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Außerplanmäßiger Kiel211-Ausflug ins Arbeitsgericht

Kündigungsschutzklage von Falko Götz gegen Holstein Kiel abgeschmettert

In deutlicher Form hat das Kieler Arbeitsgericht hat am Donnerstag die Kündigungsschutzklage ehemaligen Bundesliga-Trainers Falko Götz gegen den Drittligisten Holstein Kiel abgewiesen und eine fristlose Entlassung aus dem September letzten Jahres für rechtmäßig erachtet. Der Kieler Traditionsclub hatte dem einstigen Hoffnungsträger für einen perspektiven Aufstieg in die Bundesligen fristlos gekündigt, nachdem bekannt geworden war, dass er dem Holstein-Spieler Marco Stier nach einem verlorenen Auswärtsspiel gegen Eintracht Braunschweig am 8. August 2009 beschimpft und ihm mit dem Ballen der geöffneten rechten Hand drei nicht unerhebliche Schläge gegen die Stirn versetzt hatte. Das Gericht sei davon überzeugt gewesen, das diese so wie von den Zeugen übereinstimmend beschrieben auch ausgeführt worden seien.  ”Dies”, so wertete die vorsitzende Richterin Sabine Göldner-Dahmke , ” habe die Qualität einer Körperverletzung” gegenüber dem in einem beruflichen “Abhängigkeitsverhältnis” zu dem Trainer stehenden Spieler gehabt und stelle eine klare ”grobe Verletzung der arbeitsvertraglichen Pflichten” dar. Mit der Klageabweisung erlegte das Arbeitsgericht dem Fußballlehrer auch die Kosten des Rechtsstreites auf, und bezifferte den Streitwert auf 80.000,- Euro. Zuvor waren Summen im hohen sechsstelligen Bereich als mögliche Abfindung und Bedingung für eine gütliche Einigung gehandelt worden.

Vor zahlreichen Medienvertretern und rund 40 interessierten Zuschauern der Holstein-Anhängerschaft, die in dem viel zu kleinen Saal 15 des Gerichtsgebäudes in der Deliusstraße zum Teil auf Fensterbänken und dem bloßen Fußboden Platz nahmen, hatte die Verhandlung am Donnerstagmittag in einer sachlichen Atmosphäre zwischen allen Beteiligten begonnen. Mit Handschlag begrüßte Götz Holstein-Präsident Roland Reime und den kaufmännischen Geschäftsführer Wolfgang Schwenke, die durch die Kieler Rechtsanwältin Gaby Krämmer vertreten wurden. Der ehemalige Coach der Störche wurde von seinem Rechtsanwalt Dr. Oliver Wendt begleitet.

   

Keine gütliche Einigung hinsichtlich zweiter fristloser Kündigung durch den Verein

Zu Beginn der Verhandlung erörterte die Richterin zunächst die Möglichkeit einer Gütevereinbarung hinsichtlich einer zweiten fristlosen Kündigung des Falko Götz durch den Verein vom 23. November 2009. Sie war der ersten vom 18. September 2009 nachgefolgt, nachdem Götz mutmaßlich versucht haben soll, den Mannschaftsbetreuer D, der die Schläge gegen den Spieler Stier ebenfalls gesehen hatte, durch ein Telefonat unter Druck zu setzen, bei seiner heutigen Zeugenaussage zu seinen Gunsten zu lügen. Darin habe Götz, so versicherte es D in einer Erklärung an Eides Statt, damit gedroht, die Gründe für das Ausscheiden des Betreuers aus seinem Arbeitsverhältnis an die Öffentlichkeit zu bringen, wenn dieser nicht zu seinen Gunsten aussage. In dem Telefongespräch habe D laut der Vertreterin des beklagten Vereins, Rechtsanwältin Krämmer, gesagt “Du hast Marco Stier geschlagen!” und Götz darauf geantwortet “Ja ja, ist ja richtig, aber kannst du trotzdem für mich aussagen?” Dies stelle eine Bedrohung, Nötigung, Anstiftung zur Falschaussage und einen versuchten Prozessbetrug dar und sei damit für den Verein “nicht hinnehmbar”.

Falko Götz hatte zuvor in einer schriftlichen Stellungnahme das Telefonat eingeräumt, aber betont, von D nur eine richtige Aussage erwartet zu haben. Eine Abmahnung hätte vollkommen ausgereicht, da D schon kein Holstein-Mitarbeiter mehr gewesen sei und somit nicht mehr der Fürsorgepflicht des Clubs unterlag.

Rechtsanwalt Dr. Wendt signalisierte zwar die “grundsätzliche Bereitschaft” seines Mandanten zu einer gütlichen Einigung, denn “an uns soll es nicht scheitern”, betonte aber, dass die bisherigen finanziellen Angebote des KSV Holstein “für uns uninteressant” seien. Ganz ähnlich erkannte es auch Rechtsanwältin Krämmer. Grundsätzlich sei man ebenso bereit, aber die Vorstellung würden “so weit auseinanderliegen”. Die Richterin setzte das Verfahren daher aus und wendete sich der Verhandlung in der urspünglichen Sache zu, die dann mit zwei Schöffen aufgenommen wurde.

    

Richterin fasst Sachverhalt und Klageantrag des Falko Götz zusammen

Die Richterin fasste zunächst den zu klärenden Sachverhalt wie den Klageantrag des 47-jährigen Fußballlehrers zusammen. Er richte sich mit seiner Klage gegen die fristlose Kündigung vom 18. September 2009, die ihm am selben Tage übergeben worden sei und ein Arbeitsverhältnis beenden sollte, dass am 16. Dezember 2008 durch die Anstellung als Chef-Trainer begonnen worden war und bis zum 30. Juni 2013 hätte laufen sollen. Götz habe das Vorliegen eines Kündigungsgrundes bestritten und seine Arbeitsleistung trotz Freistellung seit dem 16. September 2009 angeboten. Ein DFB-Schiedsgerichtsverfahren sei gescheitert.

Am 8. August 2009 sei es nach dem Auswärtsspiel bei Eintracht Braunschweig zu einem Vorfall gekommen, bei dem Götz mit dem Handballen der flachen Hand dreimal gegen die Stirn des Spieler Marco Stier geschlagen und diesen lauthals angeschrien habe. Mit den Worten “Muß ich das erst in deinen Kopf reinhämmern?” und drei ruckartigen Bewegungen des Armes habe er ihn getroffen, was alle anwesenden Zeugen sehr erschrocken habe.

Daraufhin habe es eine Besprechung im Mannschaftskreis gegeben, auf der verabredet worden sei, darüber zunächst Stillschweigen zu bewahren. In der Folge sei Mannschaftskapitän Sven Boy an den Verein herangetreten, um zu erklären, dass 24 von 25 Spielern eine weitere Zusammenarbeit mit dem Trainer aufgrund von verbalen Entgleisungen ablehnen würden. Am 16. September 2009 habe es zunächst um 8.30 Uhr ein Gespräch zweier Vorstandsmitglieder  und der Rechtsanwältin Krämmer mit Falko Götz gegeben, in der dieser bekundete, man wolle ihn loswerden, aber einräumte “Fehler gemacht” zu haben und sich dafür auch entschuldigen zu wollen. Gegen 10.00 Uhr habe der Vorstand um Präsident Reime die Spieler dazu angehört. Dort sei offenbart worden, dass Götz den Spieler nach dem Auswärtsspiel in Braunschweig in der Kabine gegen die Stirn geschlagen habe. 22 von 23 Spielern hätten erklärt, der weitere “Umgang mit dem Trainer sei unerträglich”, dieser sei “nicht ehrlich”. “Was macht er als nächstes? Bringt er ihn um?” sei die Frage aus dem Mannschaftskreis gewesen.

Falko Götz habe sich auf dem Trainingsplatz bei Stier und der Mannschaft entschuldigt, aber bekundet, inhaltlich zu seinen Vorwürfen gegen den Spieler zu stehen. Der Verein kündigte dem Chef-Coach fristlos.

   

In seinem Klageantrag habe der gegen die Kündigung klagende Falko Götz erklärt, es sei nach seinem Amtsantritt “relativ schnell klar” geworden, dass “einige Spieler nicht die Qualität haben”. Dies habe er der Mannschaft auch gesagt, manche Spieler hätten auch angesichts ihres Alters wohl um ihre sportliche Zukunft gefürchtet.

Marco Stier habe dem Vorfall selbst gegenüber dem Co-Trainer Andreas Thom keine besondere Bedeutung beigemessen, wie dieser bezeugen werde. Es könne nicht sein, dass man vom Zeitpunkt des Vorfalls bis zur Kündigung so lange zugewartet und das Thema habe deckeln können, wenn es denn tatsächlich so schlimm gewesen sei. Der Verein habe im übrigen sehr früh von dem Vorfall erfahren und somit entweder die zweiwöchige Ausschlußfrist für die fristlose Kündigung verstreichen lassen oder aber den Vorfall als nicht so schlimm erachtet.

Die fristlose Kündigung sei laut Götz auch sachlich ungerechtfertigt. Die angeblichen Schläge seien lediglich ein “leichtes Klopfen an die Stirn” des Spielers gewesen, nachdem dieser durch einen “taktischen Fehler” einen “Ballverlust” verursachte, der seinerseits zu einer roten Karte des Mitspielers Peter Schyrba führte. Es habe sich um eine “normale Kabinensituation” gehandelt, nachdem man nach der Niederlage – der dritten Niederlage in Folge im dritten Saisonspiel als Aufsteiger - entsprechend enttäuscht gewesen sei. Er habe auch nicht “Nase an Nase” dem Spieler gegenüber, sondern neben diesem gestanden. Dass dieser weder Arzt noch Physiotherapeut aufgesucht habe, zeige, dass es nicht so schlimm gewesen sein könne.

  

Richterin Sabine Göldner-Dahmke fasste den Kern der zu klärenden Fragen schließlich zusammen: Auch wenn Fußball ein “Vollkontaktsport” sei, waren die Bewegungen des Falko Götz gegen den Spieler Marco Stier nur ein “Klopfen” auf die Stirn? Ist das eine Körperverletzung? Wie stark waren die Schläge? “Dies werden wir wohl klären müssen!” Daher sei nunmehr durch Zeugenbefragung darüber Beweis zu erheben, dass es keinerlei wahrnehmbare Schläge (Zeuge Tim Jerat) und eine Äußerung des betroffenen Spielers Stier gegenüber dem Co-Trainer Andreas Thom zur geringen Bedeutung des Vorfalls gegeben habe oder ein solcher Übergriff doch stattfand (Zeugen Marco Stier, Peter Schyrba, Michael Holt, Alexander Nouri, Tim Wulff und Sven Boy, sowie zwei Betreuer).

   
   

Erste Spieler und Betreuer schildern übereinstimmend starke Schläge durch Falko Götz

Nach einer äußerst bildhaften Belehrung der ersten Spieler zu ihren Wahrheitspflichten als Zeugen – “Falschaussagen werden gnadenlos verfolgt”, man wolle doch nicht “ein Haus weiter sitzen” (Anm. des Autors: Die JVA Kiel befindet sich nur eine Straße weiter.) – nahm zunächst Marco Stier auf dem Zeugenstuhl Platz. Der 25-jährige schilderte, nach dem Abpfiff des Spiels gegen Braunschweig zunächst zu seiner Familie gegangen zu sein, bevor er die Kabine betrat. “Götz kam auf mich zu und schrie mich an”, habe von ”Egoismus und Leichtfertigkeit” gesprochen. “Weißt du, was du uns angetan hast?” habe er mit Blick auf die rote Karte und eine drohende mehrwöchige Sperre des Mitspielers Peter Schyrba geschimpft: “Das muss man dir aus dem Schädel hämmern!” und habe dann “dreimal ganz doll” zugeschlagen. Als er protestieren wollte, habe Götz gebrüllt “Setz dich hin und halt die Fresse, sonst kannst du zu Fuß nach Hause laufen, solche Papiertiger brauchen wir hier nicht!” Geschockt habe er etwas gesagt, wie “Muß man jetzt schon handgreiflich werden? Das kann ich auch!” Mitspieler hätten ihn dann aber beruhigt. Alle Spieler hätten betreten geschwiegen und nach unten geschaut. 
Zur Intensität gefragt, erklärte Stier: “Meine Nase hätte geblutet, wenn er sie getroffen hätte!” Es seien “drei dolle Schläge” gewesen und es habe “wehgetan”. Alle hätten gehört, dass es “laut geklatscht” habe.
Bezüglich seiner Positionierung im Raum und zum Trainer befragt, beschrieb der Fußballprofi, Götz sei ihm von seitlich links entgegen gekommen, so dass man sich in der Mitte des Raumes frontal gegenübergestanden habe: “Ich habe mich zu ihm hingedreht!” Der Trainer “kam dicht drauf, ich bin mit dem Kopf noch zurückgegangen, weil ich dachte der schlägt mich gleich – dass hat er ja auch gemacht!” Dr. Oliver Wendt stellte dies deutlich in Frage, brachte den Zeugen aber nicht dazu, sich zu widersprechen. “Die Schläge”, die Stier parallel zu der Aussage mit dem nach vorne schießenden Arm vormachte, “haben funktioniert!” Ausweichen sei nicht möglich gewesen, da hinter ihm eine Schuhkiste gestanden habe. Er habe sich deswegen aber weder krankgemeldet, noch blaue Flecken erlitten.
Noch im Mannschaftsbus habe er seine Frau und seine Eltern angerufen, weil er “total geschockt” gewesen sei, abends habe er mit seiner Frau über den Vorfall gesprochen. “Ich habe gedacht, jetzt ist alles vorbei [...], dass ich nicht mehr spiele [...], nicht mehr eingesetzt und rasiert werde!”
Wendt, selber als Berater von Fußballprofis tätig, fragte den Zeugen schließlich, ob er mit seinem Berater darüber gesprochen habe. Der Befragte verneinte. Man sei mannschaftsintern darüber einig gewesen, “angesichts der schlechten Tabellensituation und weil wir so schlecht dastanden”, Stillschweigen zu bewahren. Man habe abwarten wollen, ob Götz sich entschuldigt. Auf einen Anruf seines Beraters habe er nur erwidert, das etwas vorgefallen sei, aber keine Details genannt.
Tatsächlich habe er nur drei Tage nach dem Vorfall im Pokal spielen dürfen, bestätigte Stier dem Götz-Anwalt, aber das Verhältnis zu diesem sei angespannt gewesen: “Jeden Morgen habe ich nachgedacht, soll ich ihm die Hand geben?”
Zu einem Gespräch mit dem Co-Trainer Andreas Thom nach der Entlassung von Falko Götz befragt, schilderte der Angegriffene, dieser sei vor einem Training zu ihm in die Kabine gekommen und habe gefragt: “Jetzt mal so unter uns: Was war denn da?” Er habe ihm den Vorfall geschildert und habe ihm gesagt, es sei schimm gewesen, er habe es Thom so geschildert, wie er es vor Gericht ausgesagt habe und dessen Bedeutung auch nicht heruntergespielt.
Auch den Vorhalt des Rechtsanwaltes Wendt, ob er Falko Götz denn in der Kabine Widerworte gegeben habe, wies Stier zurück: “Nein, definitiv nicht!”
Auf Nachfrage der Rechtsanwältin des Vereins, Gaby Krämmer, wie denn die Situation vor und nach dem Vorfall gewesen sei, beschrieb Stier, ein zunächst gutes Verhältnis zu dem Fußballlehrer gehabt zu haben. “Umso geschockter war ich: Ich habe ihm gesagt, dass ich ihn mag!” – “Hinterher hatte ich Null Vertrauen mehr”, der Fußballprofi sprach sogar von “Angst”. Das erste Gespräch mit Götz nach dem Vorfall sei erst vier Wochen später erfolgt, “als er mich aus dem Kader geschmissen hat vor dem Unterhaching-Spiel”.

   

Holstein-Abwehrspieler Peter Schyrba sorgte zunächst für Erheiterung, als er bei Angabe seiner Personalien im Angesicht seines unmittelbar neben dem Zeugenstuhl sitzenden Vereinspräsidenten zögerte, dann aber als Beruf ausdrücklich “angestellter Fußballspieler” angab. Er sei im Spiel gegen Braunschweig aufgrund einer Notbremse in der 92.Minute mit einer roten Karte vom Platz gestellt worden und mit dem Mannschaftsbetreuer D als erstes in die Kabine gegangen. Falko Götz sei nach dem Abpfiff einer der ersten gewesen, die die Kabine erreichten, habe “rumgeschrien, rumgepoltert” und sich bereits über den noch nicht anwesenden Marco Stier aufgeregt. Als dieser in die Kabine gekommen sei, habe Götz diesen “beschimpft und beleidigt”: “Muß man dir alles in den Kopf reinhämmern?” Dann seien zunächst zwei Schläge mit dem Handballen der flachen Hand und nach kurzer Verzögerung ein dritter Schlag gegen die Stirn des Mitspielers erfolgt, dessen Kopf daraufhin zurückfiel. Götz habe mit “hoher Stärke” geschlagen und danach ”Halt den Mund und setz dich hin!” gesagt.”Ich bin zwar kein Boxer, sondern Fußballer, aber der Kopf von Marco hat sich deutlich nach hinten bewegt”, beschrieb Schyrba die “mit hoher Stärke” ausgeführten Schläge. “Marco hat sich den Kopf gehalten, war blass im Gesicht, sehr schockiert!” Auch er selbst sei sehr geschockt gewesen, betonte Schyrba. Götz habe auch gesagt “Halt die Fresse, oder du kannst zu Fuß nach Hause gehen!”
Auf Nachfrage des Anwaltes des früheren Trainers, erklärte der 29-jährige Zeuge, nach seiner roten Karte ruhig geblieben zu sein. Natürlich sei er enttäuscht gewesen, dass man verloren habe. “Der einzige, der rumgeschrien hat, war Falko Götz!” Stier habe lediglich eingewandt “Da muß man doch nicht schlagen!” Geschrien habe er aber nicht, ein Wortgefecht zwischen Spieler und Trainer in dem Sinne sei es nicht gewesen. Vielmehr habe Götz seinen Mitspieler “abgefangen und zur Rede gestellt in der Mitte des Raumes!”

    

Auch Stürmer und Goalgetter Michael Holt nahm dann auf dem Zeugenstuhl Platz und bestätigte die Aussagen seiner Spielerkollegen. “Herr Götz”, so der 23-jährige, sei auf Marco Stier zugegangen, habe ihn angeschrien “Du mit deinem Scheiß-Egoismus! [...] Muß man dir das jetzt in den Schädel reinhämmern?” und “dann ging alles relativ schnell”: Dreimal habe er ihm mit dem Handballen auf die Stirn geschlagen – “Das war kein Schubsen mehr!”, dessen Kopf habe sich nach hinten bewegt. Er selbst habe einen Meter, also unmittelbar daneben gestanden.
Auf Nachfrage der Rechtsanwältin Krämmer, ob es wehtun würde, wenn man solche Schläge abbekäme, antwortete der Fußballprofi mit einem klaren “Ja!” Marco Stier sei erschrocken, “es hat in ihm gearbeitet, er konnte es nicht so realisieren!”
Nach Frage durch den Götz-Anwalt, beschrieb Holt die Situation als ein- bis zweiminütigen Vorfall, bei dem die Kontrahenten eng zusammen, Kopf an Kopf gestanden hätten. Die Schläge seien “relativ schnell hintereinander” gefolgt, es könne sein, das nach dem zweiten eine Pause gewesen sei.

   

Alexander Nouri bekam als nächster Zeuge das Wort. Der Trainer habe seinen Mitspieler “direkt angeschrien: Bist du dir bewußt, das Peter wegen dir ausfällt?” habe Falko Götz Marco Stier ”sehr emotional” vorgeworfen und habe ihn dabei noch zwei oder drei Meter bis zur Mitte des Raumes “verfolgt”. “Dein Scheiß-Egoismus kotzt mich an [...] das muß man dir wohl in den Schädel reinschlagen” habe Götz gerufen, bevor er schließlich zugeschlagen habe. “Ich bin seit zwölf Jahren Profi-Fußballer und habe den einen oder anderen Trainer erlebt, aber damit hat er eine Grenze überschritten!” stellte der 30-jährige Mittelfeldakteur klar. So etwas habe er noch nicht erlebt, das ganze sei “surreal” gewesen. Stier habe darauf erwidert, “sie müssen ja nicht gleich handgreiflich werden!” Götz habe ihm daraufhin bedeutet “Halt die Fresse, setz dich hin!” Stier sei dann aufgestanden und habe erklärt “Das nächste Mal werde ich auch handgreiflich!”, sei dann von seinen Mitspielern beruhigt worden. Der Trainer habe daraufhin gedroht “Halt die Fresse, setz dich hin, sonst kannst du nach Hause laufen, du Papiertiger!”
Das ausgerechnet Götz ein solcher Ausfall unterlaufe, sei für ihn selbst “total schockierend” gewesen. Schließlich habe dieser schon in ganz anderen Städten, “Medien-Hauptstädten” gearbeitet und würde “aus einer anderen Situation kommen”. Nouri sprach von “Respekt”, den er als Spieler erwarte und durch diesen Vorfall gelitten habe: “Als Fußballer darf man unsere Leistungen kritisieren”. Ein bekannter Trainer habe aber einmal gesagt, dass der Spieler ”aber als Mensch unantastbar” sei – “Das ist hier überschritten worden!” Köperliche Gewalt dürfe kein Mittel sein.
Auf Nachfrage zur Intensität der Schläge, erklärte Nouri, es sei auch kein Klaps gewesen, sondern “intensive Schläge auf die Stirn” und versuchte es durch harte Schläge auf das Holz des Zeugentisches zu verdeutlichen, was die Richterin zu der Bemerkung veranlasste ” Nun hat Herr Stier ja keinen Holzkopf…”, den der Zeuge mit einem Lachen in Richtung seines, zusammen mit den vorigen Zeugen an einer Wand des Saales stehenden Mannschaftskameraden aufnahm und schelmisch bekundete “Darüber läßt sich streiten!” Doch die Heiterkeit wich schnell wieder der ernsthaften Aussage, er sehe den Gesichtsausdrucks seines Mitspielers noch vor sich: Es sei “surreal” gewesen, “alle waren befangen von der Situation, entsetzt”.
Auf die Frage nach der Positionierung der beiden Kontrahenten durch Rechtsanwalt Dr. Oliver Wendt, erwiderte Nouri, Götz habe frontal vor Marco Stier gestanden, als er mit der rechten Hand kurz hintereinander zuschlug. “Und er ist nicht umgekippt? Muß ja Nehmerqualitäten haben?”, lockte Wendt weiter, aber der Fußballer ließ sich nicht zu einer Unsicherheit verführen: “Er ist nicht bewußtlos geworden!”
Der Profi schilderte weiter, man habe drei Niederlagen in Folge einstecken müssen, “die Stimmung war eh schon schlecht!” Man habe im Bus weiter über den Vorfall gesprochen und sich gefragt “Was kommt als nächstes?”. “Wir”, führte Nouri aus, “sind das schwächste Glied in der Kette und ich habe eine Familie zu ernähren!” Falko Götz habe “suggeriert, dass er das alleinige sportliche Sagen hat, bei ihm alle Fäden zusammenlaufen”, so dass “jeder befürchtete, aussortiert zu werden!” Es habe eine “gegenwärtige und präsente Angst” gegeben, so dass man die Sache zunächst in der Mannschaft behalten habe.

    

Auch Tim Wulff, 22-jähriger Holstein-Stürmer, bestätigte bei seiner Zeugenaussage die Angaben seiner Mannschaftskollegen. Er sei ein bis zwei Meter hinter Marco Stier in die Kabine gekommen, als Götz diesen angeschrien habe, er spiele arrogant und mehr für sich selbst: “Sowas müsse man ihm aus dem Kopf hauen”. Dann seien drei Schläge gegen die Stirn gefolgt. “Wenn er nicht die Fresse halte, könne er zu Fuß nach Hause gehen”, habe Götz noch gebrüllt. Die Mitspieler hätten Marco Stier dann davon abgehalten, sich dagegen zu Wehr zu setzen. Es seien Schläge mit dem Handballen gegen die Stirn gewesen, “dreimal hintereinander weg”, “kein Tippen und kein Streicheln”, betonte Wulff. “Marco war baff!” Er denke schon, das ihm das weh getan habe, antwortete der Zeuge auf entsprechende Nachfrage. Es sei “ungewöhnlich, so von seinem Chef, seinem Trainer angegangen zu werden”
Die folgenden Tage seien “angespannt” gewesen. “Wir waren eingeschüchtert, keiner wußte damit umzugehen!” Man sei unsicher gewesen, was es für Folgen haben könne, wenn man noch etwas sagt. Daher habe man nur untereinander im Mannschaftskreis geredet und vereinbart, “das innerhalb der Kabine zu halten”. Für ihn persönlich, als einer der jüngsten Spieler, sei es ganz besonders verunsichernd gewesen: “Ich hatte Angst noch Fehler zu machen, habe weniger gesagt, wußte nicht, wie ich mich verhalten sollte!”, beschrieb Wulff sein Empfinden. “Irgendwann kam der Zeitpunkt, da ging es nicht mehr!” Alle hätten Stier unterstützt, “weil er im Recht war!”

  

Mannschaftskapitän Sven Boy schilderte schließlich, nur einen und damit den letzten der Schläge gesehen zu haben. Götz habe mit einer Bewegung nach vorn und dem Handballen voraus gegen die Stirn Marco Stiers geschlagen, so dass dessen Kopf nach hinten gegangen sei. Dieser habe sich dann “an die Stirn gefaßt” und sei “in einem kleinen Bogen” an Götz vorbei zu seinem Platz in der anderen Ecke der Kabine gegangen. Er selbst habe die Kabine dann zu einem Pressetermin verlassen. Als er in die Kabine zurückkam sei er, wie nach jedem Spiel rumgegangen und habe mit seinen Mitspielern abgeklatscht. Es sei “extrem ruhig” gewesen. Auf dem Weg in die Dusche, wo er den Rest der Mannschaft abklatschen wollte, habe er im Vorraum mit Stier gesprochen, der ihm schließlich den gesamten Vorfall beschrieben habe. “Verängstigt” sei dieser “nicht direkt” gewesen, aber “geschockt, mitgenommen und extrem blass”.
Tage später habe sich Götz auf dem Trainingsplatz bei einer Gesprächrunde mit der Mannschaft zwar entschuldigt, aber an dem Inhalt seiner Vorwürfe festgehalten: “Ich entschuldige mich bei dor für die Aktion, dass ich dich angegangen habe, aber der Inhalt meines Vorwurfs bleibt” habe Götz sinngemäß gesagt. Damit sei die Angelegenheit für die Mannschaft aber “nicht erledigt” gewesen, die die Entschuldigung als nicht ehrlich empfand. “Das kennt man nicht, dass es zu solchen Handgreiflichkeiten kommt!”
Der Anwalt von Falko Götz hakte diesbezüglich nach. Warum er als Kapitän nicht zum Trainer gegangen sei und das Gespräch gesucht habe, wollte Dr. Oliver Wendt wissen. “In der Situation ist es für mich kein leichter Gang gewesen, zu Götz zu gehen und zu sagen, dass war daneben! Ich hatte das noch nie und ausgerechnet ich war nun Kapitän!” bekannte Boy. Er habe vielmehr versucht, den “Weg zum Trainer zu vermeiden”.
Auch auf die zweifelnde Frage Wendts, warum die Presse keinerlei Kenntnis von dem Vorfall erhalten habe und dies doch eher ungewöhnlich sei, erwiderte Boy “Oberstes Gebot ist Verschlossenheit!” Man sehe es ja nun, wie die Sache “medienmäßig ausgeschlachtet” werde: “Wir als Spieler sind austauschbar, ich möchte gar nicht in so einer Sache in Erscheinung treten in der Öffentlichkeit!”

    

In den Saal gerufen, bestätigte auch der ehemalige Mannschaftsbetreuer D die Aussagen der bislang befragten Spieler. Der 48-jährige, mittlerweile arbeitslose Mann hatte im Zuge des Rechtsstreits dem kaufmännischen Geschäftsführer Wolfgang Schwenke sogar eine eidesstaatliche Versicherung zur Sache diktiert und bestätigte in seiner Aussage diese Angaben. Er hatte den vom Patz gestellten Peter Schyrba bereits die Kabine aufgeschlossen, als kurz nach Abpfiff Falko Götz als einer der ersten die Umkleide betrat. Als dann Marco Stier folgte, habe Götz diesen angeschrien, er sei ein “Egoist, der die rote Karte von Schyrba zu verantworten” habe. Dann folgten die drei Schläge gegen die Stirn des Spielers. Er selbst habe den Raum dann verlassen, weil ihm die Situation “unangenehm” geworden sei. Die Schläge seien “sehr heftig” gewesen, mit der Intensität einer “starken Ohrfeige” ausgeteilt worden, so dass sich der Kopf des Spielers “ordentlich nach hinten bewegt” habe. “Es ging mit nahe, ich habe überlegt einzugreifen, aber war das kleinste Glied in der Kette!”

Der 49-jährige Masseur L gab bei seiner Zeugenvernehmung an, nur aus dem Augenwinkel einen Schlag gegen die Stirn Stiers gesehen zu haben, als er in die Kabine gekommen sei und seinen Koffer abgestellt habe. Er habe lautes Geschrei gehört und sei nach dem Schlag sofort wieder aus der Kabine raus gegangen. “Für mich war das sehjr erschreckend! Ich bin zum Bus gelaufen und habe erstmal eine geraucht!” So eine Situation und auch solch eine Lautstärke habe er vorher nämlich nicht gekannt. Der Schlag sei “schon sehr heftig” gewesen, Blessuren habe es aber nicht gegeben.

     

Von Falko Götz benannte Zeugen stützen Klage nicht

Schließlich nahmen der langjährige Freund und berufliche Wegbegleiter des Falko Götz, Ex-Nationalspieler und Trainer Andreas Thom sowie der von Falko Götz nach Kiel geholte Spieler Tim Jerat auf dem Zeugenstuhl Platz. Sie waren von dem klagenden Ex-Coach der Kieler “Störche” als Zeugen benannt worden, konnten aber keine überzeugenden Tatsachen bekunden, die den Klageantrag hätten stützen können.

Der 44-jährige Andreas Thom, der die Mannschaft Holstein Kiels als Co-Trainer auch weiterhin betreut, hatte Wochen nach der Kündigung seines Chef-Trainers in einem Kabinengespräch mit Marco Stier über den Vorfall in Braunschweig geredet, den er selbst nicht mitbekommen hatte. Von der Richterin auf die allseits bekannte, langjährige Freundschaftsbeziehung zu Götz angesprochen, bestätigte Thom, aus persönlichem Interesse nachgefragt zu haben. Er habe aber “nicht richtig nachgefragt” relativierte der Fußballlehrer. Stier habe ihm gesagt, dass er den Vorfall von Braunschweig gar nicht von sich aus gegenüber dem Vorstand erwähnt habe, sondern von diesem darauf angesprochen worden sei. Er habe dem ” nicht die Bedeutung beigemessen, hat er mir am Anfang gesagt!” erklärte Thom zunächst, ruderte auf mehrfaches Nachfragen von Richterin und der Rechtsanwältin des Vereins aber zurück: Dass er dem nicht eine solch Bedeutung beigemessen habe, hätte Stier “so ausdrücklich nicht gesagt”, mußte Thom schließlich einräumen. Dies habe er lediglich aus den Worten Stiers geschlossen.

Mittelfeldspieler Tim Jerat erklärte, die Schläge in der Braunschweiger Gäste-Kabine gar nicht habe wahrnehmen können. Die Sicht sei ihm, der am anderen Ende der Kabine gesessen habe, durch eine Spielerbank und darüber aufgehängte Oberbekleidung sowie seinen Mitspielern versperrt gewesen. Götz habe Stier “sehr lautstark” für seinen Einwurf kritisiert und diesem “Egoismus” vorgeworfen. Dieser habe sich versucht, zu rechtfertigen, sei aber nicht sehr laut gewesen. “In Marco hats gebrodelt, er war drauf und dran, Widerworte zu geben, er ist ein sehr emotionaler Typ!” Mitspieler hätten aber auf ihn eingeredet, er solle nicht sagen, was er am nächsten Tag bereue. Stier sei “auffallend zurückhaltend gewesen, schien überrascht und überfordert. Er habe es zwar auch nicht Klatschen gehört, sei aber auch “mit sich selbst beschäftigt” gewesen und habe ein “schlechtes Gewissen” weil er in den anschließenden Ballverlust selbst involviert gewesen sei. Erst im Bus habe er den Vorfall geschildert bekommen, dem er zuvor gar nicht die Bedeutung beigemessen habe.
Auf Nachfrage des Rechtsanwaltes Dr. Oliver Wendt, wie sich die Sache in den kommenden Tagen fortgesetzt habe, erklärte Jerat, die Sache sei für ihn persönlich abgehakt gewesen, er habe nicht mehr mit den Kollegen darüber gesprochen. Die Verwunderung des Anwalts darüber, beantwortete der 27-jährige mit den Worten: “Als Spieler, der ich zu Saisonbeginn von Falko Götz geholt worden bin, hatten die anderen noch nicht so das Vertrauen gehabt.” Das könne nach seiner Ansicht ein Grund dafür sein, dass er bewußt aus der Sache rausgehalten worden sei.
Die Frage des Anwalts: “Wieso stand das nicht drei Tage später in der Zeitung?” beantwortet Jerat nicht mehr, ihm kam Wolfgang Schwenke zuvor: “Ein so großes Medieninteresse ist in der dritten Liga nun auch nicht, wie in der ersten Bundesliga!”

   

Das Gericht hatte genug gehört. Nach einer kurzen Unterbrechung zur Beratung, entschied die Kammer, keine weiteren, der auf Abruf geladenen Zeugen zu benötigen. Holstein-Präsident Roland Reime zeigte sich während der Pause betont nach vorne gewandt: “Da muss jetzt ein Schlußstrich drunter: Wir müssen Fußball spielen und müssen erfolgreich sein und nicht ständig im Gericht sitzen!”

   

Stellungnahmen der Rechtsanwälte beider Parteien mit unterschiedlichen Sichtweisen

Für Falko Götz fasste Rechtsanwalt Dr. Oliver Wendt die Erkenntnisse der Verhandlung zusammen. Es falle schon auf, dass in der Wiedergabe der Geschehnisse durch die Zeugen zahlreiche Formulierungen “eins-zu-eins” in allen Aussagen wiederzufinden seien. “Jeder weiß sich ein Bild zu machen, was das bedeutet oder bedeuten kann!” Die aussagenden Spieler seien in einer besonderen Situation hier im Saal, die Tendenz der Einlassungen habe man sich schon vorgestellt, sei aber noch übertroffen worden.
Es sei eine Interessenabwägung, ob eine fristlose Kündigung das geeignete Mittel nach einem verlorenen Fußballspiel mit einer roten Karte sei. Man habe drei Spiele in Folge verloren, eine gewisse Drucksituation habe sich nicht nur für die Spieler, sondern auch für den gesamten Verein ergeben. In Fußballkabinen gehe es sehr wohl anders zu, als es die Schilderungen von Erschütterungen der Spieler es weiß machen wollen. Da gebe es Reibereien, und ab und zu fliegen Sachen durch den Raum. “Braunschweig werte ich als überspitzte Situation” Das diese aber “so nachhaltig gewesen” sei, eine fristlose Kündigung zu rechtfertigen, hätte die Öffentlichkeit ganz sicher viel früher erfahren. Von irgendwoher werde ständig etwas an Öffentlichkeit oder Vorstände zugetragen, so dass “daher dieser Vorfall nicht einer fristlosen Kündigung würdig” gewesen sei, angesichts der Branche und der konkreten Tabellensituation, in der sich der Verein befunden habe.
Die Situation, die zur Kündigung führte habe sich dagegen erst viel später ergeben. DIe Mannschaft mochte nicht mehr mit Götz zusammenarbeiten, der Verein stellte ihn frei und sei sich dann bewußt geworden, dass er ja noch vier Jahre Vertrag gehabt habe. Erst dann habe man versucht eine “nachträgliche fristlose Kündigung zu konstruieren”.
Wenn der vorgeworfene Sachverhalt so wahr sein sollte, dann würden die Zeugen ihre Aussagen nicht mit exakt demselben Vokabular bestreiten. Keiner erinnere sich gleich und mit der gleichen Wortwahl an eine Situation, dies sei nicht glaubwürdig. “Wir haben nie bestritten, dass es zu einem körperlichen Kontakt gekommen ist! Reicht das aus? Nein!” schloss Wendt seine Ausführungen ab.

Für den ehemaligen Arbeitgeber, den Verein Holstein Kiel, erwiderte Rechtsanwältin Gaby Krämmer, der Kollege habe “eine Menge Vermutungen, aber wenig Tatsachen” vorgebracht. Es habe “sehr wohl Nuancen in den Aussagen gegeben”, auch die Wortwahl sei durchaus unterschiedlich gewesen. Übereinstimmungen mögen auch “daran liegen, dass sich das so zugetragen hat!” Natürlich seien Ähnlichkeiten nicht vermeidbar, es möge daran liegen, dass es nunmal Thema im Mannschaftskreis gewesen sei, abgesprochen seien die Aussagen damit noch lange nicht!
Herr Thom habe sich bei seiner Aussage “nicht in eine glückliche Lage gebracht und gerade noch die Kurve gekriegt, wäre ansonsten der einzige Zeuge gewesen, der sich hier widersprochen hätte!” Alle übrigen Aussagen seien überzeugend gewesen.
Die Rechtslage erfordere einen “groben Verstoß gegen arbeitsvertragliche Pflichten, es muss keine konkrete Straftat sein und braucht auch keine sichtbare Verletzung”, soweit eine Körperverletzung schon jede unangemessene Behandlung sei, die das körperliche Wohlbefinden oder die körperliche Unversehrtheit nicht nur unerheblich beeinträchtigt. Eine Schmerzverursachung sei dafür nicht erforderlich. “Genau das ist geschehen, es bestehen überhaupt keine Zweifel, das eine Körperverletzung vorliege!” Es sei langjährige Rechtsprechung, dass dann stets eine fristlose Kündigung gerechtfertigt sei. Der Arbeitgeber habe dann so entscheiden müssen: “Es ist untragbar, dass geschlagen wird!” Götz habe eine “exponierte Position” eingenommen, nachdem viele Hoffnungen an seine Verpflichtung geknüpft worden waren. “Der Verein hat es sich weiß Gott nicht leicht gemacht!”
Die fristlose Kündigung war demnach gerechtfertigt, auch das lange Schweigen der Spieler sei am heutigen Verhandlungstag “eindrucksvoll erklärt worden”: Die Spieler haben Angst gehabt, überhaupt noch mit dem Trainer zu sprechen.

In seiner Urteilsbegründung trat das Gericht der Begründung des beklagten Vereins bei. Es könne nicht sein, dass ein Vorgesetzter, ein Fußball-Lehrer, solch ein Fehlverhalten an den Tag lege und trotz seiner Vorbildfunktion Spieler angreife. Götz selbst schien im Verlaufe der Verhandlung schnell gemerkt zu haben, wohin die Aussagen führen sollten. Hatte er sich noch zunächst interessiert den aussagenden Spielern zugewandt, starrte er später eher regungslos auf einen Punkt jenseits der durch die große Zahl an anwesenden Personen beschlagenen Fensterscheiben des Gerichtssaals – und in eine möglicherweise ungewisse berufliche Zukunft. Sein Anwalt erklärte, eine Berufung gegen das Urteil prüfen zu wollen.

   

Falko Götz sieht sich auch weiterhin bewußt un- und mißverstanden

Auf seiner Homepage kommentiert der ehemalige Trainer von Hertha BSC und 1860 München das Urteil so:

“… Ich bin sehr enttäuscht über das Urteil, hätte es in dieser Form nicht erwartet. Diese Niederlage gilt es jetzt wegzustecken und in aller Ruhe zu analysieren. Dass es nach dem Braunschweig-Spiel am 8. August 2009 in der Kabine emotional zuging habe ich nie bestritten. Dennoch bin ich nach wie vor der Meinung, dass die gegen mich erhobenen Vorwürfe maßlos übertrieben sind. Ich bin kein Schläger, war nie einer – und habe auch nicht vor, jemals einer zu werden.

In diesem Sinne macht mich die Entscheidung der zuständigen Richterin in Kiel sehr betroffen, die aktuelle Situation ist sehr unangenehm und, wie ich meine, auch sehr unangemessen.”

    
Aus seiner Trainer-Vita ist seine Anstellung bei Holstein Kiel getilgt. Götz hatte sich im September 2009  gegen die Vorwürfe zur Wehr gesetzt und von einer “Rufmord-Kampagne” gesprochen:

“… Ich möchte an dieser Stelle unmissverständlich darstellen, dass ich zu keinem Zeitpunkt weder einen Spieler von Holstein Kiel geschlagen noch eine Tätlichkeit begangen habe. Da dieser Vorwurf jedoch bundesweit für Aufsehen und Schlagzeilen sorgt, sehe ich mich in meinem Ansehen beschädigt und öffentlich an den Pranger gestellt. Ich habe niemand geschlagen und werde deshalb nun alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen mich gegen diese falsche Verdächtigungen und diese üble Nachrede zu wehren. Bis bin zu strafrechtlichen Konsequenzen. Aus meiner Sicht handelt es sich  um den Versuch, sich mit Hilfe einer gezielten Rufmordkampagne eines Cheftrainers und womöglich fälliger Abfindungszahlungen zu drücken. Zweifelsohne ein in der Geschichte des deutschen Fußballs bislang wohl einmaliger Vorgang. Ich bin vom Vorgehen des Präsidiums von Holstein Kiel tief enttäuscht und kann nur hoffen, dass solch ein menschlicher Umgang im Sport nicht Schule macht, sondern ein Einzelfall bleibt.”

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Verfasser: BreakingNews
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