Und das goldene Dings geht an...
“Oscars”: “Slumdog Millionaire” räumt ab, Kate Winslet und Sean Penn gefeiert
Sunday, 22.February 2009 um 20:25 Uhr | Blogosphäre, Entertainment, Hollywood
Same procedure as last year: Wie üblich, hab ich durchgehalten. Trotz Versprechen kann ich nicht, dass ich auch tatsächlich durchhalte, die “Oscar”-Preisverleihung von Beginn bis Ende zu verfolgen und die Wahrscheinlichkeit dafür hat sich nicht gerade erhöht angesichts der Tatsache, dass selbst in Hollywood die Katerstimmung schon vor der Feier zelebriert wird. Denn wenn man den Pessimisten glauben schenken will, könnten wir heute den schleichenden Tod der “Academy Awards” live-bloggenderweise bezeugen:
Von Krise und Frustrationen, ja blanker panischer Angst bei den Veranstaltern ist die Rede, dass man nach den miesesten Einschaltquoten aller Zeiten aus dem letzten Jahr mit der diesjährigen, komplett neukonzipierten Show die Mutter aller Award-Galas ungewollt endgültig zu Grabe trägt:
“fear is that, if Sunday’s top-to-bottom reworked show can’t bring back viewers after 2008’s sunk to its lowest ratings ever, then nothing will. And the worst part is that not even Hollywood wants to participate in the Oscars anymore.” [Deadline Hollywood Daily]
Dass die Stars der Szene, wie die Awards-Legende Jack Nicholson, sich mittlerweile weigern, die Preisträger aus den Kuverts zu ziehen und andere, wie George Clooney ihre komplette Teilnahme absagen, erschüttert das gesamte Fundament der Veranstaltung. Und die Produzenten sind dafür zu einem großen Teil mitverantwortlich, weil man dem Kampf um jede Stelle nach dem Quoten-Komma alles unterordnet – auch auf die Gefahr hin, denen auf die Füsse zu treten, die der Gala erst den Glamour verleihen. Denn mit “Oscar”-gewinnenden 60-jährigen Kostümbildnerinnen, blinden Kameraleuten und schwerhörigen 75-jährigen Komponisten gewinnt man keine Zuschauer.
Das man in punkto Dramaturgie eh schon keinen Spielraum hat - die Kino-Schlager des letzten Jahres sind bei den Nominierungen eher leer ausgegangen, der indische Streifen Slumdog Millionaire scheint übermächtig und wer glaubt denn bitte nicht, dass Heath Ledger seinen “Oscar” kriegt? – macht die Sache nicht einfacher. Hugh Jackman kann einem leid tun: Seiner Auftakt-Performance kommt damit eine noch stärkere Bedeutung zu.
02.30 Uhr: Es geht los…. Nachdem es tatsächlich vollkommen egal war, sich die vollkommen irrelevante Red Carpet-Show zu schenken – Pro7 gilt es Respekt für die Entscheidung zu zollen, Steven Gätjen nicht wieder prominent an den Teppich zu lassen, bzw. ABC, dies zu verhindern - startet Hugh Jackman die Gala tatsächlich singend und das mit dem breitesten australischen Outback-Akzent, den ich je gehört hab… die Musical-Einlage mit den Anspielungen zu den nominierten Best Pictures ist so absichtlich schlecht gesungen (Oder vielleicht wars auch nicht absichtlich), dass es schon wieder gut ist, und mit kurzem Standing Ovation im Saal bedacht wird…. er ist vielleicht nicht hintersinnig wie Billy Crystal, oder satirisch wie Jon Stewart , aber schlicht sympathisch…
Die ehemaligen Preisträgerinnen Anjelica Huston, Goldie Hawn, Tilda Swinton, Whoopie Goldberg (”It´s not easy being a nun” sagt sie als sie die, eine Ordensschwester spielende Meryl Streep anpreist) und eine mir unbekannte ältere Dame präsentieren je eine der nominierten Damen in der Kategorie….
Best Supporting Actress: Penelope Cruz, (Vicky Christina Barcelona)
Steve Martin, und Tina Fey (SNL, 30 Rock) präsentieren…
Best Original Screenplay: Milk
Best Adapted Screenplay: Slumdog Millionaire
Jennifer Aniston und Jack Black präsentieren…
Best Animation Feature Film: Wall-E
Best Animated Short Film: La maison en petits cubes
Sarah Jessica Parker und Daniel Craig präsentieren das was Gerhard Schörder wohl als “Gedöns” bezeichnet hätte…
Best Art Direction: The Curios Case of Benjamin Button
Best Costume Design: The Duchess
Best Makeup: The Curios Case of Benjamin Button – Keine Auszeichnung für die vorweggenommene Leichenschminkerei von Heath Ledger in “The Dark Knight”
Natalie Portman und ein uninteressiert spielender Waldschrat Joaquin Phoenix (War er das wirklich?) präsentieren…
Best Cinematography: Slumdog Millionaire
Best Live Action Short Film: Jochen Alexander Freydanks “Spielzeugland”!!!! Der deutsche Beitrag gewinnt den Oscar… Huiiii… da ist es schon fast egal, dass ich nicht sagen kann, wer da wichtiges den Preis übergeben hat, weil es leider keine Ansagen gibt, wer da so auf die Bühne stackelt und ich lange nicht alle Hollywood-Hackfressen persönlich kenne…
Hugh Jackman sing nochmal, tanzt auch noch und eine Showtreppe ist auch dabei… und Beyoncé!!!! Nun wirds dann doch noch glamourös… das kann auch der schmierigste Travolta-Grease-Titel in dem Medley durch sämtliche Musical-Klassiker nicht verhindern… aber vielleicht das Ensemble der “High School Musical”-10-ologie…
Christhoper Walken, Cuba Gooding jr, Alan Arkin, Kevin Klein und Joel Grey präsentieren neben den vier chancenlosen Nominierten als…
Best Supportig Actor: Heath Ledger, “The Dark Knight” natürlich… oder vielleicht doch eher für seine verkappte Hauptrolle im eigenen medikamenteninduzierten Tod? Seine Eltern und seine Schwester nehmen den Preis unter stehenden Ovationen in Empfang… Taschentücher rausholen bitte!!!
“Everybody crying, but we have to move on”, Bill Maher bringt es auf den Punkt, als er präsentiert…
Best Documentary Feature: Man on Wire, kein Oscar für Werner Herzogs “Encounters at the end of the world”
Best Documentary Short Subject: Smile Pinki
Will Smith mag Action Movies, denn die haben Verfolgungsjagden und Explosionen und …ähm… Fans zahlende Zuschauer, die einem die Millionen-Gage finanzieren. Er präsentiert…
Best Visual Effects: The Curios Case of Benjamin Button - der dritte Oscar in einer Randkategorie für den Film
Best Sound Editing: The Dark Knight
Best Sound Mixing: Slumdog Millionaire – auch hier der dritte Oscar
“Ja, ich bin immer noch hier”, sagt Will Smith…
Best Film Editing: Slumdog Millionaire – Nummero 4
Kleine Zwischenbilanz: Ohne in Hektik auszubrechen oder den Preisträger ihre Dankesreden allzu heftig wegzuorchestrieren, kommt die Show zügig vorwärts, es zahlt sich aus, mehrere kleinere Awards in Blöcken abzuarbeiten…
Eddy Murphy präsentiert den Jean Hersholt Humanitarian Award für einen sichtlich bewegten und mit Standing Ovation gefeierten Jerry Lewis, den Paten aller TV-Benefizveranstaltungen (amerik. “Telethons”). Nach schwerer Krankheit medikamentös bedingt ziemlich heftig aufgedunsen, sieht er heute wieder sehr gut aus – freut mich….
Die atemberaubende Alicia Keys und der ungleich blassere Zach Efron präsentieren…
Best Original Score: Slumdog Millionaire - der fünfte Oscar, der nach Bombay geht…
Best Original Song: Slumdog Millionaire – Nu ist aber mal gut, was haben die bloß alle mit diesem Film???
Liam Neeson und und die “Slumdog”-Hauptdarsellerin präsentieren…
Best Foreign Film: Departure (Japan) – Kein Award-Glück für den “Baader-Meinhof-Komplex”. Wäre auch zuviel des Guten gewesen, nach zwei Jahren in Folge (Das Leben der Anderen, Die Fälscher)
Queen Latifah singt für all die Verstorbenen Hollywoods…. Roy Scheider ist auch dabei, den hatte ich im letzten Jahr in dem Tribute vermisst, war da 15 Tage zuvor verstorben und nicht berücksichtigt worden…
Reese Witherspoon präsentiert…
Best Director: Danny Boyle (Slumdog Millionaire) – Selten sind soviele Oscars ins Ausland gegangen, da kann das mit der US-Einschaltquote ja auch nichts werden…
Von stehendem Applaus empfangen präsentieren Sophia Loren, Halle Berry, Nicole Kidman, Shirley Maclaine und Marie Cotillard…
Best Leading Actress: Kate Winslet (Bernhard Schlinks “Der Vorleser”), erneut die berechenbarste Wahl – Meryl Streep zum 13.Mal oder so übergangen, der hätte ichs gegönnt… Winslet dankt Schlink, wie David Kross mehrfach… ein Teil dieses Oscars gehört irgendwie auch nach Deutschland.
Michael Douglas, Robert de Niro, Ben Kingsley, Anthony Hopkins und Arian Brody (Wo ist Daniel Day-Lewis?) präsentieren…
Best Leading Actor: Sean Penn (Milk) – War mal dran, kein “Oscar” für “Wrestler” Mickey Rourke. Penn nutzt die Gunst der Stunde, gegen das kalifornische Verbot der “Homo-Ehe” zu wettern, den neugewählten US-Präsidenten Obama und den Comebacker Rourke zu würdigen.
Steven Spielberg hat schließlich die Aufgabe, die Nominierungen und Preisträger für den Besten Film zu verkünden
Best Picture: Slumdog Millionaire – Der totale Triumph, der achte Award.
Nach dreieinhalb Stunden geht eine der kurzweiligeren “Academy Awards”-Veranstaltungen zuende. Die großen Höhepunkte gabs nicht gerade, das fehlen der Blockbuster und so manch überraschend-kontroverser Preisträger liessen das ganze so ein bisschen dahinplätschern.



24.February 2009 um 09:26 Uhr
Also, ich fand die Show-Einlage von Hugh Jackman ehrlich gesagt recht gut. Er ist Schauspieler und kein Musical-Star, aber ich fand, dass er sehr musicalmäßig gesungen hat. Ich war sehr erstaunt, als der auf einmal abging.
Einen kleinen Seitenhieb magst Du mir verzeihen, aber den Schöpfer von “Der Vorleser” schreibt man so: Bernhard Schlink. Hast Du etwa nicht den Pieroth/Schlink zu den Grundrechten im Regal stehen?
“Der Vorleser” ist aber übrigens auch ein sehr empfehlenswertes Buch, auf dessen Verfilmung ich mich schon lange freute. Bin sehr gespannt!
Insgesamt hast Du aber Recht, dass der Oscar den Glamour eher durch Kommerz ersetzt hat. Gerade in den Szenen, in denen man frühere Ausschnitte sah, wünschte man sich doch mal eine DVD-Sammlung mit den Oscar-Verleihungen der früheren Jahrzehnte.
24.February 2009 um 11:21 Uhr
Der Fehler ist auf den frühen Zeitpunkt (gegen 6 Uhr) zurückzuführen und wird gleich geändert, hatte ich aber beim Oscar-Nominierungseintrag schon korrekt geschrieben… *g*
Tatsächlich IST Hugh Jackman Musical-Star, hat bereits oft auf dem Broadway gespielt und dafür sogar den Broadway-Oscar “Tony” erhalten, dessen Verleihungsgala er auch schon gehostet hat. Ich fand die Show-Einlagen auch nicht schlecht – aber mir war Jon Stewart irgendwie lieber, Bill Maher würd ich auch gern mal als MC sehen…
OffTopic: Der Artikel zu donnerstäglichen Kieler-Woche-Totschlags-Verhandlung ist nun auch endlich online
24.February 2009 um 16:20 Uhr
Hui, das wusste ich nicht, dass Hugh Jackman den Tony erhielt. Respekt!
Kieler-Woche-Totschlag habe ich mir gerade durchgelesen. Bin immer wieder erstaunt, wie viele Details Du während der Verhandlung mitschreiben kannst. Wenn ich solche Massen mitschreiben müsste, könnte ich zu Hause meine Schrift nicht mehr entziffern.
War auf jeden Fall wieder sehr interessant! Erstaunlich, dass der Kerl im BGH-Beschluss (schon durch die Einkotung) einen eher ängstlichen Eindruck machte, sich nun aber in Haft so schlecht benimmt. Ohne Kiel211 wüsste man solche Details nicht. Als treuer Leser kann man sich da nur bedanken!
24.February 2009 um 16:34 Uhr
Offenbar hat er sogar im Musicalbereich angefangen, wenn man dem Wikipedia-Eintrag glauben schenken darf: http://en.wikipedia.org/wiki/Hugh_Jackman
Was die Mitschreiberei angeht: Spätestens 5 Minuten nachdem ich das veröffentlicht habe, kann ich meine Manuskripte auch nicht mehr lesen…*lach*
Ja, diese Ambivalenz bei dem Typen ist schon heftig. Und so überzeugend das Gutachten auch sein mag, einige der Schlußfolgerungen kann ich deshalb auch nicht nachvollziehen, aber darüber muss ja nicht ich entscheiden…