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Blog-Verbote?

Erstes Blog auf dem Index entfacht neue Diskussion um “Zensur”

Eine gute Stunde ist die Meldung des beck-Blog raus und sie wird ganz sicher in der deutschen Blogosphäre eine neue Diskussion um staatliche Gängelung von Weblogs lostreten: Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien hat nun erstmals ein Blog auf den Index gesetzt. [via Lawblog]

Das betroffene Medium verherrliche Anorexie und Magersucht, glorifiziere entsprechende Handlungen in sog. “Glaubensbekenntnissen” und gebe Anleitungen dazu heraus. Dies sei nach Ansicht der Bundesprüfstelle jugendgefährdend, weil “suggestiv fordernd auf Kinder und Jugendliche” eingewirkt werde, “um sie zu Lebensweisen zu drängen, welche dem Erziehungsauftrag, der auch die Sorge um das körperliche Wohl umfasst, widersprechen”.  [zum Thema Pro-Anorexie-Angebote: jugendschutz.net, pdf]

Indizierung klingt da doch eigentlich ganz vernünftig, da kein geistig gesunder Mensch glauben kann, es handele sich dabei allein um eine dem freien Willen entsprungene bl0ße “Lebenseinstellung”.

Doch die ersten Stimmen schreien “Zensur”, halten einen solchen Schritt für willkürlich und von vornherein wirkungslos.

Mit Teledienstgesetzen, Rundfunkstaatsverträgen, und Abmahnungswellen fühlen sich viele Blogger bereits erheblich in ihrem Willen beschnitten, zu veröffentlichen, was ihnen auf der Seele brennt. Die neue informationstechnologisch gebrachte Freiheit, ohne die das Bloggen noch vor wenigen Jahren gar nicht in der Form möglich gewesen wäre, ist bereits so vereinnahmt, dass jede staatliche Regelung als ungerechtfertigter Eingriff empfunden wird.

Wo nun liegt für Blogs die Grenze zwischen nötiger Reglementierung und willkürlicher Zensur? Auf den Punkt gebracht hier:

Seit wann ist magersucht strafbar? Warum gibt es dann noch blogs von Kiffern? Was ist mit Chefkoch.de? schliesslich verglorifizieren die das essen, was für viele mit Fettsucht zu einem echten Problem wird? [Kommentar auf unkreativ.net]

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Verfasser: BreakingNews
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• 6 Kommentare »

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6 Responses to “ Erstes Blog auf dem Index entfacht neue Diskussion um “Zensur” ”

  1. # 1 Stefan Says:

    Ich schreie nicht ;-)

    Die Grenze nach der Du fragst, habe ich aufgezeigt: Blogs haben sich an Gesetze zu halten und in letzter Instanz an die Regelungen des GG (na gut, eigentlich dem EU-Recht, aber lassen wir das mal außen vor).

    Ich spreche von Zensur, weil eine staatlich legitimierte Stelle hier ohne Gesetz, wohl aber auf Grundlage einer sie “ermächtigen” Rechtsgrundlage die Verbreitung von Schrift und Wort einschränkt. Und Zensur kann nur ein Staat üben.

    Schau, würde zum Mord aufgerufen oder sonstwas, gäbe es in jedem Fall ein Lex specialis, das es erlauben würde, gegen solche Äußerungen vorzugehen. Würde jemand in seiner Würde beleidigt, könnte er sich auf seine Grundrechte berufen. Aber hier?

    Eine selbsternannte “Elite” mit “staatlich fürsorglichem Mandat” entscheidet in Eigenregie, was geschrieben werden darf und was nicht. Und das ist niemals gut.

    Und ansonsten zitierst Du mich richtig: ich halte es nicht nur für willkürlich, sondern auch für wirkungslos. Ich würde Dich aber bitten, deutlicher eine Trennung zu dem folgenden Textteil einzufügen, weil ich den Eindruck hatte, man kann Deinen Text so lesen, dass ich auch gleich gegen des TMG oder die Rundfunkstaatsverträge wettere ;-) Zudem ich auch nicht “jede staatliche Regelung als Eingriff” empfinde, gegen den ich mich wehren würde. S. O. Aber die Meinungsfreiheit ist eines der letzten hohen Güter in Deutschland, nachdem man andere Grundrechte in den letzten Jahren immer weiter hat erodieren lassen.

  2. # 2 blog.unkreativ.net » Dinge, die einem den Morgen versauen Says:

    [...] Bei der Gelegenheit übrigens auf ein interessantes Blog gestoßen: News-HQ [...]

  3. # 3 BreakingNews Says:

    Nein, ich weiß, war auch mehr als Metapher gedacht, deine sichtliche Empörung zu transportieren – die ich im übrigen im Grundsatz teile, nur nicht so pointiert äußern wollte. ;-)
    Denn ich habe auch schon meine (abmahnungstechnischen) Erfahrungen mit der Beschränkung meiner veröffentlichten Meinung und mich daraufhin auch kürzlich dazu genötigt gesehen, einen anderen Artikel in quasi vorsichtigem “vorauseilendem Gehorsam” zu editieren. Mir schmeckt das auch nicht.

    Wenn man es allein auf die Arbeit der Prüfstelle beschränkt, ist dein Argument des “staatlich fürsorglichem Mandat” erheblich treffend. Auch wenn es ja keine “selbsternannte Elite” ist die da entscheidet, sondern das schon gesetzliche Grundlagen hat, die gerichtlich ja auch überprüfbar sind. Und auch der Tatbestand der Jugendgefährdung ist ja entsprechend geregelt. Aber das Gefühl “Wehret den Anfängen” zwingt einen geradezu zu einer kritischen Würdigung dieser Arbeit – egal, ob man es selbst für totalen Schwachsinn hält, dass man Anorexie verherrlichen können soll.

  4. # 4 Blog auf dem Index jugendgefährdender Medien: Was ist “Zensur”? | NEWS HQ Says:

    [...] die Indizierung eines Anorexie und Magersucht verherrlichenden Blogs für heftige Reaktionen in der Blogosphäre gesorgt hat, bei denen vielfach das Wort [...]

  5. # 5 Magersucht-verherrlichendes Blog indiziert und gelöscht | freshzweinull +++ Says:

    [...] Unkreativ.net, die meisten Kommentatoren auf Lawblog, Fefe und Thomas Frütel vom Webmaster Blog. Rüdiger Kohls von Breaking-news.de ist ebenfalls gegen eine Indizierung, warnt aber davor, den Begriff [...]

  6. # 6 Cidália Says:

    is it you Rudiger, my friend from Portugal, I’m looking for you. If you are answer me

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