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The very first BarCamp Kiel – Web2.0-Ersti-Wochenende an der “Silicon Förde”

Das BarCamp Kiel war sowohl für das Orga-Team, wie für einen Großteil der Teilnehmer ein Ersti-Wochenende in Sachen BarCamp-iererei – und man darf getrost sagen, dass es organisatorisch und atmosphärisch ein ziemlich perfektes Ersti-Wochenende war: Denn niemand wird behaupten wollen, dass die veranstaltenden Teilnehmer nicht eine entspannte, offen-freundschaftliche Atmosphäre des Austausches im Wissenschaftzentrum und dem Camp 24/7 zum Jour Fitz geschaffen hatten. Danke dafür an das Orga-Team, das Wissenschaftszentrum, die Kooperativa den Jour Fitz-Performern und den Sponsoren!  [Fotos via Flickr]
   

   
An diesen lag es also nicht, dass sich ein Großteil der Teilnehmer – einschließlich meiner einer – in gepflegter Feigheit übten, keine eigene Session anboten und sich eher als Zuhörer und/oder Diskutanten durch die Veranstaltung “mogelten” – dabei hätte es sicher keine bessere Gelegenheit gegeben, ins kalte Förde-Wasser zu springen. Dies hätte manch Teilnehmer auch nicht dazu genötigt, unvorbereitete Verlegenheits-Sessions anzubieten und dem Eindruck abgeholfen, das sich die Masse der Themen überwiegend an technische Entwickler bzw. professionelle-unternehmerische Anwender richteten. Dies mag zwar eindeutig bewiesen haben, dass sich in Kiel und der Umgebung mehr oder weniger klammheimlich eine “Silicon Förde” mit Internet-Unternehmen und internet-affinen professionellen Nutzern etabliert hat – höchstwahrscheinlich war dies aber auch schon angesichts der Teilnehmerliste geeignet, manchen bloßen User von vornherein von einer eigenen Session abzuhalten. Das liegt aber in der Natur der Sache, man schaue sich nur die Grids manch etablierter BarCamps an. Die Chance, die sich hier bot, sich in “Kuschelatmosphäre” auszuprobieren, wurde jedenfalls von einigen vertan. Falls sich manch bloßer Blog-, Twitter- oder Facebook-User in einzelnen Sessions möglicherweise deplatziert oder etwas unterrepräsentiert gefühlt hat, sollte durch die vielen interessanten und unterhaltsamen Foyer-Gespräche eigentlich aufgewogen worden sein.

Zwar hatte auch ich bei der ein oder anderen Veranstaltung das Gefühl, mich dann doch für die falsche von vier Sessions entschieden zu haben, aber dank der halbstündigen Taktung hielt sich der Schaden in Grenzen und sorgte für eine angemessene Disziplinierung, dennoch sitzen zu bleiben und die Session nicht durch vorzeitigen Aufbruch zu stören – Schließlich waren alle auf ihre Weise entweder informativ, interressant oder wenigstens – wenn auch ausschließlich dank der Mitteilnehmer – unterhaltsam.

    

Sessions

Von den von mir besuchten Sessions seien insbesondere erwähnt:

“Technik und Kultur – Verein(t)” ein faszinierendes, fast kulturwissenschaftliches Kolloquium über die Notwendigkeit einer Plattform, die Technik und Kultur in Kiel besser vernetzen könnte. Wäre ich nicht so ein Kulturbanause, könnt ich das Niveau der Session vielleicht besser würdigen.

“Suchmaschinenoptimierung” beruht letztlich nur auf Mutmaßung, da die Suchmaschinenbetreiber ihre Algorithmen nicht preisgeben. Diese Erkenntnis entstammt der SEO-Session, die für den nicht-unternehmerischen Endanwender eher wenig praktische Anknüpfungspunkte bot. Ist und bleibt für mich ein Raketenforschungs-Schiff mit sieben Segeln.

“Datenschutz in Sozialen Netzwerken” war für den Facebook/VZ-Autisten wie mich die endgültige Bestätigung, dass Mark Zuckerberg der Satan und Ilse Aigner die “Mutter Theresa” der Informationsgeneration 2.0 ist. ;-)   Nein, Henry Krasemann von der ULD bot einen fundierten Einblick in die Untiefen sozialer Netzwerkerei für die informationelle Selbstbestimmung des Einzelnen, ohne eben eine solch unsachliche Zuspitzung zu betreiben. Zwar biete Social Media mittlerweile weithin sozial akzeptierte Funktionen, stellt als Werkzeug in unwissenden und ungeübten Händen aber eine ähnliche Gefahr für das öffentliche Ich dar, wie Hämmer, Äxte und Motorsägen in meinen Händen für alle in meiner Nähe befindlichen Personen. Aufklärung bzw. Medienerziehung gerade für Kinder aber wohl auch manche ahnunglose Eltern tut Not, während der intransparenten, konspirativen Datensammelwut der Plattformen weiter zumindest den Ansatz einer Stirn geboten werden sollte.

“Lokaljournalismus im Netz”, geleitet von Christoph Krenz, war der Vorstellung des “fördeflüsterers” und einer interessanten Diskussion über die Chancen und Herausforderungen von Lokaljournalismus abseits der monopolistischen, tradierten Holz- und Rundfunkmedien gewidmet. Als kollaboratives Projekt auf der Basis eines Vereins ohne Gewinnerzielungsabsicht funktioniere es jedenfalls, der Öffentlichkeit ein zusätzliches redaktionelles Angebot zu machen, dass durch die Mithilfe von vor Ort auch die vernachlässigte Berichterstattung aus einzelnen Stadtteilen möglich werden lassen kann.

Entertainerqualitäten stellte schließlich die auf dem Barcamp durch Henry Krasemann, Stephan Dirks und Jan A. Strunk vertretene Rechts-Abteilung unter Beweis. Mit dem Live-Podcast vor Publikum für den Kieler Jurafunk befassten sich die Anwälte, unterhaltsam und selbstironisch mit der plötzlich gar nicht mehr so drögen Rechtsmaterie dreier gerichtlich entschiedener aktueller Fälle zu Online-Warengeschäften, Haftung für ungesicherte WLans und der nach der Straßenverkehrszulassungsordnung notwendigen beleuchtungstechnischen Einrichtung für Fahrräder.

Nicht minder unterhaltsam geriet die Session “Bildung2.0″, was aber weniger am durchaus nicht uninteressanten Thema, sondern mehr an den sentimentalen Anwandlungen der zumeist längere Jahre aus der Schule herausgewachsenen Teilnehmern lag, die angesichts einer mit “Bildungs1.0″-Methoden bestrittenen Session ein bisschen “Lümmel aus der letzten Bank2.0″ spielten. Einen virtuellen Klassenbucheintrag hätten sich mit mir jedenfalls anicatha, schwesterf, SwenWacker, fhun und fbender verdient gehabt – dafür trauerten wir um 35 mit Schmackes erdolchte Pappkarten und kamen zu der Erkenntnis, dass Spuckeflecken auf Netbook-Monitoren hartnäckig sind.

Wieder ernst, politisch und inhaltlich sehr spannend wurde es schließlich noch einmal in den letzten beiden von mir besuchten Sessions, in denen die Möglichkeit/Notwendigkeit einer besseren landespolitischen Berichterstattung und/oder kritischen Auseinandersetzung mit landespolitischen Themen mit den Mitteln des Web2.0, wie über die Darstellung von Politik im Internet engagiert diskutiert wurde.

Dass der Austausch auch abseits der Sessions in den Pausen weitergeht und diese genauso, zum beinahe zentralem Barcamp-Programm werden, verdankt eine “Un-Konferenz” schließlich ihren Teilnehmern mit ihren unterschiedlichen Persönlichkeiten, ihren ganz individuellen Web2.0-Vitae und den eigenen Motiven und Hintergründen, die sie zum BarCamp geführt haben. Insbesondere sie sind dazu angetan, den eigenen Horizont erheblich zu erweitern, egal ob schon via Twitter verfolgt oder gänzlich unbekannt - Vielen Dank auch dafür!

 

Jour Fitz

Das es sich beim Web2.0 nicht nur um kühle Technik dreht, sondern aus dem virtuellen, künstlichen Raum des Internets auch etwas reelles, lebendiges und künstlerisches geboren werden kann, stellte stellvertretend für die vielen Beispiele schließlich auch der “Jour Fitz” unter Beweis: “Bloglesungen”, also die Lesungen von zumeist im eigenen Blog veröffentlichter Gedanken vor Publikum, sind seit wenigen Jahren als unterhaltsame, und oft genug durchaus literarisch anspruchsvolle Kunstform etabliert. Vor der bildlich, wie vor allem akustisch bestechenden Fördekulisse gaben AnnaGrassi, Judetta, Propinja, der Vergraemer und Lokal-Zampano MC Winkel ihre Werke zum Besten.

Mit ihrer Bloglesungs-Premiere gab AnnaGrassi ein Paradebeispiel der ihr so eigenen, gradezu brachialpoetischen Aufbereitung eines erschreckend tragisch-komischen Liebeslebens zum Besten, das man ihr durchaus zutraut, aber von dem man um ihretwillen hofft, dass sie dies so nie hat erleben müssen. Allein die Ironie, die bei dem Vortrag aus ihren Augen und Worten blitzt, vermag eine etwaige Sorge darüber zerstreuen.

Das Jan-Uwe Fitz alias Vergraemer den Anspruch erheben könnte, der designierte Erbe Viccco von Bülows zu sein, machte er schließlich im Vortrag einer wahrlich Loriot-würdigen Szenerie zweier Männer in einem Speisewagen deutlich. Mit hintersinnigem Humor und einem, Loriot nicht unähnlichen Stimmvermögen nahm er das Publikum für sich ein.

Ebenfalls Premierenvorleserinnen, eroberten Judetta und Propinja im Anschluß den Applaus der Zuhörer für sich. Insbesondere Judettas humoristisch betrachteten Erfahrungen als ”Berliner Deern” in neuer Hamburger Umgebung, wie Propinjas schonungslos witzige Beschreibung PMS-bedingter Gefühlswallungen und ihre versonnene Liebeserklärung an St.Pauli vermochten zu überzeugen.

 

  
Kiel211´s BarCamp Rule of Engagement

Angelehnt an die zu Beginn bzw. Ende des BarCamps durchgeführte Vorstellungs- bzw. Abschlussrunde, soll auch dieser Beitrag mit einem prägnanten Statement enden. Mit “Kiel211´s BarCamp Rule of Engagement” soll dies eine der Lehren sei, die ich aus diesem BarCamp für künftige mitnehme. Mein “BarCamp Rule of Engagement” bescherte mir – auch ohne eine Session abzuhalten – eine Aufmerksamkeit, die mir vor diesem BarCamp wohl noch peinlich gewesen wäre. Sie lautet:

“Nenne am Schluß der obligatorischen, von IT-Fachbegriffen und Web2.0-Sprech dominierten Vorstellungsrunde, als deinen Hashtag einen artfremden, blut, schweiß- und tränentriefenden Begriff, z.B. “Mord” !”

Wie lautet wohl Eure RoE?

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Verfasser: BreakingNews
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• 8 Kommentare »

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8 Responses to “ The very first BarCamp Kiel – Web2.0-Ersti-Wochenende an der “Silicon Förde” ”

  1. # 1 Tim Schlotfeldt Says:

    Schöner Beitrag, beim Lesen deiner Bemerkung zur Bildung 2.0-Session gelesen hatte ich dann heftig und zustimmend schmunzeln müssen

    -Tim

  2. # 2 XAVA Says:

    Wirklich ein sehr aufschlussreicher Artikel. Möchte mich hier nur kurz zum Thema SEO äußern. Die Aussage, dass SEO nur auf Mutmaßungen beruht, möchte ich hier nicht so stehen lassen. Natürlich kennt keiner die Algorithmen von Google und Co. Jedoch entwickelt man nach Jahren des Trial and Error doch etwas wie Intuition. Ein guter Suchmaschinenoptimierer weiß an welchen Schrauben er drehen muss, um eine Seite nach oben zu bringen. Manche Strategien haben sich als besonders bewährt erwiesen, und werden von den meisten SEO-Agenturen angeboten. Das wichtigste ist jedoch immer noch Innovation. Schönen Gruß :)

  3. # 3 AnnaGrassi Says:

    Alter, RÜDIGER!! :D “…brachialpoetisch..”

  4. # 4 BreakingNews Says:

    @Tim
    Danke Dir! Eins ergab sich ins andere… eine Session ist schließlich das, was die Teilnehmer daraus machen… in dem Fall war es Spaß… ;-)

    @XAVA
    Also der Spruch “Alles Mutmaßung” fiel ja durchaus von den Session-Rednern selbst. Auch SEO-Profis werden zugeben, dass der Grat zwischen Trial&Error, Intuition und Mutmaßung durchaus schmal ist, oder? ;-) “Mutmaßung” steht da vielleicht auch eher für diese gewisse Geheimniskrämerei: Keiner will sich da so richtig an den Knackpunkten in die Karten gucken lassen, alles bleibt mit dem Hinweis auf die bösen Mitbewerber etwas vage… Es ist ja nicht ehrenrühriges daran – Manche scheinen ja vielleicht ganz bewußt ein bisschen mit diesem “Zwielicht” zu spielen. Ich wäre der letzte, der bestreitet, dass das eine (Grenz-)Wissenschaft für sich ist.

  5. # 5 BreakingNews Says:

    @AnnaGrassi
    Wassn, Spatz? Nich gut??? ;-)

  6. # 6 Dennis Says:

    Hi Rüdiger,

    interessant zu lesen, dass das Fazit der SEO-Session vor allem „Alles Mutmaßung“ ist (wie auch bei anderen schon zu lesen ist). Aber du hast ja gesehen, es gab genug Leute im Raum, die sich mit der Materie beschäftigt haben und die einen sagen es funktioniert (sehr gut), die anderen wiederum behaupten das genaue Gegenteil. Gerade weil die Bewertung von den unterschiedlichen Kriterien innerhalb des Algorithmus so unterschiedlich ausfällt, gibt es eben nicht „eine“ Meinung.

    Ich könnte mir gut vorstellen, dass wir beim nächsten Barcamp mal etwas vorbereiten um auch die Erwartungen der Anwesenden zu erfüllen. Also keine Geheimniskrämerei, kein „nicht in die Karten gucken lassen“ und keine Zwielichterie.

    Ganz nebenbei:
    XAVA ist natürlich auch nicht zufällig auf deinen Artikel vom Barcamp gestoßen sondern hat sich, ebenso wie ich, wohl bei Google bedient. Platz 11 zu „Barcamp Kiel“ ist doch gar nicht mal so schlecht ;-)

  7. # 7 BreakingNews Says:

    Hi Dennis,

    Naja, der Spruch kam gaube ich sogar von Dir oder Heiko und ich fand ihn durchaus passend, auch wenn er sicherlich überspitzt und möglicherweise tatsächlich so nicht gänzlich zutreffend ist. Kann auch daran gelegen haben, dass ich eben zwischen all den Experten und/oder Möchtegern-Experten außer diesen Worten nicht viel verstanden habe ;-)

    Ich denke die Erwartungen der meisten Anwesenden habt ihr schon erfüllt, Euer Vortrag richtete sich halt eher an eine begrenztere Zielgruppe, zu der ich eher nicht gehörte. Aber es geht bei BarCamps schließlich um Horizonterweiterung, also war das schon ok… in meinen obigen Worten schwang durchaus eine Portion Ehrfurcht mit.

    Ich wäre bei einem nächsten BarCamp gerne wieder bei einer SEO-Session dabei – mir würde schon reichen, wenn man ein paar Sachen, die ihr auf Unternehmens-Kunden gemünzt vorgetragen habt, auch auf den Otto-Normal-Bloguser runterbrechen könnte.

    Zu Platz 11: Oberster Platz auf der zweiten Google-Ergebnisseite ist doch erster SEO-Looser-Platz, oder??? ;-) Ich bedien mich nur der gängigen SEO-WP-Plugins und denke, die Domain macht schon eine Menge aus, trotz PR3.

    Grüße an die Solades-Crew!

  8. # 8 Die SiliconFoerde© ruft zum zweiten “BarcampKiel” | NEWS HQ Says:

    [...] versammelte “SiliconFoerde”© und Gäste aus Nerddeutschland und der Welt hatten es im letzten Jahr gefordert: “Do it to me one more time!”  - Und so geschah es: Heute beginnt das 2. [...]

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