Eine Replik
“Loveparade” oder der neueste Kreuzzug der Eva H.
Sunday, 25.July 2010 um 15:01 Uhr | Breaking News, Deutschland, Kopfschüttelnd, Polizeimeldungen, Unglücke/Unfälle
Das die selbsternannte, fleischgewordene Moral der Nation Eva Herman, ihre Chance gekommen sieht, mit der Loveparade-Tragödie erneut ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken, um ihre rechtskonservativen, pseudo-gläubigen Ansichten unters Volk zu bringen, ist an sich zwar fragwürdig, aber wir leben in einem freien Land, in dem sich jeder Spinner zu Wort melden darf. Dem Verlag, der ihr eine solche Bühne bietet sei der Glückwunsch zuteil, mal wieder aus einem Häufchen abgesonderten Schmalzes der ehemaligen Tagesschau-Marionette eine Menge Traffic gemacht zu haben. [Die Seite wurde zwischenzeitlich offenbar zurückgezogen oder brach unter der Last des Traffics zusammen, aber wenigstens auf Google Cache ist Verlass]
Man kann zu der Loveparade sicher kritisch stehen. Das Problem, Sex und zum Teil exzessiver Drogenkonsum unter einer Geräuschkulisse, die man nur schwer als Musik zu qualifizieren vermag als Kulturveranstaltung anzusehen, haben sicher viele Menschen, die sich mancher heutigen, durchaus kritikwürdigen Jugendkultur nicht mehr assimilieren mögen. Das ist ihr gutes Recht. Ebenso die Frage, ob eine solche Veranstaltung angesichts knapper Staatskassen von Stadt und Land auch noch quersubventioniert werden muss.
Den Teilnehmern aber pauschal die Moral, Sittlichkeit und Anstand abzusprechen, von “Sodom und Gomorrha” zu geifern und die Bilder der Feiernden mit “der Verfilmung der letzten Tage [...], wie sie in der Bibel beschrieben werden” zu vergleichen, zeugt von einem Fundamentalismus, der heutzutage eher im Zusammenhang mit Islamismus und Taliban Erwähnung in der Presse findet.
Die Art und Weise, wie sich Frau H. mit Sätzen wie “Riesige dunkle Wolken der Enthemmung und Entfesselung treiben über dem Geschehen, die jungen Menschen wirken, als hätten sie jegliche Selbstkontrolle abgegeben, ekstatisch und wie im Sog folgen sie dem finsteren Meister der sichtbaren Verführung” aber schließlich über andere Menschen erhebt und “die entfesselten Auswüchse” einer Veranstaltung, “die symbolisch doch nur für den kulturellen und geistigen Absturz einer ganzen Gesellschaft steht” dämonisiert, zeugt jedenfalls nicht mehr von einer kritischen Auseinandersetzung mit einem gesellschaftlichen Phänomen, sondern von einem persönlichen Kreuzzug einer zutiefst selbstbezogenen Person.
Die Menschenverachtung der Eva H., die aber in dem Tenor ihres Artikels und ihren Worten steckt, es geschehe den Todesopfern als Quasi-Strafe für Unmoral nur recht – “Eventuell haben hier ja auch ganz andere Mächte mit eingegriffen, um dem schamlosen Treiben endlich ein Ende zu setzen. Was das angeht, kann man nur erleichtert aufatmen!” – ist ungleich erschreckender, als die möglichen Exzesse, die sie anzuprangern sucht. Den Tod anderer Menschen zur Erreichung eines nach ihrer Meinung heeren Ziels erleichtert zur Kenntnis zu nehmen, hat ihr jedenfalls endgültig die Maske entrissen. Da ändern auch in dem Zusammenhang nur falsch anmutende Betroffenheitsadressen, wie “Grauenhaft allerdings, dass es erst zu einem solchen Unglück kommen musste.” nichts.
Ein früherer Lehrer meinerseits hätte ihr an dieser Stelle an den Kopf geworfen, er spreche ihr jeden Funken von Menschlichkeit dafür ab, dass sie sich hier jenseits einer berechtigten Empörung über die Umstände der Todesfälle hinaus produziert. Als ich diese Worte von ihm das erste Mal hörte, ist dieser Ausbruch noch verfehlt gewesen…
PS: Ich schlage “Gottes Werk und Eva Hermans Beitrag” als neuen Buchtitel vor. Tantiemenschecks bitte an die im Impressum genannte Adresse!



25.July 2010 um 15:20 Uhr
Und sowas darf frei rumlaufen.
25.July 2010 um 16:12 Uhr
Vielleicht wird sie von ihrem Verlag ja in einem Autoren-Verlies gehalten…
25.July 2010 um 16:16 Uhr
[...] für das “Sodom und Gomorrha” ansieht, mit dem sie die Loveparade vergleicht. Dazu meine gesonderte Replik hier. Pressekonferenz wirft mehr Fragen auf, als sie [...]