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Nach den Entlassungen der SPD-Minister

Zur Entlassung von Bildungsministerin Erdsiek-Rave – Abschiedsgruß einer Lehrerin

Nachdem die längjährig vor sich hin schwelende Regierungskrise Schleswig-Holsteins in der letzten Woche mit dem Neuwahlbegehren der CDU-Fraktion und des Ministerpräsidenten Peter-Harry Carstensen ihre erste Eruption fand und angestachelt durch den giftigen Trotz des SPD-Landespartei und- fraktionsvorsitzenden Ralf Stegner in eine schizophren anmutende Vertrauensabstimmung mündet, die am morgendlichen Donnerstag stattfinden soll, sah sich der nordfriesische Regierungschef noch am Montag dazu genötigt, die vier im Kabinett befindlichen Minister der SPD zu entlassen. Dem vorausgegangen war vor der Abstimmung um die vorzeitige Landtagsauflösung die persönliche Erklärung der stellvertretenden Ministerpräsidentin und Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave. Im Namen ihrer SPD-Kabinettskollegen unterwarf sich die Politikerin der SPD-Fraktionsräson und stimmte nach der Stegnerschen Strategie gegen die vorzeitige Beendigung einer Legislaturperiode, die von Streit und persönlichen Verletzungen geprägt und längst nicht so erfolgreich war, wie alle Beteiligten auch heute noch glauben machen wollen.

Als nach einem eher seltenen und gleichsam kurzweiligen Abstimmungstriumph der SPD vor dem Plenarsaal durchsickerte, das Carstensen einen derartigen “Kabinettsverrat” möglicherweise mit der Entlassung der vier sozialdemokratischen Minister quittieren könnte, stellten sich allen voran die beiden weiblichen Inhaber von Ministersesseln, Erdsiek-Rave und Gitta Trauernicht vor die Kameras, um ihre Empörung offen in die Welt zu tragen. Vor allem Erdsiek-Rave schien es dabei ungemein wichtig, ihr Erbe jahrelanger Bildungspolitik gewürdigt zu sehen: “Ich mache mir Sorgen um die Zukunft der Gemeinschaftsschulen”,  “Mein Amt kann er mir nehmen, meine Leistung nicht.”  Die erwartete Entlassung kam und mit ihr eine wohl einmalige Inszenierung des selbstbemitleidenen Auszugs der vier Ex-Minister, den die SPD-Pressestelle als Moving -out-of-”Home-Story” an so ziemlich jedes deutsches Medium hatte verkaufen können.

Wie realitätsnah die (Selbst-)Einschätzungen der ehemaligen SPD-Spitzenpolitikerin tatsächlich sind, können wohl nur diejenigen beurteilen, die stets das haben hinnehmen müssen, was aus Kiel an Reformen auf sie herniederging: Die Lehrer im Land. Heute erhielt NewsHQ den Entwurf eines Leserbriefes an die Lübecker Nachrichten, den eine Lehrerin aus Ostholstein verfasst hat:

Die scheidende Bildungsministerin ist also “Stolz auf das Erreichte”? Wie ist denn das genau zu verstehen? Chaos an den Schulen zu hinterlassen, ist das nicht eine eigenartige Form von Stolz auf Etwas zu sein?

Ihren Rückzug kündigte Frau Erdsiek-Rave schon vor einigen Monaten an: Sie verlässt das sinkende (Schul)-Schiff, die Lehrer und Schüler können das nicht! Nun sagen einige, sie sollte eigentlich “zur Strafe” weiterregieren, aber da gibt es doch noch eine ganz andere Option: Frau Erdsiek-Rave möchte ehrenamtlich tätig werden, das finde ich sehr ehrenhaft und dazu fällt mir etwas ganz Großartiges ein: Wir haben Lehrermangel in Schleswig-Holstein; das stimmt! (Jedenfalls an den Schulen, nicht allerdings auf Wartelisten, aber das ist ein anderes Thema.)

Kam deshalb nicht aus ihren Reihen die “Welcome back”-Aktion vor einigen Jahren?! Das ist doch prima: Eine Lehrerin, die nach jahrelanger theoretisch gesammelter Erfahrungen und Erkenntnissen im Elfenbeinturm (siehe Erlasse und Reformen und Lernpläne und Differenzierung und Zentrale Abschlussarbeiten und Vergleichsarbeiten und, und, und…) wirklich weiß wie es an Schulen inzwischen zugeht und was getan werden muss, ist doch DIE Lösung bei aller Unsicherheit und Frustration, die mittlerweile dort herrscht! Frau Erdsiek-Rave geht an die Schulen zurück und zeigt den Lehrern wie die Reform gedacht war bzw. wie einfach es auch unter erschwerten Bedingungen ist, dies alles umzusetzen. Und wenn die Bildungsministerin dann auf ihrem ideologischen Graben steht und nach Rettung ruft, meint sie sicher nicht mehr die Schulreform….

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Verfasser: BreakingNews
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One Response to “ Zur Entlassung von Bildungsministerin Erdsiek-Rave – Abschiedsgruß einer Lehrerin ”

  1. # 1 Hotte Says:

    Ein sehr guter Leserbrief. Leider haben die Menschen, die in ihren Ministerien die Entscheidungen treffen, immer weniger Ahnung von dem, was vor Ort wirklich passiert. Ute E-R in einer 9. Klasse Hauptschule – das schafft sie keine 10 Minuten.

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