17 Tote, unzählige Verletzte
Tote bei Massenpanik: Tragödie während “Love Parade”
Saturday, 24.July 2010 um 18:35 Uhr | Breaking News, Deutschland, Entertainment, Polizeimeldungen, Unglücke/Unfälle
Bei der in Duisburg ausgetragenen “Love Parade” ist es nach einer Massenpanik zu einer Katastrophe gekommen: Mindestens 18 Menschen starben, 16 wurden im Eingangsbereich zum Festgelände getötet, zwei Personen erlagen später ihren schwersten Verletzungen. Mehr als 100 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. In einem Tunnel der Karl-Lehr-Straße, am alten Güterbahnhof, einem Nadelöhr auf dem Weg zum Love-Parade-Gelände, hatten sich zuviele Personen auf einmal Zugang zum Veranstaltungsort schaffen wollen, von der nachdrängenden Masse wurden schließlich viele Menschen mutmaßlich überrannt. Auch Stunden nach dem Unglück wurden die Verletzten vor Ort versorgt, lange Zeit lagen die Leichen der Todesopfer in der Unterführung. [Polizei Duisburg | DerWesten.de | DerWesten-Ticker]
Kurz nach 23.00 Uhr ist die Musik verstummt… statt Bässen und Techno-Beats kündet Meeresrauschen von den Bühnen am alten Güterbahnhof in Duisburg einen traurigen Kehraus.
Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Die Stadt Duisburg hat unterdessen eine Mitschuld der zum Teil erheblich alkoholisierten Betroffenen angedeutet. Es sei nicht zu einer Massenpanik gekommen, vielmehr seien 15 dort feststeckenden Menschen an der Tunnelwand hochgeklettert und tödlich abgestürzt, erklärte der zuständige Dezernent Wolfgang Rabe auf einer eigens anberaumten Pressekonferenz. Notärzte hätten bei den Toten und Verletzten Quetschungen des Rückenmarks festgestellt, die dies belegen würden, das Sicherheitskonzept habe jedenfalls nicht zu dem Unglück beigetragen.
Warum es nicht wahrscheinlicher sein könnte, dass die Rückenmarksquetschungen von den auf sie tretenden Menschen verursacht wurden, konnte oder mochte offenbar keiner sagen. Jedenfalls wird den Exkulpationsversuchen der Stadt von Augenzeugen widersprochen:
“Die Menschen wurden gegen eine Mauer gedrückt. Ein ganzes Knäuel lag auf einer Fläche von vielleicht 15 mal 15 Metern übereinander, bestimmt einen Meter hoch. Es hat eine halbe Stunde gedauert, bis sich das wieder aufgelöst hat. Dass Menschen von einer Mauer gestürzt sind, stimmt einfach nicht.” [Welt.de Ticker]
Beispielhaftes Bild von der Überfüllung via Twitter/Tweetphoto @DJJohnMcGregor / Bild nach der Katastrophe via Twitpic @sascha_p
Während der Großteil der Masse im nördlichen Teil des Geländes mit dumpfen Bässen und Techno-Beats beschallt wurde und zunächst noch weiter feierte, kämpfen Einsatzkräfte im südlichen Teil weiter um das Leben von zahlreichen Besuchern. Ein Krisenstab entschied, die Veranstaltung mit insgesamt 1,4 Mio. Besuchern zunächst nicht abzubrechen, um die Menschenmassen nicht erneut zu fluchtartigen Handlungen zu provozieren. Nachdem die Handynetze nur eingeschränkt funktionieren, waren und sind noch immer nicht alle Teile des Geländes über die Situation im Bilde. Nur langsam machten sich die ersten informierten Besucher auf, den Ort zu verlassen.
Dutzende weitere Einsatzkräfte erreichten den Ort des Geschehens über die abgesperrte Autobahn 59, bis zu neun Rettungshubschrauber waren zunächst im Einsatz und nutzten die A59 als Landeplatz. Auch andere Bundesländer schickten Einsatzkräfte, selbst die Bundeswehr soll mit Hubschraubern Hilfe leisten.
Eine Notrufnummer für Angehörige wurde mittlerweile geschaltet: 0203 – 94000
Schlechte Zugangsmöglichkeiten für die Besucher hatte am Nachmittag zu Problemen geführt
Die Polizei hatte schon am Nachmittag anreisende Teilnehmer aufgerufen, zurück in Richtung Hauptbahnhof zu gehen. Wegen der nur zwei Zugangsmöglichkeiten wichen einige Raver sogar auf über Bahngleise aus, so dass der Bahnverkehr eingestellt werden mußte. Es habe “massive Gleisüberschreitungen“ gegeben, berichtet auch die für das Bahngelände zuständige Bundespolizei, Zäune seien niedergerissen worden. [SpiegelOnline]
Erste Augenzeugen erheben schwere Vorwürfe
Unterdessen berichten erste Augenzeugen von dem Drama: Zum Teil zwei Stunden habe man in dem Tunnel festgesteckt, die Luft sei knapp geworden, berichteten Betroffene gegenüber dem WDR.
“Es kamen immer mehr Leute von hinten, dann sind wir umgefallen!” Die Opfer seien zum Teil an die Wände gedrückt worden, hätten schließlich aufeinander gelegen und keine Luft mehr bekommen. Auch Vorwürfe gegen die Polizei werden laut, schon 45 Minuten vor dem Drama wollen Betroffene die Polizei über die bevorstehende Massenpanik aufmerksam gemacht haben: „Die Polizei stand auf der Brücke und hat nichts gemacht.” [WeltMobil]
“Die Leute sind reihenweise umgefallen, aber die Polizei hat immer weiter von beiden Seiten Menschen in den Tunnel geschickt.” [DerWesten-Ticker]
Auch der seit 2006 nicht mehr an der Organisation beteiligte “Love Parade”-Gründer Dr. Motte erhebt gegen die Veranstalter schwere Vorwürfe: Es sei verantwortungslos, nur einen Zugang auf das Gelände zuzulassen, “reine Profitgier” habe zu der Katastrophe geführt. “Das hätte man im Vorfeld verantwortungsvoller planen müssen”, erklärte er gegenüber dem Tagesspiegel.
Behörden hatten sich gut vorbereitet gefühlt – Mahnende Stimmen blieben ungehört
Mehr als 2.000 Polizistinnen und Polizisten, 2.000 Sanitäter und Ärzte und über 300 Feuerwehrleute sollten nach Angaben des nordrhein-westfälischen Innenministerium bei der Love-Parade für einen störungsfreien Ablauf sorgen. ”Alle sind hoch motiviert und haben sich professionell vorbereitet”, sagte Innen- und Kommunalminister Ralf Jäger noch am Vormittag in Düsseldorf. Inzwischen hat sich Jäger “entsetzt und traurig” über das Drama gezeigt. [Pressemitteilung des Innenministeriums vom Vormittag]
Dass die Veranstaltungsfläche vollkommen unzureichend für die zu erwartenden Millionen Besucher sein könnte, hatte DerWesten bereits vor Tagen angemahnt und von einem “Tanz auf dem Drahtseil” gesprochen:
An einem Punkt könnte sich das Mega-Event zum Tanz auf dem Drahtseil entwickeln: In Duisburg werden deutlich mehr Raver erwartet, als auf das Güterbahnhofsgelände passen. Während Sicherheitsdezernent Wolfgang Rabe auf DerWesten-Anfrage von „einigen hunderttausend Menschen“ spricht, die auf dem Gelände Platz haben, wird Kersten Sattler vom Veranstalter Lopavent etwas konkreter: „400.000 bis 500.000 Menschen“ könnten sich zeitgleich auf der abgesperrten Party-Fläche mit 230.000 Quadratmetern aufhalten. Die konkrete Zahl aus der Genehmigung der Stadt für die Loveparade wollte Rabe aus einsatztaktischen Gründen nicht nennen.
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Die Organisatoren gaben sich am Dienstag allerdings sehr optimistisch, dass es kein Chaos geben werde. „Die eine Million Besucher wird ja nicht auf einmal, sondern über den Tag verteilt kommen“, so Rabe. Es sei zwar nicht auszuschließen, dass der Zugang während der zehnstündigen Veranstaltung kurzzeitig gesperrt werden müsse, aber derzeit gehe man nicht davon aus. Und wenn der Fall doch eintrete, „dann haben wir ganz unterschiedliche Maßnahmen, mit denen wir das problemlos steuern können“, verspricht der Sicherheitsdezernent – bei den Details wollte er sich nicht in die Karten schauen lassen. [DerWesten, via Pottblog]



24.July 2010 um 21:02 Uhr
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25.July 2010 um 16:10 Uhr
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