Von Bankern zu Gangstern?
Strate zeigt HSH-Nordbank-Vorstand und Aufsichtsrat wegen schwerer Untreue an
Friday, 03.April 2009 um 14:39 Uhr | Deutschland, Kopfschüttelnd, Krisenherde, Medien, Politik, Polizeimeldungen, Wirtschaft
Wie ich so im Offenen Kanal Kiel die Aussprache zur Abstimung über das Rettungspaket für die HSH Nordbank im Kieler Landtag verfolge, erklärt Oppositionsführer Wolfgang Kubicki (FDP), dass der Hamburger Strafverteidiger Gerhard Strate eine weitreichende Strafanzeige gegen Vorstände und Aufsichtsräte der HSH Nordbank erstattet hat.
Die zugehörige Meldung ist die letzten Tage ja voll an mir vorbei gegangen. Danach hat Strate zusammen mit seinem Mandanten Aram Ockert von der “Kooperation Arbeiten, Lernen und Ausbildung e. V.” gegen die Vorstände und Aufsichtsräte der HSH Nordbank aus den Jahren 2004 bis 2008 - um die 30 Personen – Strafanzeige wegen schwerer Untreue sowie gegen beauftragte Wirtschaftsprüfer wegen Beihilfe dazu erstattet. Der Vorstand habe vorsätzlich und unter den Augen des Aufsichtsrats das Geld der Steuerzahler, den Bestand der Bank und der betroffenen Länder mit Spekulationen aufs Spiel gesetzt, während die Risikokontrolle sträflich vernachlässigt worden sei. Der über der HSH-Nordbank schwebene Vorwurf, dass der Bock zum Gärtner gemacht wurde, könnte die Banker nun zu Gangstern machen – oder “Bangstern”, wie es in einem Kommentar bei welt.de so schön heißt.
Die “Sorgfalt eines ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsleiters” hätten die HSH-Vorstände vermissen lassen. Wegen der Gewährträgerhaftung seien “risikobehaftete Geschäfte, die spekulativen Charakter tragen, von vornherein verboten” gewesen. Dass diese Geschäfte mit Kreditderivaten dann auch noch, fern jeder Risikokontrolle, in Zweckgesellschaften wie “Poseidon” und “Carrera” mit Sitz in Luxemburg ausgelagert wurde, sei “ein nicht mehr verständlicher Vorgang”.
[...] Für die in bisherigen Zivilprozessen gegen Banker vorgebrachte Verteidigungslinie, alle in der Branche hätten ähnlich gehandelt, hat Strate nur Spott übrig. “Das ist die schlechteste Ausrede. Damit dürften sie nicht durchkommen.” [manager-magazin.de]
Strate spricht davon, “Die Bank hält ein ganzes Parlament als Geisel.” – tatsächlich sind es ja sogar zwei.
Update: Übers Wochenende wurde NewsHQ die Strafanzeige im Wortlaut als PDF-Dokument durch einen Hinweisgeber zugetragen und ist hier abrufbar.




03.April 2009 um 16:00 Uhr
Er hat ja Recht. Es kann nicht sein, dass alle alles richtig gemacht haben und am Ende steht die Fast-Pleite. Die große Koalition im Landtag will die Vorstände und Aufsichtsräte entlasten, als wäre nichts gewesen. Da hofft man dann auf gerichtliche Klärung der Vorgänge, die zu dieser Situation geführt haben.