Zum Tode David Carradines
Es gibt solche und solche Unfalltode
Saturday, 06.June 2009 um 00:07 Uhr | Blogosphäre, Entertainment, Hollywood, Internet, Kopfschüttelnd, Medien, Polizeimeldungen, USA, Unglücke/Unfälle, Vermischtes
“Unfalltode sind immer besonders tragisch”, heißt es. “Zu überraschend sei jemand aus dem Leben gerissen worden”, ist ein weiterer dieser Plattitüden – Als ob ein gewaltsamer Tod durch fremde, oder gar eigene vorsätzliche Hand weit weniger tragisch sein könne.
Und dann gibt es die Unfalltode von normalen Menschen, wie du und ich, die wir schon kaum mehr wahrnehmen, wenn ihre zu schnell oder unter Alkohol zu Schrott gefahrenen Wagen über die Bildschirme abendlicher Nachrichtensendungen flimmern, und die Unfalltode von Hollywoodstars oder Pop-Größen, die so gut wie nie in Autowracks verunfallt zu sterben scheinen, dafür aber weit mehr Platz in den Sendeabläufen von “Brisant” und “Explosiv” erhalten.
Doch schließlich lassen sich auch deren unglücksselige Ableben noch in zwei Kategorien unterscheiden:
Beliebt insbesondere bei jungen, aufstrebenden Hollywood-Schauspielern, wie Heath Ledger: “Accidental Overdose”, die ungewollte Drogen-Überdosis. Insofern tragisch, als damit zumeist ein Leben so abrupt beendet wird, das gleichsam vielversprechend, wie von Dämonen getrieben scheint, aber von dem Toten so ganz sicher nicht gewollt war. Die Medien zerfliessen vor Mitgefühl für die Angehörigen und feiern die beruflliche Leistung bzw. das was man eigentlich hätte noch erwarten können. Mit etwas Glück bekommt man für diese Darstellung sogar posthum einen “Oscar”.
Die zweite Kategorie entbehrt meist wohl nicht weniger Dämonen, erweist sich medial aber als weit weniger dankenswert. Der Unfalltod im Zusammenhang mit sado-masochistischen Masturbationstechniken reisst den Nachrichtenkonsumenten in die schwärzesten Abgründe einer nach dem Mediengusto möglicherweise durch das moralisch-korrupte Show-Establishment gequälten Seele. Nicht minder, aber aus anderen Gründen, für uns anderen unverständlich, wird der stets in kompromittierend nackter, wie tödlicher Lage aufgefundene Leichnam des Pop-Stars oder Hollywoodschauspielers unter fadenscheiniger Aufrechterhaltung eines gewissen anstandsvollen Respekts zum Thema eines unterschwelligen oder offenen medialen Panoptikums der Perversion. Ob David Carradine posthum einen “Oscar” dafür erhalten wird, das er nackt und mit Seilen um Hals und Genitalien ums Leben kam? Oder wenigstens für einen der Filme, die noch erst in die Kinos kommen? Oder sein Lebenswerk? Könnte es ein Ausgleich sein, für die Würde, die man ihm mit der Berichterstattung über “Penis-Schreine” nach seinem Tod nahm?
Seit heute ist Carradine, wie der ehemalige INXS-Sänger Michael Hutchence, fast offiziell das mutmaßlich prominenteste Opfer der sog. autoerotischen Asphyxie oder Asphyxiophilie, die ihm nicht nur das Leben, sondern zuvor schon seine Ehe kostete.
Hoffentlich ruhen Sie nun in Frieden, ”Bill”!
U2 – Stuck in a Moment You Can´t Get Out of
(Song zu Ehren von Michael Hutchence)


