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Blog4Burma – Nur die Hoffnung kann die Junta nicht unterdrücken…

… sie verschwindet von ganz allein!

Wenn Resignation die Hoffnung vergiftet

“The whirlwinds of revolt will continue to shake the foundations of our nation until the bright day of justice emerges.” (Martin Luther King jr., “I Have a Dream”)

Wo dieser “Wirbelsturm der Revolte” nach den September-Demonstrationen in Burma bleibt, fragen sich nun auch die Burmesen immer öfter. Resignation beginnt die Hoffnung auf Freiheit zu vergiften. Sie äußert sich auch im zunehmenden Unmut über die Oppositions-Gallionsfigur Aung San Suu Kyi. Je länger die Bemühungen um mehr Freiheit erfolglos bleiben, wird das Kooperationsangebot Suu Kyis an die Junta mehr und mehr als Kapitulation verstanden. Die Hoffnungen, die aus ihrer Initiative erwachsen waren, sind längst enttäuscht worden. Hat sich die Friedensnobelpreisträgerin umsonst geopfert?  

Leicht werden Versprechen zu Verbrechen

I have a dream, that one day even the state of Burma, a state sweltering with the heat of injustice, sweltering with the heat of oppression, will be transformed into an oasis of freedom and justice. (frei nach Martin Luther King jr.)

Zwei Wochen sind schon wieder seit meinem letzten Post vergangen und schon diese Zeit hat die burmesische Junta wieder mehr als einmal Lügen gestraft. Denn sie brach auch weiterhin jedes ihrer Versprechen, der geschundenen Bevölkerung Erleichterung zu verschaffen und in der Verfolgung, Tyrannisierung und Auslöschung so vieler gerecht denkender Burmesen innezuhalten. Recht und Freiheit sind weiterhin nur Träume für die Burmesen: Während die ersten Touristen ins Land zurückkehren, die Getöteten begraben, die politischen Gegner inhaftiert, die Trümmer der zerstörten Klöster beseitigt und die Blutspuren aus den Tempeln gewischt worden sind, kehrt die Junta zum status quo ante zurück – Business as usual. Nur die merkwürdig stille und nervös-gespannte Atmosphäre, die über Rangun liegt, beweist: Es herrscht alles andere als Normalität.

Die Zusicherung der Militärherrschaft an die Weltgemeinschaft, weitere Inhaftierungen zu unterlassen, wird auch weiterhin täglich ignoriert, wie entsprechende Buchführungen von Menschenrechtsorganisationen zeigen. Neben Führern einzelner ethnischer Interessengruppen greift die Junta nicht mehr nur nach der geistlich-spirituellen, sondern auch nach der intellektuellen Elite des Landes und scheut sich auch nicht mehr über die eigenen Landesgrenzen in den Nachbarstaaten zu intervenieren, in denen viele hunderte politische Flüchtlinge Schutz suchen.

So hat das Regime seine Jagd auf potentielle Dissidenten ins benachbarte Thailand ausgeweitet, wo Universitäten von Botschaftsangehörigen Burmas unter Druck gesetzt werden, die Namen ihrer burmesischen Studenten herauszugeben. Mindestens einem Studenten, der auf der schwarzen Liste stand, wurde eine Erneuerung des Personalausweises verweigert, so dass er nicht mehr in seine Heimat zurückkehren kann und nunmehr staatenlos ist. Andere werden gezwungen, Selbstverpflichtungserklärungen zu unterschreiben, dass sie nicht an oppositionellen Bestrebungen teilnehmen werden. Die Junta fahndet derweil nach burmesischen Studenten, die an Demonstrationen vor der Botschaft ihres Landes in Bangkok teilgenommen hatten. Doch sympathisierende Universitätsangehörige warnten sie weitestgehend vor, sich vorerst unauffällig zu verhalten. [Newsdeskspecial.co.uk]

Junta spielt Bedeutung der Demonstrationen offiziell herunter

Auf der ersten offiziellen Regierungspressekonferenz seit dem September hat sich die Junta alle Mühe gegeben, die Demonstrationen so gut wie möglich zu verharmlosen. Die Proteste seien eher “trivial” gewesen und von falschen Mönchen, Dissidenten und den USA provoziert worden. Die ausländischen Medien hätten dies dann aufgebauscht. [Al Jazeera | via daburna]

Krieg den Klöstern, Krieg den Junta-Palästen

Die “Säuberungs”-Kampagne der Junta gegen die Klöster und Tempel geht ungehindert weiter. Die Militärherrschaft setzte vor Tagen die Räumung und Schließung des Maggin-Klosters in Rangun durch, das als eines der Zentren der September-Bewegung gilt. Waren der Abt und einige der dort ansässigen Mönche bereits Ende September verhaftet worden, umstellten nun Sicherheitskräfte den Komplex, um die Verbliebenen zur sofortigen Aufgabe der Einrichtung zu zwingen. Die Patienten des angeschlossenen Krankenhauses und eines Hospizes für HIV-Infizierte und AIDS-Erkrankte wurden vom Gelände ebenso vertrieben. Ein Gesuch des ältesten verbliebenen Mönchs, die Räumung um einige Tage aufzuschieben, damit man zusammenpacken und ein Ausweichquartier organisieren könne, wurde kurzerhand verweigert. [Newsdeskspecial.co.uk]

In the process of gaining our rightful place we must not be guilty of wrongful deeds. Let us not seek to satisfy our thirst for freedom by drinking from the cup of bitterness and hatred. We must forever conduct our struggle on the high plane of dignity and discipline. We must not allow our creative protest to degenerate into physical violence. Again and again we must rise to the majestic heights of meeting physical force with soul force. (Martin Luther King jr., “I Have a Dream”)

Mit der systematischen Verfolgung der Geistlichen wie der Oppositionellen sind viele Menschen spurlos verschwunden. Sind sie nicht in die Hände der Junta gefallen, wurden sie in den Untergrund gezwungen. Aus ihnen bilden sich vermehrt geheime Anti-Regime-Gruppen, wie Milizen, die den Sturz der Junta auch gewaltsam herbeiführen wollen, falls notwendig. 
Die Untergrund-Organisation der Mönche, die “Alliance of All Burmese Buddhist Monks”, hat bisher sämtliche Versuche der Staatsmacht, ihre Führung zu zerschlagen, widerstanden. Ihre Mitglieder verstecken sich entweder innerhalb des Landes in ihren abgelegenen Heimatprovinzen oder konnten über die Grenze nach Thailand flüchten. [Newsdeskspecial.co.uk | Ko-htike]

Verfassung ohne Oppositions-Meinung

Now is the time to make real the promises of democracy. Now is the time to rise from the dark and desolate valley of cruelty to the sunlit path of justice. (frei nach Martin Luther King jr.)

Am Montag hat das von der Junta installierte verfassungsgebende Kommittee mit der schriftlichen Ausarbeitung der neuen Verfassung begonnen – der dritte Schritt in der “Sieben-Stufen-Roadmap zur Demokratie”, die ein Neuanfang hätte werden können, aber zuvorderst dazu ausersehen ist, das Militär an der Macht zu halten. Das Militär-Regime hatte die frühere Verfassung 1988 ausgesetzt. [Burma Digest]

Wiederholt betonte ihre Führung, dass man eine Teilnahme anderer politischer Kräfte, wie der Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi, an dem Prozess kategorisch ausschließt. Die von ihr geführte National League for Democracy (NLD) hatte 1990 die letzten nationalen Wahlen gewonnen und wird seither vom Militär daran gehindert, die Regierungsgewalt zu übernehmen. Es sei keine Hilfestellung oder Rat von anderer Seite mehr notwendig, erklärte der Informationsminister. Eine weitere Öffnung des Komittees sei kontraproduktiv und verkompliziere die Verfassungsfindung. [Burma Digest]

Ehrliche Amnestie oder staatspolitische Schizophrenie?

Laut staatlichen Medien hat die Junta am Dienstag als eine Geste an die Vereinten Nationen und zur Feier der Fortschritte in der Entwicklung der neuen “quasi-demokratischen” Verfassung 8.585 Gefangene aus den Gefängnissen des Landes freigelassen. Der Amnestie für die Inhaftierten wird jedoch mit Skepsis begegnet. Unklar ist, ob und wieviele unter den Betroffenen überhaupt politische Gefangene sind, die im Anschluß an die September-Demonstrationen verhaftet wurden. Bislang wird von einem Dutzend freigelassener politischer Häftlinge gesprochen, die aber bereits vor diesen Protesten inhaftiert waren. Es steht zu befüchten, dass es sich bei dem mehrheitlichen Rest um normale Kriminelle handelt, die lediglich für weitere politisch Verfolgte Platz schaffen müssen. [Burma Digest]

Aus dem Blog4Burma-Netzwerk 

in|ad|ae|qu|at mit weiteren Meldungen der letzten Woche, zu B4B-Internas und dem Hinweis auf unser einmonatiges Jubiläum (!)
bloggerforfreedom berichtet, das selbst religiöse Tattoos Grund für Inhaftierung sein können
daburna über die erste offizielle Pressekonferenz der Junta zu den September-Demonstrationen
Birma News United dröselt nochmal die ASEAN-Verbindungen auf und hat noch weitere Netzfundstücke
Bloguer ou ne pas Bloguer sammelt in fast täglicher Regelmäßigkeit Artikel der französischen Presse und erinnert mich stets schmerzlich daran, wie gut ich früher mal Französisch verstanden habe.
adaequat hatte sich ebenfalls retrospektiv mit der medialen Begleitung des ASEAN-Gipfels beschäftigt und schließlich noch dafür gesorgt, dass Basicthinking, seines Zeichens Nr.1 der deutschen Bloggerszene über die BLOG4BURMA-Initiative berichtete
Mit Adicie ist nun auch ein Blogger aus Andorra dabei; Viel mehr Insiderwissen dürfen wir von Khaipi erwarten, der aus Burma stammt.

Wie schon bemerkt, habe ich mir mal ein paar Gedanken von Martin Luther King jr. geborgt. Ein wahrlich kluger Mann, dessen Worte auch über 60 Jahre und in anderem Kontext nicht weniger richtig und wichtig sind. Let freedom ring!!! 

 
Martin Luther King jr. - I Have a Dream / als Text via US-Außenministerium

Dies ist der 12 Blogeintrag zum Thema Burma in einer seit Ende September (und somit noch vor der Free Burma-Aktion) begonnenen Reihe von Beiträgen zur Situation im Land also known as Myanmar. Sämtliche Beiträge sind hier zu finden.
Einen schönen Gruß an die Blog-Kollegen, die sich über Aufmerksamkeitsdefizit-Störungen der Blogosphäre Sorgen machen, sich über profilierungssüchtige Burma-Schweiger mokieren, die angebliche Vergesslichkeit der Blogosphäre rügen, fertiges Auslutschen eines Modethemas erkennen oder konstatieren, dass Blogger auch nicht besser als Journalisten sind.
 

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Verfasser: BreakingNews
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• 5 Kommentare »

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5 Responses to “ Blog4Burma – Nur die Hoffnung kann die Junta nicht unterdrücken… ”

  1. # 1 czz Says:

    Nachdem das Corporate Logo zum 1. Monat des Bestehens von B4B mit trefflichem Augenmass der Neuen Crew angepasst wurde , und ein umfassender Bericht aus verschiedensten und unabhängigen Quellen Oline steht : Jetzt fehlt nur noch die nötige Familienpackung Valium , um die Schlussabsatz- Spammer zu ertragen !

  2. # 2 Webrocker Says:

    @1 czz: vielleicht nimmst Du einfach mal selbst eine der vorgeschlagenen Valiumtabletten, bevor Du weiter pauschal die Blogs beschimpfst, die “Euch” eigentlich gewogen sind und ihre Kritik an die Hottopicblogger richteten. Meine Toleranz- und vor allem Verständnisgrenze hast Du nun, da Du mich als Spammer bezeichnest, überschritten und ich ärgere mich, dass ich mir überhaupt die Mühe gemacht habe, mich mit Deinem Standpunkt und der möglichen Motivation für die Beschimpfung in Deinem Beitrag gestern auseinanderzusetzen.
    @ BN – Danke für das ausführliche Roundup und die Diskussion gestern abend. :-)

  3. # 3 BreakingNews Says:

    So hier nur der kleine Nachtrag, dass die Sache aus der Welt ist.

    http://www.webrocker.de/2007/12/05/das-longtailgedaechtnis-von-kleinbloggersdorf/

    http://www.webrocker.de/2007/12/04/gegenwind-komma-unerwartet/

    Danke an Euch beide!
    BN ;-)

  4. # 4 Bloguer ou ne pas bloguer ? Says:

    Revue interrompue…

    B4B : Blog4Burma – Nur die Hoffnung kann die Junta nicht unterdrücken. ASEAN III- wirtschaftliche “Deals”.
    Détendons-nous quelques minutes avec cette étrange carte des bises en France. Le reste du blog est tout aussi instructif ! &#8230…

  5. # 5 Ein Jahr Blog4Burma: Rückblick aus dem Nähkästchen des Blog-Netzwerks | NEWS HQ Says:

    [...] Blog4Burma – Nur die Hoffnung kann die Junta nicht unterdrücken… [...]

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