THW-Manipulationsaffäre
Kiel211: Staatsanwaltschaft erläutert Anklagen gegen Uwe Schwenker und Noka Serdarusic
Monday, 08.February 2010 um 20:31 Uhr | Kiel211, Polizeimeldungen, Rechtsprechung
Zehn Tage nachdem das Landgericht Kiel vorzeitig die Erhebung der Anklage gegen den ehemaligen Manager des THW Kiel Uwe Schwenker und den früheren Erfolgscoach Zvonimir “Noka” Serdarusic bestätigte, hat die Staatsanwaltschaft Kiel am Montag den Inhalt der erhobenen Anklage erläutert. Neben Betrug und Untreue wird dabei auch ein Straftatbestand aus dem Handelsgesetzbuch, die “Unrichtige Darstellung” angeklagt.
Dem langjährigen Geschäftsführer der THW Bundesliga GmbH & Co. KG, Uwe Schwenker und dem ehemaligen Trainer Serdarusic wird vorgeworfen, im Zusammenhang mit dem Champions League-Finalrückspiel des THW Kiel gegen die SG Flensburg-Handewitt am 29.04.2007, den dabei eingesetzten, gesondert strafverfolgten polnischen Schiedsrichtern einen höheren fünfstelligen Geldbetrag durch einen ebenfalls gesondert strafverfolgten kroatischen Mittelsmann ausgezahlt zu haben, um den Ausgang des Spiels zugunsten des THW zu manipulieren. Wäre dem Ausrichter der Champions League, der Europäischen Handballföderation (EHF) die Geldzahlungen an die eingesetzten Schiedsrichter bekannt gewesen, hätte sie das Finalrückspiel entweder vorzeitig mit anderen Schiedsrichtern neu angesetzt oder es nachträglich annulliert, so dass jedenfalls keine Ausschüttung der Siegprämie in Höhe von 320.000 Euro an den THW erfolgt wäre. Damit sei die SG Flensburg-Handewitt zugleich darum gebracht worden, ein neu angesetztes Spiel und den Champions League Titel zu gewinnen. Die Staatsanwaltschaft sieht darin nach vorläufiger rechtlicher Würdigung einen vollendeten gemeinschaftlichen Betrug zum Nachteil der EHF und der SG Flensburg-Handewitt, sowie eine Untreue Schwenkers zum Nachteil des THW Kiel, zu der Serdarusic Beihilfe geleistet habe.
“Weitere Untreuehandlungen” werden Schwenker hinsichtlich “pflichtwidriger Entnahmen von insgesamt 60.000 Euro” im April und Mai 2008 zum Nachteil des Handball-Clubs zur Last gelegt, die Serdarusic erhalten haben soll. Dem Ex-THW-Geschäftsführer wird darüber hinaus eine unrichtige Bilanzerstellung im Sinne des §331 HGB vorgeworfen.
Oberstaatsanwalt Schulze-Ziffer schloss in seiner Pressemitteilung dagegen einen hinreichenden Tatverdacht bezüglich der Manipulation zweier weiterer Chamions-League-Partien gegen den FC Barcelona sowie gegen BM Ciudad Real ausdrücklich aus. Die Ermittlungen hätten dazu keine weiteren Beweise geliefert.
Die Strafverfahren gegen die weiteren mutmaßlich Beteiligten wurden ”aus prozessökonomischen Gründen” abgetrennt und werden daher gesondert verhandelt.
Update: Der Verteidiger Uwe Schwenkers, Dr. Harald Riettiens, äußerte sich in einer Pressemitteilung vom Dienstag unbeeindruckt. Die Ausführungen würden „nichts Neues, keine Substanz, vage Vermutungen ohne Beweise“ enthalten.




08.February 2010 um 21:28 Uhr
[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Michael Schmidt, Kiel211 erwähnt. Kiel211 sagte: #Betrug, #Untreue und ein Straftatbestand aus dem Handelsgesetzbuch – Die #Anklage gegen #Schwenker und #Serdarusic #THW http://is.gd/7Xuob [...]