Zum Tod Adolf Merckles
Der Merckle-Suizid – Weder Finanzkrise geschuldet, noch Tragödie
Tuesday, 06.January 2009 um 23:48 Uhr | Deutschland, Kopfschüttelnd, Krisenherde, Polizeimeldungen, Wirtschaft
Schnell sind Worte wie “Drama” und “Tragödie” oder Sätze wie “das tragische Ende seines Kampfes um sein Lebenswerk” bei der Hand gewesen, als die deutschen Medien vom Suizid des Unternehmers Adolf Merckle (ratiopharm, HeidelbergCement) berichteten und den offensichtlichen Zusammenhang zur Finanzkrise und den Fehlspekulationen Merckles herstellten. Auch ich habe an früherer Stelle den Eindruck erweckt, der Selbstmord sei der Finanzkrise geschuldet.
Aber das ist – wenn überhaupt – wohl nur ein geringer Teil der Wahrheit. Ein Artikel des Manager-Magazins über den kompromisslosen Kapitalisten Adolf Merckle aus dem Jahre 2004 rückt das heutige Geschehen in ein ganz anderes Licht [via WieIchReichWurde]:
“Verantwortung trägt der Eigner immer dann gern, wenn die Geschäfte gut laufen. Kommt es zu Problemen, versteckt er sich oft hinter seinen Führungskräften.” Oder unter einem anfahrenden RegionalExpress, könnte man anfügen.
Vielleicht wollte keine Führungskraft mehr Deckung spenden. Der frühere Entscheider im Hintergrund, nach dem selbstverschuldeten VW-Spekulations-Fiasko nunmehr an die Öffentlichkeit gezerrt, traf schließlich seine letzte Entscheidung. Selbstbestimmt. Von der Finanzkrisen-”Notlage” des Unternehmens und einer unternehmerischen ”Ohnmacht” gebrochen? Oder doch eher durch sich selbst?
Unseriöse Eigenkapitalfinanzierungen auf Pump, nur mit eigenen (natürlich im Kurs fallenden) Aktien abgesichert (Gerhard Schmid läßt grüßen), ein Imperium, das größtenteils auf einem System steuerrechtlicher Winkelzügen basierte und mit fragwürdigen Geschäftspraktiken geführt wurde und zu guter Letzt ein Hang zu schnellem, spekulativem Börsengewinn – die Finanzkrise war wohl nicht mehr als der berühmte Tropfen. Das Fass hatte Merckle zuvor selber bis an den Rand gefüllt.




11.January 2009 um 01:37 Uhr
Aus dem Norden Hallo,
ich freu mich ja noch immer, wie ein Kind mal direkt in nem Post erwähnt zu werden – Egopolitur
Im Übrigen stolper ich nun wieder in deinen Blog und merke ich sollte ihn öfter mal besuchen. Nur SPON langweilt auf Dauer ja doch sehr. Werd mich linktechnisch erkenntlich zeigen…
Anbei willst du ne Kiste Cola? Mache grad ne alberne Aktion bei mir.
Gruß Cornelius
11.January 2009 um 10:27 Uhr
Moin Moin aus dem noch etwas nördlicheren Norden *g*
Ehre, wem Ehre gebühret – natürlich guck ich, wer denn bei mir so kommentiert und nehme weiterführende Links dann auch gerne auf… Und hier passte es nun wirklich, als ich den Satz in dem MM-Artikel las.
Im übrigen: Der “Fünftreichste zu beerdigende”??? Nicht ganz… die Gesamtrechtsnachfolge der Erben tritt mit dem Tod ein (”§1922 BGB), d.h. in der Sekunde, in der der Zug wie ein Messer duch Butter durch den Unternehmer-Körper fuhr, war Merckle ein vermögensloses Stück von Leichnam – wie wir alle, wenns denn soweit ist