1,8 Promille und 142km/h: Der Haider-Tod entglorifiziert
Wednesday, 15.October 2008 um 20:15 Uhr | Blogosphäre, Europa, Kopfschüttelnd, Politik, Polizeimeldungen
Nun ist Jörg Haider also doch nicht mehr als ein Datenfragment in der österreichischen Verkehrunfallstatistik unter der Rubrik “Besoffener, gemeingefährlicher Raser”. Nichts mit Verschwörung und möglichem Mord. Der BZÖ-Parteichef fuhr mit 1,8 Promille im Blut 142km/h schnell, wo nur 70km/h erlaubt waren und verunfallte nach einem Überholmanöver, bei dem er eine unschuldige Verkehrsteilnehmerin locker hätte mit in den Tod reissen können. [SpiegelOnline]
Das auch Haiders öffentlich-tränentriefender Freund und Nachfolger als BZÖ-Chef, Stefan Petzner, diese Tatsache öffentlich anerkennen muss, wird hoffentlich dafür sorgen, dass die schnell zu Tage getretene Glorifizierung des Kärntner Landeshauptmanns, wie seines Todes genauso schnell wieder verebbt. Unerträglich mutete bereits die am Unfalltag verbrochene postmortale Überhöhung der politischen Lebensleistung Haiders durch österreichischen Bundespräsidenten und Bundeskanzler sowie die Vorsitzenden von ÖVP und SPÖ an. Zu befremdlich schien es, das ausgerechnet österreichische Amtsträger Haider trotz seiner vehement vertretenen rassistischen und antisemitischen Ansichten als einen “der größten österreichischen Politiker in der Geschichte” der Alpenrepublik bezeichneten und seinen übersteigerten Nationalismus als “bürgernah, volkstümlich und landsmannschaftlich” verbrämten.
Ich gebe zu, mich haben die TV-Bilder des ORF über die erschütterten Reaktionen der Kärntner, die ihren Landeshauptmann als familiären, väterlichen Freund präsentierten, dessen Türen im Regierungssitz immer für die Sorgen der Menschen offen standen, schon überrascht. Es mag sein, dass er ein durchaus guter und überaus sozialer Landesvater war. Aber der Personenkult, der aus den tränenerstickten Worten so mancher Bürger sprach hatte mich angesichts der persistenten rechten Gesinnung Haiders schon erschrocken und persönlich doch sehr nachdenklich werden lassen.
So war es offenbar auch vielen Bloggern gegangen, die sich schnell verschiedenen Geschmacksirrtümern bei der Kommentierung des Haider-Ablebens hingaben. Sich über den Tod eines Menschen in welcher Art und Weise auch immer zu freuen, ist aber genauso menschverachtend, wie man es Haider stets vorgeworfen hat, wenn er Menschen wegen ihres jüdischen Glaubens und/oder ihres jüdisch-klingenden Namens beleidigte, und die Beschäftigungspolitik Hitlers lobpreiste. Die Frage, ob es nicht der Respekt vor den Angehörigen verbiete, Schlechtes über einen Toten zu sagen, ist mit der Veröffentlichung von Blutalkoholkonzentration zumindest zum Teil beantwortet. Und es mag den einen oder anderen vielleicht auch etwas mit der Figur der österreichischen Rechten-Ikone versöhnen.



