Wie weit geht es noch?
Bestechungsaffäre THW Kiel: Staatsanwaltschaft sieht Untreue-Verdacht
Tuesday, 10.March 2009 um 06:11 Uhr | Deutschland, Europa, Kiel211, Kopfschüttelnd, Polizeimeldungen, Sport
Der angebliche mutmaßliche Bestechungsskandal um den deutschen Handball-Rekordmeister THW Kiel ist nun doch Mittelpunkt strafrechtlicher Ermittlungen gegen THW-Manager Uwe Schwenker und den früheren Trainer Zvonomir “Noka” Serdarusic. Nur ungefähr 24 Stunden nach der ursprünglichen Aussage des Kieler Oberstaatsanwalts Uwe Wick vom Freitag, “Die Staatsanwaltschaft führt kein Ermittlungsverfahren gegen Verantwortliche des THW.”, hatte sich die Anklagebehörde offenbar noch am Samstagmittag dazu entschlossen, “im Zusammenhang mit den im Raum stehenden Vorwürfen der Manipulation von Spielen der Champions League ein Ermittlungsverfahren gegen den Geschäftsführer der THW GmbH & Co. KG wegen Verdachts der Untreue sowie gegen den früheren Trainer der Bundesligamannschaft wegen Beihilfe dazu” einzuleiten. Was in diesen 24 Stunden geschehen war, um den Anfangsverdacht zu begründen, verdichten und richterliche Beschlüsse für “mehrere strafprozessuale Maßnahmen” zu erwirken, mit denen u.a. Wohnungen der Betroffenen und Geschäftsräume des THW Kiel durchsucht werden konnten, war zunächst unklar geblieben. Wick hatte schließlich bestätigt, dass man aufgrund der jüngsten Spiegel-Berichterstattung zu ermitteln begonnen habe. [SpiegelOnline]
Was bleibt ist der, angesichts des Aufruhrs immer etwas hohl wirkende, Verweis auf die Unschuldsvermutung. Das ich die Affäre um den THW Kiel einmal zum Gegenstand meiner Kiel211-Berichterstattung machen könnte, hätte ich auch nicht gedacht.
Schwenker einvernehmlich beurlaubt
Der nunmehr verdächtige Uwe Schwenker ist auf eigenen Wunsch von seinen Pflichten beurlaubt worden, ”um sich in vollem Umfang gegen die Anschuldigungen zu wehren”. Gesellschafter und Beirat des THW Kiel stehen unterdessen weiter “vorbehaltlos” zu ihrem Manager, nachdem man sich mit diesem ”ausführlich mit den in den Medien verbreiteten Gerüchten um angebliche Manipulationsversuche durch Schiedsrichterbestechungen befasst” habe, heisst es in einer Presseverlautbarung. [NDR.de]
Löwen-Gesellschafter Nielsen legt nach
Jesper Nielsen, Gesellschafter des Liga-Konkurrenten Rhein-Neckar Löwen, hat unterdessen seine zunächst nur vagen Anschuldigungen gegen Schwenker und Serdarusic gegenüber dem “Mannheimer Morgen” konkretisiert:
” [Nielsen] berichtete von einem Treffen mit Serdarusic in Kiel. An dem, so der Däne, hätten auch Löwen-Geschäftsführer Thorsten Storm und der Rechtsanwalt des badischen Bundesligisten teilgenommen. “Ich kann bestätigen, dass mir von Serdarusic Casino-Belege und Kontoauszüge gezeigt wurden, die den THW belasten. Auch Storm und unser Anwalt haben diese Belege zu Gesicht bekommen”, sagte Nielsen und ergänzte: “Als ich das gesehen habe, war ich schockiert. Ich konnte das kaum glauben. Ich liebe diesen tollen Sport, den ich selbst jahrelang betrieben habe. Aber offensichtlich hat sich der Handball in eine Richtung verändert, die niemand für möglich gehalten hätte. Das macht mich traurig.”
Nielsen räumte zudem ein, schon etwas länger von den möglichen Manipulationen gewusst zu haben. Das Treffen in Kiel mit Serdarusic, Storm und dem Anwalt habe erst nach einer Unterredung stattgefunden, die er mit Kiels Manager Uwe Schwenker am Rande der WM in Kroatien geführt hätte: “Schwenker hat mir gegenüber zugegeben, dass es Manipulationen gegeben hat.” Unter anderem sei davon das Finale der Champions League 2007, das Kiel gegen die SG Flensburg-Handewitt im Rückspiel mit 29:27 gewann, betroffen gewesen.” [morgenweb.de]
Er bestätigte damit Berichte des Spiegels, wonach Serdarusic von mehrfachen Bestechungsversuchen und vollzogenen Bestechungen Kenntnis gehabt haben und zum Teil beteiligt gewesen sein soll. Das Nachrichtenmagazin hatte von mindestens zehn manipulierten Spielen und entsprechenden Eingeständnissen Schwenkers und Serdarusic gegenüber Löwen-Gesellschaftern berichtet. Der Erfolgscoach soll Belege und Kontoauszüge aus den Tagen kurz vor dem Champions League-Finale beigebracht haben, das Kiel gegen die SG Flensburg-Handewitt knapp gewann. 96.000 Euro seien dafür insgesamt bezahlt worden.
Der THW hatte diese Berichte dementiert und am Sonntag angekündigt, die Staatsanwaltschaft Kiel um Ermittlungen wegen der Sache zu bitten. Da hatte diese aber schon ihre Untreue-Ermittlungen aufgenommen.
Löwen-Manager: Schwenker gab Manipulationen gegenüber Nielsen zu
Löwen-Manager Thorsten Storm erklärte gegenüber dem “Mannheimer Morgen”, sein Verein habe aufgrund der Gerüchte um die Bestechungsaffäre von einem Engagement Serdarusic absehen wollen:
“Doch von wem hat der Löwen-Geschäftsführer seine Informationen? “Aus dem Kieler Umfeld und von Serdarusic sind uns diese Gerüchte mitgeteilt worden. Noka hat in diesen Gesprächen aber keine Beteiligung an Manipulationen zugegeben.” Auf die Frage, ob er sich vorstellen könne, dass der Trainer an Bestechungen beteiligt war, antwortete Storm ausweichend: “Es gibt Gerüchte. Und aufgrund derer haben wir uns entschlossen, den Vertrag mit Noka aufzulösen.”
Dafür räumte der Manager aber ein, dass sich Löwen-Gesellschafter Jesper Nielsen am Rande der WM in Kroatien mit Kiels Manager Uwe Schwenker getroffen habe. “Uns wurde von Nielsen berichtet, dass Schwenker dort Manipulationen zugegeben hat”, erklärte Storm. Laut “Spiegel”-Recherchen soll der THW-Manager gesagt haben, dass er Serdarusic immer bloß gedeckt habe. Der Trainer habe die Bestechung organisiert; er, Schwenker, habe nur das Geld besorgt.” [morgenweb.de]
Dünnhäutig reagiert Storm auf den Vorwurf des Königsmords:
Löwen-Manager Storm wies den Verdacht zurück, Interesse an einer Demontage des Nord-Rivalen zu haben. “Jeder denkt immer, die Rhein- Neckar Löwen sind hier die großen Ankläger. In dieser ganzen Sache hat sich der ganze Handball nicht mit Ruhm bekleckert, alle nicht. Wir haben niemanden angeklagt”, sagte Storm. “Ich werde jetzt von überall angepisst, dass ich den großen THW, das Zugpferd der Liga, schlachte. Ich habe doch nur Nachteile im Moment. Was habe ich davon?” [morgenweb.de]
“Es gibt einen Aufsichtsrat der HBL, der einen vertraulichen, persönlichen Brief geschrieben hat. Dieser Brief ist im Norden der Republik irgendwie in die Öffentlichkeit gekommen. Aber mit Sicherheit nicht durch uns. Da kann sich jeder seinen Reim drauf machen, wer davon einen Vorteil gehabt hat. Wir nicht. Für uns war der Fall auch abgeschlossen. Wenn wir wollen, könnten wir den THW mit unseren wirtschaftlichen Mitteln aus dem Stand überholen. Aber wir brauchen nicht zu solchen Mitteln greifen.” [kn-online.de]



