Kiel211: Eine Zwischenbilanz
Wednesday, 01.October 2008 um 11:08 Uhr | Blogosphäre, Kiel211, NHQ intern
Angesichts der Tatsache, das mit dem Urteil im Kieler Geschwister-Mord-Prozess eine recht arbeitsreiche erste Kiel211-Phase ihr vorläufiges Ende genommen hat und diesen bescheidenen Seiten durch das äußerst positive Portrait des bekannten juristischen Blogs “Statt Aller” (Danke noch einmal für die anerkennenden Worte!) eine doch erhebliche Menge an neuen Lesern zugeflossen ist, möchte ich die Gelegenheit ergreifen, diese neuen, wie meine bisherigen Kiel211-Leser herzlich zu begrüßen und für die erhöhte Aufmerksamkeit zu danken!
So bietet es sich an, eine kleine Zwischenbilanz zu ziehen, die dem geneigten Erstleser auch einen kleinen Einblick in das “Warum eigentlich?” gibt.
Am 9.Oktober jährt sich mein bloggender Ausflug in die Gerichtsreportage-Branche zum ersten Mal. Im Oktober letzten Jahres hatte ich begonnen, den Bankrott-Prozess gegen den Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid zu verfolgen, der zu diesem Zeitpunkt noch immer nicht beendet ist. Die Presse berichtete nur marginal, so dass ich mich entschloss, mir selbst ein Bild zu machen. Da ich das NewsHQ-Blog schon eine Weile betrieb und es einigen Bekannten im Hinblick auf die Berichterstattung ähnlich wie mir erging, war es naheliegend, auch über den Prozess zu schreiben.
Die Idee zur Kategorie “Kiel211″ und damit zu einer regelmäßigen Berichterstattung über Kapitalstrafsachen im Landgerichtsbezirk Kiel entwickelte sich schließlich im Februar diesen Jahres, nachdem die veröffentlichte Kriminalstatistik 2007 einen enormen Anstieg der Tötungsdelinquenz verzeichnet hatte. Darunter fiel auch die Tötung eines mir dem Namen nach bekannten jungen Mannes während der Kieler Woche 2007, der in meinem Heimatverein wie ich vor einigen Jahren Handball gespielt hatte und dessen Teamkameraden ich zum größten Teil kannte. Es folgten weitere Prozesse, darunter das Sicherungsverfahren um die Kindstötungen von Darry und das Strafverfahren um den Mord an einer BWL-Studentin durch den eigenen Bruder, die ich ausführlich dokumentierte – sowie weitere Verfahren, denen ich zwar beiwohnte, aber deren Berichte ich bis zum heutigen Tage aus Zeitgründen leider nicht zur Veröffentlichungsreife habe bringen können. An dieser Stelle muss ich betonen, dass ich dieses Projekt, wie das gesamte Blog bisher ausschließlich interessehalber und als Hobby betreue!
Dementsprechend ehrt mich die extrem wohlwollende und anerkennende Resonanz, die ich von vielen Seiten erfahren durfte: Aus Journalisten- wie Justizkreisen, von ehemaligen Kriminalbeamten, Verfahrensbetroffenen und interessierten Menschen, die während vieler Verfahren durch ihre Anwesenheit dazu beitragen, die nötige Öffentlichkeit herzustellen. An letzteren orientiere ich mich nach Möglichkeit bei meiner Berichterstattung. Daher bemühe ich mich, so nah an den Geschehnissen im Gerichtssal zu bleiben wie nur möglich: Chronologisch weitgehend dem Ablauf der Beweisaufnahme folgend und nach bestem Wissen und Gewissen inhaltlich korrekt, soweit es die – selbst vom Vorsitzenden der 8. großen Strafkammer wiederholt beklagte – miserable Akustik des Schwurgerichtssaales und mein Gehör zuläßt.
Es ist natürlich eine andere Herangehensweise, als es Nachrichtenagentur-Journalisten, Zeitungsredakteure oder Magazin-Korrespondenten pflegen. Eine Alternative, die eher in Richtung einer schwedischen Praxis geht, die ich äußerst sympathisch finde: Prozesse im Gerichtssaal per Laptop tatsächlich nahezu real-time wörtlich ins Internet zu transkribieren – in guter Tradition eines Gerichtsschreibers oder -stenographen – nur ohne das Steno. Eine Zukunftsvision, die sich in deutschen Gerichten angesichts der sensibel gehandhabten Öffentlichkeitsregelungen wohl kaum etablieren wird können – zumal sich die neue Informationstechnnologie in Gestalt von Foto-Handys auch am LG Kiel bereits unbeliebt gemacht hat: Über Verstöße gegen das StPO durch aus dem Zuschauerraum heraus angefertigte Handy-Fotos von Angeklagten kann die hiesige Schwurgerichtskammer bereits ein Klagelied singen.
Meiner erst kurzen Zeit mit der “Kiel211″-Rubrik verdanke ich dementsprechend bislang schon viele interessante Begegnungen und Erfahrungen, die meinen Horizont erweiterten. Insbesondere seien denjenigen VertreterInnen verschiedener Nachrichten- und Presseorgane gedankt, die mir im Laufe der letzten Monate sehr freundlich und kollegial entgegengetreten sind – obwohl ich den “Makel” mangelnder journalistischer Laufbahn an mir habe.
Ich hoffe, die von mir niedergeschriebenen Beobachtungen sind für den Leser auch nur annähernd so interessant, wie die Einblicke, die ich bereits gewonnen habe. Für Fragen, Anregungen wie Kritik bin ich immer offen. Auch angesichts der erhöhten Leser-Resonanz werde ich versuchen, die Darstellung des Bereichs “Kiel211″ weiter zu optimieren. Mir ist bewußt, dass es insbesondere Lesern ohne allgemeine Kenntnis von der typischen Systematik eines Blogs wie diesem hier nicht immer auf den ersten Blick erschließt, wie die einzelnen Artikel zusammenhängen. Eine zentrale Übersicht soll das demnächst ändern.



11.December 2008 um 17:44 Uhr
[...] Hinblick auf meine “Kiel211″-Prozessberichterstattung hatte ich an derer Stelle ja schon einmal meiner Skepsis Ausdruck verliehen, dass es in deutschen Strafprozess…, wie es in Schweden bereits Gang und Gäbe ist. Nicht, dass ich selbiges vorgehabt hätte, [...]