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Wurden von Schröder-Regierung an die USA verliehene Soldaten im Irak-Krieg tödlich verstrahlt?

Ein höchst beunruhigender Bericht macht seit einigen Tagen im Internet die Runde. Er beginnt mit der Enthüllung, dass die Schröder-geführte rot-grüne Koalition deutsche Bundeswehrsoldaten an die USA “verliehen” haben soll, um zusammen mit amerikanischen GIs im Irak-Krieg zu kämpfen. Durch den Einsatz von sog. DU-Munition (Depleted Uranium Ammunition – mit abgereichertem Uran beschichtete Munition) sei es bei den Soldaten zu schwersten Strahlenschäden gekommen, die in vielen Fällen bereits zum Tode geführt hätten. Doch die Glaubwürdigkeit der Aussagen werden bezweifelt, auch weil es so aussieht, als seien diese nur die aufmerksamkeitsheischende Ouvertüre für ein ausführliches Plädoyer des Urhebers gegen einen weiteren Bundestagsbeschlusses zur Verlängerung des Einsatzes der Bundeswehr in Afghanistan. Manche meinen sogar eine extrem emphatische Propaganda.

Hier stellt sich für mich mal wieder die “Michael Moore”-Problematik: Oberflächlich schlüssig vorgetragene Enthüllung, deren faktenreiche aber zusammenhanglose Unterfütterung man selbst kaum nachprüfen kann und letztlich der mehr oder weniger sublimen Verbreitung einer zentralen Message dient, mit der ein bestimmtes, meist persönliches - politisches oder nur finanzielles - Ziel erreicht werden soll. Ich habe bei solchen Dingen immer erhebliche Bauchschmerzen – auch wenn ich, wie in diesem Fall die Authentizität der Enthüllung für zumindest in Teilen wahrscheinlich halte.

Ob es sich daher um folgend dargestellten Sachverhalt um eine unglaubwürdige Räuberpistole, reine Werbemaßnahme für ein Buch des Urhebers (siehe Ende der verlinkten Seite), politische Agitation gegen einen erneuten Bundestagsbeschluß zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr oder eine durch journalistische Rechercheleistung erwiesene, aber voreingenommen beschriebene Tatsache handelt, ist bis dato unklar und kann von mir auch nicht widerlegt werden.

Der Autor Christoph Hörstel will herausgefunden haben, dass im Frühjahr 2003 mindestens 50 – 70  Bundeswehrsoldaten in Aussicht gestellt wurde, man könne die Beförderungschancen verbessern, indem man offiziell aus der Bundeswehr ausscheide, um beim US-Militär anzuheuern und für die USA in den Irak-Krieg zu ziehen. Später solle man – zu besseren Konditionen – in die Bundeswehr zurückkehren können. Doch nach dem Dienst im Irak verstarb die Hälfte der deutschen Soldaten des angeblichen deutsch-amerikanischen militärischen Joint-Ventures an Krebs, möglicherweise ausgelöst durch die dort verwendete Uranmunition. Ein erkrankter Bundeswehrsoldat stellte sich Hörstel als Kronzeuge zur Verfügung.

Dieses “Leihgeschäft” zur Entlastung der verlustgeschwächten US-Streitkräfte durch die Bundesregierung Schröder sei ein Kompromiss gewesen: Zwar hatte die rot-grüne Koalition eine Teilnahme deutscher Truppen am Irak-Krieg stets öffentlichkeitswirksam abgelehnt, sei unter dem hohem Druck der USA aber eingeknickt, nachdem man sich mit der Haltung noch 2002 die Wiederwahl gesichert hatte. Um die Regierung Schröders nicht zu diskreditieren, so die Schlußfolgerung Hörstels, sei daher der kompliziertere Weg des Ausscheidens aus der Bundeswehr und des späteren Wiedereintritts gegangen worden. Alle Beteiligten seien zur Geheimhaltung verpflichtet worden. Es ergäbe sich daraus die Frage,

“…ob diese Soldaten bewusst in einem Himmelfahrtskommando “verheizt” wurden, als eine Art menschenverachtendem Tausch gegen das Ausbleiben weiterer Repressalien durch die USA gegen Deutschland wegen der offiziellen deutschen Verweigerungshaltung.” [via Politblog]

Das dem Militär, wie der Regierung klar war, dass ein Einsatz von Uranmunition gefährlich sei, soll das Schießbuch eines Bundeswehrsoldaten belegen, der 2001 im Feldlager Rajlovac bei der SFOR Dienst tat. Dieses zeige, das deutsche Soldaten bereits im Jugoslawien-Konflikt mit der Uranmunition übungsweise und unter Schutzausrüstung geschossen haben:

“Die Teilnahme an der Ausbildung Maßnahmen zur Vorsorge und zum Schutz gegen Depleted Uranium Munition (DU-Munition) wird bestätigt. Rajlovac, (Tag und Monat zum Informantenschutz geschwärzt) 2001, unleserliche Unterschrift, OFW (= Oberfeldwebel)”

Darunter werden die Prüfwerte für die Dichtigkeit der Gasmaske des Soldaten (”Größe 3 – Brille: JA”) angegeben (wiederum zum Informantenschutz geschwärzt)” [via Politblog]

Der Auzug aus dem Buch Hörstels schwenkt dann abrupt zu den schwerwiegenden Folgen der Nutzung uranhaltiger Munition für die afghanische Zivilbevölkerung um – natürlich nicht ohne das zwangsläufige, schockierende Bild eines schwerst-mißgebildeten Kleinkindes, das für sich genommen aber einen Zusammenhang mit Strahlenschäden nur vermuten lassen kann. Eine Aufklärung dazu werde verhindert, weil man Repressalien der USA fürchte, die den Einsatz der Munition zu vertuschen suchen. Dies ist dann Grundlage für ein eindeutiges politisches Plädoyer gegen einen weiteren Bundestags-Beschluß zur Fortsetzung des Afghanistan-Einsatzes, dessen Rhetorik einen schon fragen lassen muss, ob hier unter dem Deckmantel der Skandalenthüllung vielleicht nur die zwangsläufige Empörung innerhalb des Internets für politische Propaganda mißbraucht werden soll:

“Der Einsatz von Uranwaffen ist ein Bruch von Menschen- und Kriegsvölkerrecht. Die Bundesrepublik Deutschland ist daran zwar nicht direkt durch eigene Anwendung beteiligt, jedoch durch vielfältige Mitwirkung (ISAF, Tornado, OEF) und Unterstützung der Beschuldigten (USA) entsteht eine durchaus justitiable Beihilfe-Situation.

Unter diesen Umständen müsste es sich geradezu verbieten, dass dieser Bundestag die Regierungsvorlage zur Mandatsverlängerung ISAF/Tornado bedingungslos unterstützt, weil dies eine weitere Uranwaffenverwendung zwangsläufig unterstützt.

Dass ausgerechnet [der im Jahre 2003 als Verteidigungsminister verantwortliche, Anm. BN] Struck, jetzt in seiner neuen Position als SPD-Fraktionschef im Bundestag, eben diese Fraktion politisch stark unter Druck setzt, ausgerechnet um den Einsatz deutscher Tornado-Aufklärer zu verlängern – das ist ein einsamer Höhepunkt von Gewissenlosigkeit.

[...] Tornados aber auch ISAF-Truppen darf die Bundesregierung erst dann wieder zum Einsatz vorsehen, wenn:
- Geklärt und nachprüfbar sichergestellt ist, dass das dem Aufklärungsflug folgende Bombardement
- keine Uranwaffen enthält,
- keine Zivilisten schädigt (Kriegsvölkerrecht !),
- eine wissenschaftlich unangreifbare Untersuchung der Beschuldigungen zu Einsatz und Wirkung von Uranwaffen durch mehrere offizielle Institutionen erfolgt, mindestens eine davon eine UN-Organisation und eine andere das Bundesamt f. Strahlenschutz,
- eine Bearbeitung des Themas in NATO, EU und UNO durch geeignete Maßnahmen bis April 2008 erfolgt,
- nachprüfbare und sanktionsfähige Vorsorge-Maßnahmen für einen weltweiten Verwendungsstopp der Uranmunition bei allen Nato-Aktionen getroffen sind,
- Sanktionen für die künftige Verwendung der Munition beschlossen sind,
- Wiedergutmachung für die angerichteten Schäden bei anderen Völkern ebenso wie beim eigenen Personal zeitnah beschlossen ist.

Es muss sicherlich nicht darauf hingewiesen werden, dass jedes Mitglied des Bundestages, das jetzt einer Verlängerung des ISAF/Tornado-Mandats bedingungslos zustimmt, sich mitschuldig macht an den Verbrechen in Afghanistan und möglichen weiteren, die zweifellos geplant sind (US-Luftkrieg gegen Iran!).”

Nur um das klarzustellen: Ich hege auch mehr als Unbehagen gegen den Einsatz radioaktiver Munition und ziehe ihre gesundheitlichen Folgen auch nicht grundsätzlich in Zweifel – Nachweisproblematik hin oder her. Sollte es sich bestätigen, dass die Schröder-Regierung in Ansehung der Strahlungsgefahr tatsächlich deutsche Soldaten entgegen ewiglicher öffentlicher Beteuerungen und in abenteuerlichen Täuschungsmanövern in den Irak-Kampfeinsatz schickte, ist das mehr als kriminell und sollte Konsequenzen für die Verantwortlichen haben. Aber ein gewisses Geschmäckle bei solchen Enthüllungsstorys bleibt, auch wenn der Urheber seine Voreingenommenheit zugunsten Afghanistans gar nicht verhehlt. Von einem Dasein als desillusionierter Ex-ARD-Journalist zum freischaffenden Nahost- und Islam-Experten mit offen zur Schau gestellter Antipathie gegen die US-Politik entwickelt, muss er sich schon hinterfragen lassen, ob seine Aussagen nicht von einem gewissen Messias-Komplex motiviert sind. Und der Vorwurf einer PR-Kampagne für das erscheinende Buch hängt weiter im Raum.

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Verfasser: BreakingNews
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