Birma: Die Junta führt “ideologische Säuberungen” mit unverminderter Härte fort
Wednesday, 10.October 2007 um 19:56 Uhr | Blogosphäre, Free Burma (Birma/Myanmar), Kopfschüttelnd, Krisenherde, Politik
Fast eine Woche ist seit dem “Free Burma!”-Aktionstag vergangen. Zeit, erneut mit einem Blogeintrag auf die Situation hinzuweisen. Denn so wie auf den Straßen von Rangun ist auch in den Medien und manchen Blogs zum Thema Birma größtenteils Ruhe eingekehrt. Ruhe, die leider trügerisch ist. Die Militärjunta hat die Kontrolle über die Straße und weite Teile des Internets offensichtlich wiedererlangt. So geht es in der Weltöffentlichkeit weitestgehend unter, dass das Regime analog zu den sog. “ethnischen Säuberungen” des Jugoslawien-Konflikts mit seinen “ideologischen Säuberungen” der birmesischen Gesellschaft ungehindert fortfährt. Die perfide Verfolgung Andersdenkender findet dabei in drei Schritten statt:
- Zunächst bemüht sich der Staatsapparat um Identifizierung der Dissidenten. Die aus dem Land geschmuggelten und von Exil-Birmesen im Internet veröffentlichten Informationen und Bilder wurden offenbar systematisch untersucht. Selbst Computer der UN-Vertretung vor Ort sind ins Visier der Militärmachthaber geraten und zwangen die Mitarbeiter zu kurzfristigen, hektischen Lösch-Aktionen, um die Opposition nicht zusätzlich zu gefährden. Auf dem Flughafen Ranguns werden heimgekommene Birmesen regelrecht abgefangen und inhaftiert, um anhand von Bildern internationaler Proteste zu prüfen, ob da Oppositionelle einreisen.
- Im zweiten Schritt werden die Angehörigen und Freunde der identifizierten, aber längst untergetauchten Oppositionellen und Demonstranten bedroht, genötigt und terrorisiert, um weitere Informationen über ihren Verbleib zu erpressen. Brutale Razzien mitten in der Nacht im Umfeld der Gesuchten erhöhen stetig den Druck auf die Sympathisanten.
- Werden schließlich die mutmaßlichen Verräter gefasst, verschwinden sie grundsätzlich in geheimen Regierungseinrichtungen, wo sie “befragt” und oftmals zu Tode gefoltert werden, ohne das die Angehörigen nicht einmal die Asche der regelmäßig in Krematorien landenden Menschen erhalten. Noch immer geistern unbestätigte Berichte durchs Internet, nach denen Menschen auch bei lebendigem Leibe verbrannt wurden. [Breitbart]
Um die noch nicht getöteten oder inhaftierten buddhistischen Mönche bei der Bevölkerung zu diskreditieren und den Widerstand der Geistlichen zu brechen, hat sich der staatliche Propaganda-Apparat schließlich was ganz besonderes einfallen lassen: Die Regime-Postille “Neues Licht von Myanmar” verbreitet inzwischen, dass bei Razzien in Mönchsklostern neben Waffen auch Sexspielzeuge und Pornos gefunden wurden. Die Regierung ermahne die Mönche, zu den “Gesetzen Gottes und der Regierung” zurückzukehren – was eine gewisse tragische Komik birgt, da der birmesische Buddhismus weder einen Gott noch eine Militärherrschaft anerkennt. Als deutliches Zeichen der Warnung werden zudem die Leichen getöteter Mönche im Rangoon River “entsorgt”, die schließlich quer durch die ganze Stadt treiben.
Nach der “Free Burma!”-Aktion wird nun zu einer weiteren, ganz besonderen globalen Initiative aufgerufen: Ziel sei es, mit Hilfe von fachkundigen Freiwilligen eine Klageschrift zu formulieren, die beim Internationalen Strafgerichtshof eingereicht werden soll, um Junta-Chef Than Shwe anklagen zu lassen.




20.January 2009 um 14:17 Uhr
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