SPD zerbricht an Kanzlerkandidatur Steinmeiers: Beck tritt zurück, Müntefering übernimmt
Sunday, 07.September 2008 um 13:55 Uhr | Breaking News, Deutschland, Kopfschüttelnd, Politik
Die Ereignisse überschlagen sich im brandenburgischen Tagungsort am Schwielowsee, in dem die SPD-Granden bei einer Klausurtagung ursprünglich nur die Kanzlerkandidatur Frank-Walter Steinmeiers abnicken sollten. Doch der Krater innerhalb der Partei, der sich in den letzten Monaten immer weiter eröffnet hat, erreicht nun auch die bisher nach außen noch wenigstens dispzipliniert schauspielernde Parteiführung. Nach offenbar heftigen Auseinandersetzungen hat “Ich-tue-nur-so-als-wäre-ich-Parteichef” Kurt Beck seinen Rücktritt als SPD-Vorsitzender erklärt. Franz Müntefering soll erneut den Parteivorsitz übernehmen. Bis zu einem außerordentlichen Parteitag, der Müntefering erneut zum Parteichef wählen soll, wird der stellvertretende Parteivorsitzende Steinmeier kommissarisch die Geschäfte führen.
Vorangegangen waren Streitigkeiten darüber, dass einzelne Führungsmitglieder die zwischen Beck und Steinmeier ausgekungelte Entscheidung pro Steinmeier aus den Medien erfahren hätten. Die Selbst-Demontage der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands erreicht damit ihren bisherigen Tiefpunkt. Selbst die mit Erleichterung an der Parteibasis aufgenommene, durch den Krebs-Tod der Ehefrau bedingte Rückkehr Franz Münteferings hat die Selbstzerstörungssequenz offenbar nicht stoppen können. Stattdessen wird immer deutlicher, dass sich schon länger hinter dem breiten Rücken des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten der Machtpoker um den einzigen Posten der Partei vollzogen hat, der in der allgegenwärtigen (Selbstvertrauens-)Krise noch die besten politischen Überlebensaussichten verspricht – die Kanzlerkandidatur.



