Eine neue Burma-Situation oder eine verfrühte Friedens-Euphorie?
Thursday, 08.November 2007 um 23:43 Uhr | Blogosphäre, Free Burma (Birma/Myanmar), Kopfschüttelnd, Krisenherde, Politik
Nur wenige Stunden haben das ursprüngliche Fazit zur Birma-Mission des UN-Gesandten Gambaris zwar nicht ganz in sein Gegenteil verkehrt, aber die Hoffnung genährt, dass es zu substantiellen Änderungen der Lage in Myanmar kommen wird. Die leise Euphorie, die in den Worten der Nachrichtenagenturen mitzuschwingen scheint, wenn sie von dem Angebot der Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi, mit der Militärjunta zusammenzuarbeiten, berichten, könnte sich als trügerisch erweisen.
Die UNO macht in vorsichtigem Optimismus:
“Wir sind nicht mehr da, wo wir vor wenigen Wochen waren”, teilte das UN-Büro in Rangun nach der Abreise Gambaris nach Singapur mit. “Wir sind jetzt in einem Prozess, der zu einem substanziellen Dialog zwischen der Regierung und Aung San Suu Kyi führen könnte. (…) Je früher er beginnt, desto besser.” [Yahoo!News]
Noch vor Stunden hatte es anders ausgesehen. Der Besuch Gambaris hatte erneut nicht nur die Elendigkeit eines undemokratischen Herrschaftssystems bewiesen, sondern auch die Sinnhaftigkeit der Vereinten Nationen in Frage gestellt, weil man auch dieses Mal nach Strich und Faden und allen Regeln der Kunst verarscht vorgeführt wurde.
Gambari war seit dem Wochenende in Birma gewesen, um eine Lösung des Konflikts zwischen Militärmachthabern und der Bevölkerung anzustossen. Und da das eigentlich gar nicht ernsthaft im Sinne der Junta ist, musste sich der UN-Diplomat der Perspektivlosikeit hingeben, die im Falle Burmas fast ein halbes Jahrhundert lang zur Weltpolitik erhoben wurde. Das er bis zu seiner Abreise am Donnerstag nichts erreicht hatte, außer niederen Junta-Vasallen die Hand zu schütteln, politischen Stohmännern die tauben Ohren vollzuquatschen und sich nach dem eingewachsenen Fingernagel von Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi zu erkundigen, sah so armselig wie zwangsläufig aus. Vom Junta-Chef Than Shwe kategorisch abgeschirmt, und in der Retorten-Hauptstadt Naypyidaw als “virtueller Gefangener” der Junta auch von der birmesischen Bevölkerung isoliert, schien es für Gambari nicht mehr als ein Kurzurlaub im Krisengebiet. Das die Junta das Gambari gegenüber gegebene Versprechen eines Moratoriums der Mönchs-Verfolgung darüber hinaus offenbar nicht einhielt, unterstrich die Lage nur.
Hatte Gambari tatsächlich die ernsthafte Hoffnung gehegt, ein bilaterales Gespräch zwischen Aung San Suu Kyi und der Junta-Führung moderieren zu können, wurde ihm schnell von letzterer klargemacht, dass der UN dazu sowohl Autorität, wie die Druckmittel fehlen. Als Einmischung in die staatliche Souveränität wurde das Ansinnen schroff abgebürstet. Thein Sein, Pseudo-Ministerpräsident und erste Marionette von Junta-Chef Shwe, durfte dann die Erlaubnis überbringen, das Gambari aber wiederkommen dürfe, um sich gerne wieder zum Affen machen zu lassen.
Das Gambari erst einen halben Tag ins Land gehen liess, um den Vorstoss gleichsam wie ein Illusionist aus dem Hut zu ziehen, ist vielleicht nicht mehr als ein Taschenspielertrick. Ob sich dieser für das birmesische Volk auszahlt, bleibt abzuwarten. Denn die Junta ist weiterhin ein Staat innerhalb des Staates, eine eigene privilegierte Kaste mit eigener Infrastruktur. Wieso sollte sie das auf dem Altar der Demokratie opfern?
“Dialogue” und “national reconciliation” sind Worte, die Aung Sun Suu Kyi in ihrem Appell an die Junta benutzte. Zu diesen Worten schrieb Gast-Kolumnist Bertil Lintner im “Irawaddy”-Magazin:
“Dialogue” followed by “national reconciliation” are popular buzz words with the NGO community, and with the donors on which they depend. But, under present circumstances, such a scenario is totally unrealistic. Worse, it is playing into the hands of the junta, as it gives it the benefit of the doubt.”
Wer wohl Recht behalten wird?




17.November 2007 um 05:14 Uhr
[...] Oliviers ( Bloguer ou ne pas Bloguer ) tägliche Referenzen geben davon ebenso Zeugnis wie BN aka Rüdiger Kohls pointiert gefassten Meldungsübersichten @ News HQ : Hinsichtlich der zwischen Optimismus und Pessimismus jäh umschlagenden Nachrichten aus Burma meldet BN manchen berechtigten Zweifel an . Auch die Sprachregelungen der UN ergeben wenig Einheitliches . Kanadische Sanktionen , schöne Worte des Britischen Sektretärs für Äusseres , David Miliband nach dem Papport Gambaris : Alibi- Aktionen oder Verbindlichkeiten ? – Das ruhige Weiter- Verzeichnen der Ereignisse wird es weisen . ||| [...]
19.November 2007 um 14:27 Uhr
[...] Und was gibt es da zu berichten? Inadaequat schreibt über gefangene Schriftsteller, NewsHQ über die Reise des UN-Gesandten Gambari, Daburna über Rambo Teil 14, Birma News United über Birma-Berichte virtueller Medien … [...]
19.November 2007 um 23:35 Uhr
[...] aktuellste Bebobachtungen auf breaking-news.de [...]
21.November 2007 um 01:00 Uhr
Blog4Burma: Die Situation nach dem Besuch des UN-”Opfer”-Buchhalters Pinheiro…
Ich halte es auch weiterhin für wichtig, über das Thema Burma zu schreiben. Auch wenn die folgenden Sachverhalte teilweise nun ein paar Tage alt sind. Und auch wenn es tierisch nervt, weil mein pingeliges, pflichtbewußtes Ich übe…