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Vom Blog als Geisel genommen

“Ein Herz für Blogs” – Oder: Die Jagd nach dem verlorenen Sinn

Seit ich gestern (via Rivva) den Beitrag des Stylespions gelesen habe, in dem er zur Suche nach neuen Blogperlen und mittelbar der Reanimation der deutschen Bloglandschaft aufrief, treibt mich ein Gedanke um, den ich die letzten Wochen schon mit mir rumschleppe, ohne ihn konkret fassen zu können. Erst jetzt, wird mir klar, was mich umtrieb, und ich denke, das ist auch ein Teil von dem, was in vielen anderen steckt, die wie Kai ein Gefühl von “Depression” innerhalb der deutschen Blogosphäre verspüren.

Ein Herz für Blogs  

Woran liegt es also? Ich gehe davon aus, dass viele Blogger den Spirit des Ursprünglichen verloren haben, das Mojo, einetwegen auch das Herz – wenn ihr so wollt. Es ist aber nicht so einfach abhandengekommen – wir haben es uns nehmen lassen, als wir uns immer mehr in Geiselhaft unserer Blogs begaben.

Die Entwicklung des Bloggens verlief in den letzten Jahren rasant, geradezu inflationär. Bloggen wurde zum Geschäftsmodell, zum Massenmedium. Immer neue Updates, Features, immer neue Möglichkeiten und Konventionen sind dazu gekommen und haben den Blick auf das Wesentliche verklärt: Das originäre “Grasswurzeltum”, das Unvollkommene, das Einfache, das Selbst… Publizieren um seiner selbst willen, ohne Hintergedanken nach Resonanz.

Angefeuert von den omnipräsenten A-Blogebrities, Geschäftsmodellen, selbstreferentiellen Blog-Konferenzen, statistischen Schwanzvergleichen, Social Networking, immer mehr technischen Neuerungen und Features an den Blog-Plattformen ist der Blogger immer mehr zum Klein-Medien-Unternehmer geworden - ob er will oder nicht. Nicht er bestimmt sein Blog, das Blog, das Social Networking bestimmt uns. Natürlich in ganz unterschiedlicher Stärke haben wir uns ein großes Stück Selbstbestimmung nehmen lassen. Es geht nicht mehr darum, was und ob ich etwas schreiben will – immer öfter betrachten wir uns aus der Empfänger- der Konsumentenperspektive, wird wenn auch nur unbewußt einer – zumeist bloß eingebildeten – Erwartungshaltung “des Lesers” entsprochen.

Ja auch ich gehöre zu denen, die ein “eigenes Süppchen” kochen. Ich bin so grottenschlecht in Networking, dass es an Autismus grenzt. Ich vernachlässige das bisschen Networking, dass ich mit meinem Blog aufgebaut habe – das Blog4Burma-Netzwerk, die Blogroll, Offline-Kontakte – denn ich schaffe es schlichtweg nicht mehr, angesichts einer “redaktionellen” Erwartung an mich selbst und meine Postingfrequenz. Einem selbsterschaffenem Diktat des Blogs unterworfen, dem zu entsprechen meine Fähigkeiten und Möglichkeiten immer öfter übersteigt.

Man verstehe mich nicht miß: Blogs sind toll, Vernetzung ist toll! Was mir dieses Blog bereits an Einsichten und Zusammentreffen gebracht hat, ist für ich noch immer unglaublich. Mir wäre es noch vor zwei drei Monaten nicht im Traum vorstellbar gewesen, dass ich jemandem, den ich sonst nur aus den Medien kenne, einfach eine Mail schreibe und nur 10 Minuten später eine auskunftsfreudige, sehr nette Antwort auf meine Frage erhalte. Aber Vernetzung ist auf der anderen Seite auch ein Teil des Problems: Was früher reale mehrseitige Vernetzung war, ist heute allenfalls noch Konsum geworden: Feeds werden nur noch gescannt und kaum noch zum Anlaß genommen. Es hat ein professionelles Management und optimiertes Organisieren nötig gemacht und bei vielen dafür gesorgt, dass auch die Blogs nach Reichweiten- und Usability-Gesichtspunkten geglättet werden: SEOing, Hunderte Must-Have-WP-Plugins, “50 Ways How-To…”, “100 Do´s and Dont´s to…”, Google-Werbung überall hingepflastert, die überall gleichen Buttons von Bookmarkdiensten, Social Networks und neuerdings vermehrt Tweet This-Applikationen, gelten kleine MathCaptcha-Aufgaben als nutzerunfreundlich verpönt und die Integration des Facebook-Avatars in die Kommentare als Muß (beliebig erweiterbar) …

Warum wohl ist Twitter für viele ein so reizvolles, angenehmes Medium? Weil es (noch und wohl nicht mehr lange) ursprünglich ist! Es befriedigt ein Grundbedürfnis an Einfachheit, Unkompliziertheit und Unvollkommenheit, das viele in ihren eigenen Blogs bewußt oder unterbewußt vermissen: 140 Zeichen über: “Was machst du grade?” ist doch der Kernpunkt dessen, was das Weblog, das Tagebuch im Netz in seinem ursprünglichen Sinne einmal war und in dieser Form heute keine Aufmerksamkeit mehr bekommen würde, ohne ein (spektakuläres) Special Interest zu bedienen. Twitter ist nicht das bessere Blogging oder ein neues hippes Kommunikationsinstrument – es führt das Bloggen nur dahin zurück, wo es herkam. Das auch Twitter dahin mutiert, wo Blogs heute sind, ist zwangsläufig.

Heute verstehe ich Robert Basics Bedürfnis, die Ketten abzulegen, in dem er Basic Thinking verkaufte.

Die Suche nach neuen Blogperlen – sie ist eher – oder auch – eine Suche nach der Perle des Bloggens selbst: Eine Rückbesinnung auf den Kern des Sinns des Bloggens. So schön eine Perle ist – ihre Schönheit besteht in ihrer Einfachheit, ihrer originären Klarheit, ihrer Unkompliziertheit. Ich bin gespannt, was der Dienstag an Perlen zu Tage fördern wird.

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Verfasser: BreakingNews
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• 4 Kommentare »

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4 Responses to “ “Ein Herz für Blogs” – Oder: Die Jagd nach dem verlorenen Sinn ”

  1. # 1 Ecki Says:

    Genau das vermisse ich immer an Blogs. Diese Einfachheit! die Texte die so sind wie die Menschen selbst sind… Und nicht Artikel die man sich im Internet zusammen “sucht” etc. Danke für den Beitrag!

  2. # 2 BreakingNews Says:

    Sorry, leider blieb dein Kommentar in der Moderation stecken und da ich aufgrund kaputter Festplatte gestern keinen PC zur Verfügung hatte, kann ich ihn erst jetzt Freischalten.

    Leider hab ich selbst noch keinen der durch die Aktion “angeschwemmten” Perlen sichten können – auch wenn ein solches Untefangen wohl eine Lebensaufgabe wird, so viel, wie da rumgelinkt wurde…*g*

  3. # 3 Ein ♥ für Blogs : misterhonk.de Says:

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