Der Fluch der Genanalyse
Angebliches “Mord-Phantom” nur DNA-Kontamination bei Wattestäbchen-Hersteller?
Wednesday, 25.March 2009 um 16:58 Uhr | Breaking News, Deutschland, Polizeimeldungen, Rechtsprechung
Der Fluch des genetischen Fingerabdrucks könnte nun mit einem Schlag das Mysterium um das sog. ”Phantom von Heilbronn” zerstört haben – einer Frau, der aufgrund von DNA-Spuren neben dem Mord an einer Heilbronner Polizeibeamtin mehrere weitere Morde und Raubdelikte in Österreich, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland zur Last gelegt wurden. Offenbar gibt es die Serientäterin aber nicht.
Die gesuchte Spurenverursacherin, der die Polizei in ganz Deutschland bislang fieberhaft und erfolglos hinterher ermittelte, könnte die Angestellte eines Herstellers von Wattestäbchen sein, die vielfach zur Spurenaufnahme verwendet werden. Offenbar kann nicht mehr ausgeschlossen werden, dass es bereits bei der Produktion zur Kontamination mit der DNA einer dort beschäftigten Frau gekommen ist. Ihr genetisches Material könnte damit über die Wattestäbchen erst nachträglich an Tatorte gelangt sein. Die Polizei Heilbronn geht mittlerweile von einem solchen Szenario aus. Untersuchungen müssen nun klären, ob es sich dabei um das DNA-Profil einer Packerin eines norddeutschen Medizinbedarf-Unternehmens handelt. [stern.de]
Die heutigen, so stark verfeinerten DNA-Analyse-Methoden stellen sich für Kriminalisten immer öfter als Ermittlungsfallen dar. Auch in einem auf Kiel211.de beobachteten Fall, mußten die Ermittler vor DNA-Spuren kapitulieren, die man aufgrund der geringen Menge an Material zwar als opferfremd qualifizieren, aber nicht mehr nach Tatrelevanz oder bloßem sozialen Kontakt differenzieren konnte:
“Der Segen der verbesserten, immer präziseren DNA-Analysemethoden sei zugleich ein Fluch, weil nunmehr selbst kleinste DNA-Reste von ständiger Zellübertragung z.B. durch Händeschütteln feststellbar sind. Dies macht es den Kriminalisten immer schwerer, zwischen tatrelevanten und nicht-tatrelevanten Spuren zu unterscheiden.” [Kiel211]



27.March 2009 um 20:56 Uhr
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