Der 44.US-Präsident: Barack Obama
Tuesday, 04.November 2008 um 15:28 Uhr | Blogosphäre, Breaking News, Politik, USA
05.10 MEZ/23.10 ET: Obama (338) - McCain (156)
“Die Realität wie wir sie kennen wird eine andere sein” erklärt MSNBC-Kommentator Chris Mathews: BARACK OBAMA ist der 44.US-Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Mit projizierten 338 Wahlmännerstimmen überschritt Obama die 270er Marke, nachdem Washington, Hawaii, Oregon, Colorado, Virginia, Florida, Nevada und Kalifornien offenbar dem demokratischen Bewerber zufallen, während McCain Idaho für sich gewinnt.
Laut AP hat der unterlegene John McCain bereits telefonisch seine Niederlage eingestanden und dem demokratischen Kontrahenten zur Präsidentschaft gratuliert. Mit Barack Obama zieht erstmals ein Mann schwarzer Hautfarbe in das Weiße Haus ein.
Auch der amtierende US-Präsident George Bush telefonierte bereits mit seinem Nachfolger, gratulierte zum Wahlsieg, versprach eine reibungslose Übergangsphase und lud den neugewählten Präsidenten zu einem kurzfristigen Gespräch ins Weiße Haus ein.
Zuvor an dieser Stelle:
Zeit, das Live-Blogging zu den US-Präsidentschaftswahlen zu beginnen, während Barack Obama und Ehefrau Michelle in Chicago gerade vor laufenden Kameras die Stimmen abgeben – inklusive Tochter, die ihren Eltern dabei ganz neugierig über die Schulter schaute. Kurzzeitige Verwirrung, warum Obama eine Viertelstunde braucht, um seine Stimme abzugeben, wird schnell aufgelöst: Neben der Präsidentschaftswahl werden auch Sitze im Kongress und lokale Abstimmungen verbunden, so dass der Wahlzettel dementsprechend lang ist…
Der 4. November 2008 ist ein Superwahltag: 35 Sitze im US-Senat und 435 Sitze im Repräsentantenhaus werden neu vergeben, 11 Bundesstaaten suchen einen neuen Gouverneur. Daneben gibt es diverse Volksabstimmungen in einzelnen Bundesstaaten von Homo-Ehen-Verboten (Kalifornien) bis hin zur Festlegung von Englisch als Amtssprache (Missouri).
Wie die Wahl auch ausgehen wird, eine Hälfte der amerikanischen Bevölkerung wird enttäuscht, heißt es. Vielleicht sogar noch viel enttäuschter, als es im Jahre 2000 war, als George W. Bush mit der Minderheit der absoluten Stimmen und nur nach einer Gerichtsentscheidung über das Wahl-Ergebnis des Bundesstaates Florida die Präsidentschaftswahl für sich entschied. Die Leidenschaft, mit der in diesem Jahr für die Wahlentscheidung gefochten wird, betrachten manche Beobachter mit Sorge - viele Pessimisten sprachen sogar von möglichem Bürgerkrieg.
Unterdessen begann der Wahltag mit Berichten über mögliche Probleme bei der Stimmabgabe, die es geben könne, weil neue Rekorde in punkto Wahlbeteiligung erwartet werden. Das Wahlsystem könne zum Chaos führen, weil es weder organisatorisch noch finanziell und personell bereit sei für einen Ansturm von Wahlberechtigten in einem Bereich nahe 100% Wahlbeteiligung der registrierten Wähler, unken Beobachter. Über 130 Millionen Amerikaner werden nach Schätzungen ihre Stimme abgeben.
Zum zeitlichen Ablauf der Wahl hat die New York Post eine kleine Übersicht veröffentlicht.
Wieviel der Wahlmännerstimmen Barack Obama und John McCain auf sich vereinigen könnten ist unterdessen schon während der morgendlichen Berichterstattung eines der “Hot Topics” in den US-Medien. Viele der befragten Experten und Pundits trauen Obama ein Ergebnis von weit über 300 Wahlmännerstimmen zu – 270 benötigt einer der beiden Kandidaten zum Einzug ins Weiße Haus. Ob es einen “Landdslide”-Sieg jenseits der 400 oder gar 500 Wahlmännerstimmen geben könnte, gilt jedoch als eher unwahrscheinlich.
Es wird davon ausgegangen, dass die US-Fernsehsender bereits den neuen Präsidenten ausrufen (= aus den Hochrechnungen projezieren) können, während im Westen der USA noch gewählt wird – Dies geschah in der Geschichte der USA erst ein Mal, im Jahr 1980. Das traditionelle Rennen darum, wer den neuen Mann im Weißen Haus als erstes öffentlich reklamiert, schert sich nicht um Wahlschließungstermine in einem Land mit mehr als einer Zeitzone. Noch gilt 23.00 Uhr Ostküstenzeit (5.00 Uhr MEZ) als zeitliche Grenze, vor der noch niemand wird sagen können, wen die USA gewählt haben. Niemand will sich, wie im Jahr 2000, die Blöße geben müssen, einen Kanddidaten zu früh als Sieger zu küren.
16.00 MEZ/10.00 ET:
Während die Wahllokale von Ost- wie Westküste inzwischen offen sind, werden bereits lange Schlangen von Wahlberechtigten gemeldet, die zum Teil eine halbe Stunde und mehr Wartezeit in Kauf nehmen müssen. Auch erste Probleme mit Wahlcomputern sind bereits wieder bekannt geworden.
16.30 MEZ/10.30 ET:
Der Wahltag hat noch nichtmal angefangen, hat die Republikanische Partei auch schon die erste Wahlprüfungsklage angestrengt. Wie bekannt wird, hat das McCain-Lager bereits am Montag eine Klage gegen den US-Bundesstaat Virginia eingereicht, um zu erreichen, dass die Frist zur Annahme von Briefwahlzetteln im Auslandseinsatz befindlicher Militärangehöriger um 10 Tage verlängert wird. Einige Wahlbezirke hatten die Briefwahlunterlagen nicht rechtzeitig an Tausende Soldaten verschickt, so dass viele nicht rechtzeitig zum heutigen Stichtag zurückgesendet werden konnten.
17.10 MEZ/11.10 ET:
Die Vize-Präsidentschaftskandidatin und Gouverneurin Alaskas, Sarah Palin, gibt in einer eher dörflichen Wahllokal-Atmosphäre ihre Stimme ab. Washington D.C. liegt soweit weg von Alaska – und das ist gut so, erklärt sie anschließend sinngemäß in die Mikrofone. Möglicherweise sieht man das in Washington morgen genauso…
17.15 MEZ/11.15 ET:
Nahezu zeitgleich hat der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain in Phoenix/Arizona seine Stimme abgegeben, um anschließend in zwei weiteren Bundesstaaten letzte Wahlkampfveranstaltungen zubesuchen, um sich hinterher nicht sagen zu müssen, nicht wirklich alles getan zu haben.
18.30 MEZ/12.30 ET:
Meldungen konkretisieren die aufkommenden Probleme in den Wahllokalen: In einem Wahlbüro in Atlanta gingen bereits zwei Stunden nach Öffnung die Wahlzettel aus, andernorts stürzten Wahlcomputer ab. Im US-Bundesstaat Virginia streikten optische Scanner bei der Verarbeitung von Abstimmungskarten, weil die Wähler – aus dem Regen kommend – nasse Hände hatten.
20.38 MEZ/14.38 ET:
McCain bei seiner Wahlkampfveranstaltung in Grand Junction/Colorado. Mit ihm auf der Bühne die einzige Frau, die noch älter ist als der 72-jährige: Seine Mama! Ob sie ihren Sohn als künftige First (Great-)Grandmother ins Weiße Haus begleiten darf, steht auf der Kippe. McCain tut immer noch siegesgewiß.
23.30 MEZ/17.30 ET:
Erste “Exit Polls” von FoxNews sehen Obama in den “Battleground States” Indiana, Ohio und Virginia bei den Jungwählern mit 72% bis 63% vorn, McCain führt danach in diesen Staaten bei männlichen Weißen mit 58% bis 51%. Und obwohl diesen Nachwahlbefragungen spätestens seit 2000 nicht mehr viel Vertrauen geschenkt wird: Ist diese Wahl ein Kampf zwischen den jungen und den rassistischen Wählern?
23.45 MEZ/17.45 ET:
Erster “Wahl”-Erfolg für McCain: Ein US-Bundesrichter ließ die Klage des Republikaners gegen den Bundesstaat Virginia zunächst zu und ordnete an, dass nach Verstreichen der Briefwahl-Frist am Abend 19.00 Uhr Ortszeit verspätet eintreffende Briefwahlstimmen von Militärangehörigen in Übersee bis zu einer endgültigen Entscheidung in der Sache aufbewahrt werden müssen. Der Bundesrichter will am 10. November darüber verhandeln, ob die Frist um 10 Tage verlängert werden muss, nachdem zahlreiche Wahlkreise ihre Briefwahlunterlagen zu spät an im Einsatz befindliche Soldaten verschickt hatte. McCain, selber Kriegsveteran, macht sich offenbar Hoffnungen auf die Stimmenmehrheit der Militärs. Virginia gilt als umkämpft und vorentscheidend, falls Obama die traditionell republikanische Hochburg - wie weithin angenommen – gewinnen sollte.
23.50 MEZ/17.50 ET:
Nette Anekdote am Rande der ARD-Wahl-Talkrunde Sandra Maischbergers: n-tv-Börsenkorrespondent Markus Koch gibt zu, bei den aktuellen Finanzmarktturbulenzen rund 30% seines Vermögens eingebüßt zu haben…
00.10 MEZ/18.10 ET: McCain (8) – Obama (3)
Nach Schließung der Wahllokale in den ersten Bundesstaaten projizieren die US-TV-Sender: McCain gewinnt Kentucky und Obama Vermont. Zahlen in Klammern die bislang projizierten Wahlmännerstimmen.
01.30 MEZ/19.30 ET: McCain (8) – Obama (3)
CNN beeindruckt mit spektakulärer Holo-Technik: Experten/Korrespondenten werden als Hologramm in bester StarWars-Manier ins Studio “gebeamt”… sehr großes Kino!
CNN nutzt Holo-Technik à la Star Wars | via Youtube
McCain führt in Indiana und Virginia, aber bei unter 10% fertig ausgezählter Wahlkreise heißt es “Too close to call” bzw. “Too early to call”… aber das Obama hier bisher nicht führt, überrascht schon…
02.00 MEZ/20.00 ET: Obama (103) - McCain (34)
In einem großen Schlag kehrt sich das Tableau um: McCain wird nun Oklahoma, Tennessee und South Carolina zugeschrieben, während Obama laut Projektion Pensylvania, Washington D.C., Maine, Maryland, Massachusetts, New Hampshire, Connecticut, Delaware, Illinois und New Hampshire einnimt.
02.35 MEZ/20.35 ET: Obama (103) - McCain (58)
MSNBC geht davon aus, dass McCain Georgia und Alabama gewinnt.
03.10 MEZ/21.10 ET: Obama (175) - McCain (76)
Barack Obama baut nach MSNBC-Projektion den Vorsprung an Wahlmännerstimmen aus und gewinnt Michigan, Minnesota, New York, Rhode Island, Wisconsin. McCain kann danach Kansas, Wyoming, Arkansas, North Dakota für sich verbuchen. Aus dem Lager McCains sollen erste Stimmen laut werden, die von einem nötigen Wunder sprechen.
03.25 MEZ/21.25 ET: Obama (195) - McCain (85)
Barack Obama landet den ersten vorentscheidenen Treffer und gewinnt nach der Prognose von MSNBC den “Battleground-State” Ohio. Das John McCain in Louisiana obsiegt, hilft da auch nicht weiter, da Florida kurz davor steht an den demokratischen Hoffnungsträger zu fallen.
03.35 MEZ/21.35 ET: Obama (200) - McCain (85)
Die Republikaner verlieren New Mexico an die Demokraten. Obama fehlen jetzt noch 70 Wahlmännerstimmen zum Sieg!
03.50 MEZ/21.50 ET: Obama (200) - McCain (124)
McCain kann nach Hochrechnungen den Bush-Heimatstaat Texas und West Virginia gewinnen.
04.10 MEZ/22.10 ET: Obama (207) - McCain (135)
Obama “stiehlt” auch Iowa, dass 2004 noch den Republikanern eine Mehrheit bescherte, McCain sichert sich Utah und Mississippi. Obama liegt inzwischen in Virginia hauchdünn vorn, kann sich dem Sieg dort aber noch nicht sicher sein.
04.50 MEZ/22.50 ET: Obama (207) - McCain (142)
McCain sichert sich die Stimmen South Dakotas und hat auch die Mehrheit der Wählerstimmen in Nebraskahinter sich.
05.10 MEZ/23.10 ET: Obama (297) - McCain (146)
“Die Realität wie wir sie kennen wird eine andere sein” erklärt MSNBC-Kommentator Chris Mathews: BARACK OBAMA ist der 44.US-Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Mit projizierten 297 Wahlmännerstimmen überschritt Obama die 270er Marke, nachdem Washington, Hawaii, Oregon und Kalifornien offenbar dem demokratischen Bewerber zufallen, während McCain Idaho für sich gewinnt.




04.November 2008 um 21:13 Uhr
[...] élections aux USA : au fil des minutes ou heures avec Le Monde dont cette page. Obama vs. McCain : Der neue US-Präsident heißt ; dont les problèmes à cause de ces satanées machines dans certain bureaux … Pourquoi [...]
05.November 2008 um 00:17 Uhr
Gute Fragen der besorgten aus Florida: “Wenn Obama gewinnt, heißt es dann nicht mehr weißes Haus sondern schwarzes Haus? Das kann doch niemand ernsthaft wollen.” Also wählt die interviewte Omi eben John McCain. So einfach kann das sein.
Und die Waffen-Freaks aus Ohio schwärmen für Palin “Die ist Jägerin und liebt ihre Familie. Was braucht man mehr?” Aha, mir fielen da jetzt spontan noch hundert andere Dinge ein, aber ich sitze ja auch in Old-Europe und schmunzele.
05.November 2008 um 00:39 Uhr
Schönen guten Abend! *g*
Und in Philadelphia standen Mitglieder der Black Panther vor nem Wahllokal, demonstrativ ihre Schlagstücke schwingend… bei FoxNews hieß es (also mit Vorsicht zu geniessen), dass es in Pensylvania schon traditionell angeblich mehr registrierte Wähler, als erwachsene Wahlberechtigte gibt…
05.November 2008 um 01:51 Uhr
Im Laufband wechseln sich die Meldungen ab. Erst verliert Bremen 3:0 in der Champions League und danach gewinnt McCain in Kentucky. Zuerst dachte ich an das berühmte Pferderennen… Es ist halt schon spät. Mache mir jetzt noch einen Kaffee.
05.November 2008 um 02:14 Uhr
Zahlenmäßig läuft es nach Plan und dann sind offensichtlich so viele Journalisten in die USA entsandt worden, dass unsere TV-Fußi-Mädels ( Monika L. in der ARD und Kristina G. auf N24 ) mit eingespannt werden. Ich find`s gut.
05.November 2008 um 02:25 Uhr
Ob es in den USA auch diesen Fußball-Halbzeit-Effekt gibt, wenn alle Amis in den 45 Minuten, wo keine neuen Zahlen kommen, kollektiv aufs Klo rennen und alle Stauseen deutlich leerer werden???
05.November 2008 um 03:11 Uhr
Puh, es wird deutlich. Zur Zeit steht es 175 zu 40 und plötzlich gibt es viele Swing-States, die vorher nichtmal Battleground-States waren. Erinnert etwas an Hessen. Da war auch vieles klar und dann kam es doch anders. Aber die schönste Bezeichnung heute Abend ist “too close to call” – heißt wohl soviel wie “Voll spannend. Ich traue mich nicht, eine Prognose/ein Ergebnis bekannt zu geben”. Haha, bei McCain`s Party steht es 69 zu 59, damit die Stimmung nicht einknickt. Wenn das mal keine Zensur ist…
05.November 2008 um 04:14 Uhr
Barack Obama wird der neue Präsident, fragt sich nur mit wievielen Stimmen.
05.November 2008 um 04:50 Uhr
Ja, das wars wohl, was eigentlich schade ist!
Mit McCain wären nicht nur die Pommes billiger geworden sondern wir hätten wohl einen neuen Kalten Krieg (2.0) bekommen und damit müssen wir auf so coole Filme wie Rambo wohl dann in Tschetschenien oder Rocky gegen Ivan Drago(analog Walujev) verzichten…. (-:
05.November 2008 um 08:43 Uhr
Mann, Rüdiger, Du bist krass! Hatte ja selbst heute morgen als erste Amtshandlung im Internet nachgeschaut, wer es denn nun geworden ist. Aber Respekt, dass Du die Nacht über sogar wach geblieben bist. Ok, dafür schläfst Du jetzt vielleicht, während ich gleich ins Amtsgericht muss.
))
Vielen Dank jedenfalls für Deinen ausführlichen Live-Ticker hier, der auch im Nachhinein spannend zu lesen ist.
05.November 2008 um 12:34 Uhr
Wenn Geschichte geschrieben wird und man die Gelegenheit hat, sollte man dabei sein… *g* Allzu lange habe ich aber nicht geschlafen, mal schauen, wann ich das Defizit wieder rausholen kann…
05.November 2008 um 21:00 Uhr
[...] hatte ja schon gestern kurz von der kleinen “StarWars”-mäßigen holographischen Spielerei gesprochen, die CNN …und damit allen anderen US-Sendern die Show gestohlen [...]