Blog4Burma: Referendum in Gefahr? Hunderte Zyklon-Todesopfer könnten Junta in die Hände spielen
Sunday, 04.May 2008 um 14:05 Uhr | Breaking News, Free Burma (Birma/Myanmar), Krisenherde, Politik, Unglücke/Unfälle
Ich wünschte, ich hätte diesen Eintrag nach erneut zu langer Burma-Schaffenspause mit anderen Meldungen füllen können, doch neben der eigenen Militärdiktatur straft nun auch die Natur das burmesische Volk mit seiner tödlichen Gewalt: Nachdem der Zyklon Nargis mit Geschwindigkeiten über 200km/h über weite Teile des Landes zog und mindestens fünf Provinzen, wie die ehemalige Haupstadt Rangun in den Ausnahmezustand brachte, steigen die Zahlen der Todesopfer parallel zu jeder Meldung über immense Verwüstungen und den Ausfall von Wasser- und Stromversorgung. Inzwischen ist von mindestens 243 Toten die Rede. [msnbc.com | BirmanieActualité (franz.) | BurmaDigest | FAZ-Video]
Dass die gestrige Katastrophe 7 Tage vor dem geplanten Referendum dem birmesischen Militärregime bei ihrem Versuch des Machterhalts in die Hände spielen könnte, um die umstrittene Abstimmung bis auf unbestimmte Zeit zu verschieben, diesen Zwischenfall zu weiteren Manipulationen des Abstimmungsergebnisses in ihrem Sinne zu nutzen und die immer stärker werdende Oppositionskampagne zur Ablehnung des Verfassungsentwurfes zu sabotieren, erscheint angesichts des aktuellen Leids der Menschen zweitrangig, könnte die Zukunft Myanmars aber nachhaltiger bestimmen. Das für das Referendum erlassene Wahlorganisationsrecht sieht für den Fall der Naturkatastrophe örtliche Verschiebungen des Referendums vor. Ob die Junta die Gelegenheit ergreifen wird, aus der erneuten humanitären Tragödie politisch Kapital zu schlagen, muss sich noch zeigen. Ihre Entscheidung, die Regierung aus Rangun weg mehrere hundert Kilometer nördlich in den Dschungel und die Retortenhauptstadt Naypyidaw zu verlegen, zahlte sich allerdings bereits aus: Der Sturm traf den Sitz der Generäle offenbar nur marginal.
Erstmals seit der neu aufgeflammten Tibet-Krise ist Burma dank der Katastrophe nun kurzfristig wieder voll im Licht der Weltöffentlichkeit aufgetaucht. Es bleibt abzuwarten, wie lange das vorhält.
Ich hoffe, ich kann in den nächsten Wochen wieder etwas mehr zur Burma-Situation berichten, kann angesichts erheblicher zeitlicher Engpässe im Moment leider nichts versprechen. Zum Glück kann ich auf einige wenige Blogger aus dem Blog4Burma-Netzwerk verweisen, die zum Teil erheblich fleissiger sind als ich: in|ad|ae|qu|at, adaequat, Daburna, Bloguer ou ne pas bloguer, Burma News Utd., Khaipi, Birmania-Libre und Birmanie-Actualité.
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