratischen US-Präsidentschaftskandidaten Barack Obama anwesend und wurde vom neuen politischen Shooting-Star während dessen Rede vor Hunderten Unterstützern, die Minimum 1.000 US-Dollar “Eintrittsgeld” für den Wahlkampf spendeten, sogar persönlich begrüßt.
Dies sorgt in Washington aus mehreren Gründen für Aufsehen: Obama gilt als außenpolitisch vollkommen unerfahren und könnte sich mit hochrangiger diplomatischer Prominenz (Deutschland hat auch die EU-Ratspräsidentschaft inne) schmücken wollen. Die Anwesenheit von Diplomaten und ausländischen Politikern bei Wahlkampfspendenveranstaltungen sind in den USA jedoch total unüblich und im Hinblick auf das diplomatische Protokoll grenzwertig. Ausländern ist es gesetzlich sogar verboten, Wahlkampfspenden zu gewähren (Und Obama betonte, dass der Deutsche nichts bezahlt habe). Für Scharioth persönlich dagegen mutiert der Auftritt zum diplomatischen Minenfeld, weil es als Parteinahme Deutschlands im US-Wahlkampf gedeutet werden und atmosphärische Störungen mit der Regierung George Bushs bringen kann.
Die deutsche Botschaft wiegelte ab: Scharioth sei erst ein Jahr im Amt und bemühe sich noch immer um den Aufbau persönlicher Kontakte zu den wichtigen Persönlichkeiten der US-Politik. Er habe Obama bisher noch nicht getroffen und befand die Gelegenheit günstig. Bis auf Rudy Giuliani habe er bereits mit allen ausichtsreichsten potentiellen Präsidentschaftskandidaten sprechen können.
Deutschland ist Barack Obama auch nicht völlig fremd. Seine Schwester hat acht Jahre lang in Heidelberg gelebt.[ThePolitico.com]


