Was läuft da zwischen Youtube und Scientology?
Friday, 18.April 2008 um 21:40 Uhr | Blogosphäre, Internet, Kopfschüttelnd, Medien, USA
Mir geht Tom Cruise, wie die Organisation, die er so leidenschaftlich vertritt ja ziemlich am Allerwertesten vorbei (Verlass ihn, Katie!!!) – wozu gibt es schließlich den Verfassungsschutz? So habe ich zwar am Rande zur Kenntnis genommen, dass der Riese unter den kleinwüchsigen Hollywoodstars seine zweite Karriere als Dianetik-Guru offenbar auch auf Youtube fortsetzt, aber es bislang nur als für sich selbst sprechend empfunden, dass er dort zwischen all den vielen anderen Selbstdarstellungs-Süchtigen residiert, die niemand ernst nehmen kann. Das die Video-Plattform zur idealen Propaganda-Maschine für so ziemlich jeden Mist mutiert, liegt in der Natur der Sache. Man könnte meinen, das Gleichgewicht der Kräfte wird dabei immer irgendwie selbstregulierend wiederhergestellt, wenn man bedenkt, dass unzählige Cruise-Parodien dort ungehindert die Runde machen und auch Scientology-Gegner das ihnen so gebotene Forum nutzen, um vor der Organisation zu warnen.
Einer davon ist der US-Schauspieler Jason Beghe. Der im Moment wohl prominenteste aller Scientology-Aussteiger sorgte jüngst mit einem auf Youtube veröffentlichtem Clip für Aufsehen, der als Teaser ein längeres Interview mit ihm ankündigte, in dem er sich vehement gegen die Cruise-Gefolgschaft und Hubbard-Hörigkeit wendet. [SpiegelOnline]
Bis gestern. Youtube entfernte den Anti-Scientology-Rant und löschte den Account des Produzenten des Videos, Scientology-Gegner Mark Bunker ohne Begründung. Bunker geht davon aus, dass Scientology bei Youtube intervenierte. [radaronline.com | Mark Bunker on Youtube]
Was nicht vollkommen unwahrscheinlich scheint, da Scientology selbst einen eigenen Channel auf der Plattform betreibt und dort Werbung schaltet, wie bei ImaginaryAnimals.com und Grenzpfosten.de zu sehen ist. Das der betreffende Clip längst erneut von einem anderen User der Plattform hochgeladen wurde, hat man bei Youtube aber noch nicht bemerkt:
Youtube hatte bereits Anfang der Woche versucht, den Account einer – der Scientology offenbar unliebsamen – Userin zu sperren, die als Aussteigerin ebenfalls über ihre Erlebnisse berichtet. Diese Entscheidung wurde auf Druck der Community aber offenbar kurze Zeit später rückgängig gemacht.
Ist es nun reines Geschäftsinteresse, das Youtube mit Scientology verbindet? Oder steht man vielleicht doch inhaltlich dahinter?
Kleiner Zusatz: Auch heise hat sich heute des Themas angenommen und insbesondere mehr Informationen zur Anti-Scientology-Bewegung “Anonymous”, die sich ebenfalls dem Medium Youtube bedient.


