Ein Jahr Blog4Burma: Rückblick aus dem Nähkästchen des Blog-Netzwerks
Sunday, 09.November 2008 um 21:58 Uhr | Blogosphäre, Free Burma (Birma/Myanmar), Internet, NHQ intern, Politik
Mit zwei Artikeln auf Christianes in|ad|ae|qu|at-Blog war vor ziemlich genau einem Jahr Ende Oktober/Anfang November 2007 eine Initiative geboren, das Thema Birma/Burma/Myanmar über die nur kurzlebige Free Burma-Aktion hinaus publizistisch im kollektiven Bewußtsein zumindest einer gewissen interessierten Leserschaft zu halten: Blog4Burma. Der Name der Initiative war einem in|ad|ae|qu|at-Artikel entlehnt und stand noch immer unter dem Eindruck der Geschehnisse des Septembers 2007 wie einer gewissen Erkenntnis und Enttäuschung darüber, dass der zunächst so laute Aufschrei der Netzwelt doch so schnell wieder in betretenes Schweigen umgeschlagen war.
Hatte ich mich selbst noch an der Free Burma-Aktion und den Diskussionen im Vorfeld beteiligt und alle schon damals geäußert Skepsis über Wirksamkeit oder Dauerhaftigkeit der Initiative vehement verurteilt, mußte ich erkennen, dass diese Skepsis nur allzu berechtigt und nicht nur Papier, sondern auch so mancher der vielen Blogeinträge aus der Blogosphäre geduldig ist. Daher versuchte ich mich in zurückhaltendem Pragmatismus, als ich mich am 2. November 2007 den charmanten Avancen Christianes nicht mehr erwehren mochte und das von ihr initiierte Netzwerk mitbegründete, dass sich gerade unter dem Dach des Google-Mail-Accounts blog4burma@gmail.com mit den ersten Mitstreitern von in|ad|ae|qu|at, daburna, Bloguer ou ne pas bloguer, Birma News United, adaequat, und Khaipi zu versammeln begann.
Aus dem Nähkästchen
Da wir alle eigentlich eher wenig über das Netzwerk selbst gebloggt haben, sondern uns stets ausschließlich der Vermittlung der Geschehnisse widmeten, ist die Gelegenheit günstig, anläßlich des einjährigen Jubiläums vielleicht einmal ein bisschen aus dem Nähkästchen zu plaudern:
Ich gebe zu, vieles von dem was da ursprünglich angedacht und vorgeschlagen wurde, war mir zunächst zu akademisch, zu restrikiv, zu reglementiert: Ein arbeitsteiliges Netzwerk, mit verschiedenen Beobachtungsfeldern und festen Quellen und “anschliessender Zusammenführung der facts and findings” hieß die Arbeitsgrundlage zunächst. Dieses Konzept schliff sich in der Anfangsphase dann schnell einvernehmlich auf eine am praktikabelsten erscheinende Lösung ab: In einem am Thema orientierten, bescheiden und unaufgeregten Vorgehen und Kommunizieren sollte jeder unreglemetiert aber möglichst regelmäßig über das schreiben, was einem auf den Nägeln brannte und damit den gewissen Veröffentlichungsdruck abfangen, den sich die Mitstreiter zeitweilig selbst auferlegt hatten. Während die einen dazu ein Burma-spezifisches Blog ins Leben riefen, wollten die anderen es in ihre alltägliche Bloggerei integrieren.
Das enthusiastische kommunikative Zusammenwirken war wirklich spannend und für mich tatsächlich wesentlicher Punkt der ganzen Veranstaltung: Zum einen eine ausgeprägte Diskussionkultur, die zum Teil leidenschaftlich geführte Kontroversen zwischen einzelnen Mitgliedern einschloss, die aber nie zu bösem Blut führten. Zum anderen die vielen unterhaltsamen Off-the-Record-Gespräche über dies und das.
Der von mir beigesteuerte Logoentwurf, die Blog4Burma-Übersichtsseite und der gemeinsame Feed sollten der Sache schließlich eine gewisse Identität und die Klammer für die verschiedenen teilnehmenden Blogs geben. So unausgereift die Plattform auch war und ist - das Engagement für das Thema hatte über viele organisatorischen Unzulänglichkeiten hinweggolfen – ebenso wie über so manche anfängliche Befürchtungen, die sich später dann doch Bahn brechen sollten.
Was von meiner Seite bisher inhaltlich dabei herauskam zeigt folgende Zusammenstellung meiner Burma-bezogenen Artikelserie, die ich noch vor der Free-Burma-Aktion startete. Ganz unbescheiden muss ich sagen, das einige dieser Beiträge für mich zu Klassikern dieses Blogs geworden sind, deren Stil ich nur zu gerne in allen meinen Blogeinträgen sehen würde. Leider würde ich dann nie auch nur einen Beitrag im Monat fertig kriegen.
Bitter-süße Zwischenbilanz
Ursprünglich hatte ich in der Überschrift von “bitter-süßer Zwischenbilanz” sprechen wollen. Wenn man aber von bitter-süßer Zwischenbilanz redet, muss man auch die Dinge ansprechen, die netzwerkintern nicht so gut gelaufen sind. Das sich mancher Teilnehmer unter dem gruppendynamischen Enthusiasmus übernommen hatte, wurde im Laufe der Zeit schnell klar. Mit der Zeit scheint das Hobby zur Last, das Interesse zur Pflichtübung und das Engagement zur Bürde zu geraten.
Meine Zweifel, ob ich der Verpflichtung würde ausreichend nachkommen können, bestätigten sich leider. Dass ich plötzlich 10-15 zusätzliche burma-spezifische Feeds im Reader hatte, brachte mich schnell an meine Grenzen – schließlich hatte ich mein Blog erst ein knappes Jahr am Laufen und auch ohne Burma eigentlich nicht genug Zeit dafür. Mit dem Input-Overkill wurden die Abstände zwischen den einzelnen Artikeln immer länger und geriet die Auseinandersetzung mit der Burma-Situation immer öfter zum Kampf gegen den inneren Schweinhund und die Grenzen individueller Informationsverarbeitung - obwohl der Sinn des Netzwerks es ja gerade war, dieses aufzufangen. Schließlich wollte ich nicht nur irgendwas dahinklieren, sondern durchaus substantiell etwas von dem wiedergeben, was aus den verschiedenen Quellen über die Lage in Burma zu erfahren war. Doch der Blick auf eine Burma/Birma/Myanmar-Situation, die sich eher verschlechterte als Besserung versprach, trug schließlich mit dazu bei, dass ich mich in den letzten Monaten nicht mehr viel mit dem Thema befasst und meine Teilnahme am Blog4Burma-Netzwerk de facto eingestellt hatte.
Die Dokumentation der ewig gleichen Perspektivlosigkeit hat sich über die Zeit wohl doch etwas abgenutzt, Aufmerksamkeit wie Interesse abgestumpft und zur Kapitulation vor dem Elend geführt. Das in diesem Moment so auszuschreiben erschreckt mich irgendwie…
Tatsächlich habe ich mich wohl nicht nur aus zeitlichen Gründen immer schwerer getan, einen Eintrag anzufangen oder angefangene Einträge zu beenden. Egal, was man schrieb, man hatte stets das Gefühl, sich zu wiederholen – was schlichtweg auch daran gelegen haben mag, dass sich die Meldungen, die man so im Feedreader verfolgte inhaltlich um immer diesselben aussichtslosen Entwicklungen drehten. [NewsHQ]
Hinzu kam ab Ende 2007 eine gewisse Absetzbewegung innerhalb des Netzwerkes, das in dem sang- und klanglosen Ausscheiden eines Teilnehmers mündete. Erst im Nachhinein mußte man erkennen, dass sich derjenige ganz offenbar der Blog4Burma-Idee bemächtigen wollte, um ureigene Ambitionen auf Profilierung innerhalb der Blogosphäre als “Netzaktivismus-Papst” zu verfolgen. Die Vermessenheit, den Blog4Burma-Feed als einen “der wichtigsten deutschsprachigen Quellen über aktuelle burmesische Politik überhaupt” zu bezeichnen waren nur die Anfänge. Dass sich der Kollege schon nach dem Titel seines – inzwischen wieder eingestellten Blogs – tatsächlich als Friedensaktivist verstand, konnte man noch dem jugendlichen Überschwang zuschreiben. Ein ziemlich entlarvendes Radio-Interview bei der Spreeblick-Radio-Sendung “Trackback” machte aber schließlich überdeutlich, wo der Weg des jungen Kollegen hinlief: Im Fahrtwind des Burma-Aktivismus Werbung in eigener Sache zu betreiben, während er inhaltlich so gut wie nichts zum Blog4Burma-Projekt beitrug, und dieses nur als Durchgangsstation sah. Ein wirklicher Netzaktivist hätte das Forum für die Sache genutzt und nicht für sich selbst. Dass er sich ohne ein weiteres Wort davon stahl, passte ins Bild.
So war es schließlich an drei neu ins Netzwerk einziehenden Blogs, der ursprünglichen Maxime des Blog4Burma-Netzes neue Ausdruckskraft zu verleihen: Mit Birmanie-Actualité, Birmania Libre und Birmanie Libré verstärken seit Anfang 2008 drei Blogs das Netzwerk, die auf französisch und spanisch ausschließlich und zeitweilig nahezu täglich über Burma berichteten - ähnlich wie Olivier, der fast täglich neue interessante Links aufstöbert. Man kann nicht oft genug betonen, wie sehr das Engagement dieser Mitstreiter zu bewundern ist, die im Gegensatz zu mir nur selten müde wurden und denen an dieser Stelle – aufgrund der sprachlichen Hemmnisse – zu wenig lese- und linktechnische Würdigung zugefallen ist. Ähnliches gilt aber auch für die Artikel aller übrigen Kollegen, die immer wieder mit unterschiedlichen, interessanten Perspektiven aufwarteten, ohne das ich sie in meiner eintragslosen Zeit mit gebührender Anerkennung bedachte.
Was mich zu der selbstkritischen Frage führt, was wir bzw. wen wir mit unseren Blog4Buma-Artikeln tatsächlich erreicht haben. Ich habe intern immer betont, dass ich nicht aus missionarischem Eifer schreibe. Daher kann ich durchaus schmerzfrei erklären, dass die Aufmerksamkeit für das Thema Burma von dieser Stelle aus wahrscheinlich nur marginal erhöht wurde – jedenfalls, wenn man es allein an den Zugriffszahlen ableiten will. Doch wenn ich hier faktisch für mich selbst und meine Kollegen geschrieben habe, habe ich wenigstens eine Handvoll interessierter Seelen gefunden. Dennoch herrschte netzwerkintern schon manchesmal das Gefühl vor, dass die deutsche Blogosphäre, die sich noch in Scharen an den Free Burma-Wehklagen beteiligt hatte, uns wie das Thema nun ziemlich heftig ignorierte. Doch da keiner der aktuellen Netzwerker der Wertschätzung wegen teilnahm, blieb Blog4Burma SEO-, wie PR-frei.
Was letztlich die Arbeit an dem Thema für mich stets relativiert hat, ist das Bewußtsein, dass ich leicht reden habe mit meiner zur (Blog-)Schau gestellten, wenn auch stets ernstgemeinten Fassungslosigkeit über die Situation in Burma. Diese gewisse Diskrepanz in der Wahrnehmung von Realität führte uns Mitstreiter Thomas vom Khaipi-Blog vor Augen, der als Exil-Burmese unmittelbar betroffen ist, weil seine Familie noch in Burma weilt. Wir anderen hatten und haben es ohne einen solchen emotionalen Einsatz doch ziemlich einfach und gut, so vor uns hin zu schreiben:
Denn in Birma sind alle, die nicht der Junta angehören, Opfer. [NewsHQ]
Schließlich gebührt der Blog4Burma-Initiatorin Christiane eine besondere Würdigung. Ich habe nie verhehlen können, dass mich die enorme Intellektualität der Wissenschaftlerin, gepaart mit dem Tiefsinn und dem Ausdrucksvermögen einer Literatin tief beeindruckte - und manchesmal diesen Kulturbanausen intellektuell zu überfordern geneigt war. Umso mehr genoß ich den nachdenklichen, wie den unterhaltsamen Gedankenaustausch sowohl on- wie off-topic. Ihre Sturheit war stets Antrieb für das interaktive Zusammenwirken der Beteiligten und ihre Analysen nahmen nur zu oft das vorweg, was ich nie in dieser gedanklichen, wie sprachlichen Form zustande brachte – auch wenn ich es oft gewollt habe.
Wenn auch die Netzwerkerei manchesmal alles andere als perfekt gelaufen ist und für manchen vielleicht nicht den Erfolg an Aufmerksamkeit für die Sache erzielen konnte, muß das Blog4Burma-(Zwischen-)Fazit trotz allem positiv ausfallen: An dieser Stelle sei mir deshalb erlaubt, mir die Worte des adaequat-Kollegen zu eigen zu machen, die es treffender nicht ausdrücken können:
Ein großes DANKE, MERCI, THANK YOU und GRACIAS an Menschen, die in diesem letzten Jahr einen Teil auch meines Lebens durch ihre Gedanken, Artikel und Bilder begleitet und geformt haben!



10.November 2008 um 10:53 Uhr
[...] sind AFi mit “Birma news united“ , BN mit “NEWS HQ“ , Olivers starker Hang zum Video @ “Daburna“ sowie kap mit [...]
11.November 2008 um 01:29 Uhr
( nochmal ohne html , bitte redigieren )
thx für das nähkästchen , werter BN :
s’ist hinreissend viel material wie garn , nadel und faden drin , um löcher zu stopfen und dem B4B- flickenteppich neue teile anzunähen .
die grosse alte schneiderschrere mag dabei nur zum zuschneiden weiterer extensionen dienen , insgesamt aber nicht den roten faden , welcher sich durch dieses eine , gemeinsam verbrachte jahr zieht , zu kappen .
auf “das stopfei als mögliche mordwaffe” kommen wir einander mal zurück . den verräterisch tödlichen seidenstrumpf im “sewing basket” jednefalls , den hatten wir wir ja schon – siehe “DIAL M FOR MURDER” – in grösstmöglicher perfektion – - -
11.November 2008 um 21:10 Uhr
[...] Nay Phone Latt condamné à 20 ans et 6 mois de prison et Nay Phone Latt condenado a 20 años. Ein Jahr Blog4Burma : Rückblick aus dem Nähkästchen des Blog-Netzwerks ; il m’avait échappé ainsi qu’au X-Fruit ? [...]