China erklärt Tibet den “Volkskrieg”
Sunday, 16.March 2008 um 13:28 Uhr | Breaking News, Krisenherde, Politik
Eindeutiger können Worte wohl kaum sein: Unmissverständlich hat China dem “abtrünnigen” Tibet nahezu offiziell den “Volkskrieg” erklärt, um den Aufstand der Tibeter künftig gewaltsam niederzuschlagen. Die Hauptstadt Lhasa ist durch das omnipräsente chinesische Militär mehr oder weniger abgeriegelt worden, um die “reaktionären separatistischen Kräfte” aus dem In- und Ausland in die Schranken zu weisen. Dabei setzt die kommunistische Regierung in Peking auch auf eine gezielte Spaltung der Tibeter, indem sie regimetreue buddhistische Mönche benutzt, um den Widerstand zu schwächen und den im Exil lebenden Dalai Lama als Symbol der Freiheitsbewegung zu beschädigen.
Das geistige Oberhaupt der Tibeter sprach inzwischen von einem “kulturellen Völkermord”, den das chinesische Regime da anzettele, um ihre “Herrschaft des Terrors” aufrechtzuhalten. Zwar gönne er dem Land die Olympischen Spiele im August, ermahnte das Regime aber, ein guter Gastgeber zu sein.
Die Zahl der Toten seit der gestrigen Eskalation bleibt weiter unklar. Augenzeugen sprechen von 67 bis weit über 100, die tibetische Exilregierung will 80 Todesopfer bestätigen. China bleibt unterdessen bei einer Zahl von 10. Die Protestkundgebungen weiten sich unterdessen auch in die tibetischen Provinzen aus. Tausende Menschen begeben sich auf die Straßen, darunter wieder viele Mönche.
Die Diskussion um einen Boykott der Olympischen Spiele zieht unterdessen immer weitere Kreise, in dessen Zentrum auch die Frage steht, ob die Veranstaltung in einem Land, das die Menschenrecht so massiv missachtet, überhaupt stattfinden darf. Noch überwiegen die Stimmen, die einen Boykott ablehnen und hoffen, dass die Spiele eine friedliche Lösung für Tibet eher befördern, wie IOC-Mitglied Thomas Bach erklärte. IOC-Präsident Jacques Rogge glaubt, ein Boykott würde nichts an der Situation ändern und nur unschuldige Athleten bestrafen, die um ihre Teilnahme an den sportlichen Wettkämpfen betrogen werden würden. Ob eine derartige Entpolitisierung der Spiele noch möglich scheint, ist doch aber erheblich zu bewzeifeln. [SpiegelOnline I | II | III]



