Home » Kiel211 » Kiel211: Mord an Schülerin durch DNA-Analyse nach 24 Jahren aufgeklärt – Tat bleibt ungesühnt

Tatverdächtiger verstarb im Gefängnis

Kiel211: Mord an Schülerin durch DNA-Analyse nach 24 Jahren aufgeklärt – Tat bleibt ungesühnt

Fast genau vierundzwanzig Jahre nach dem Mord an der 19-jährigen Gymnasiastin Alexandra S. aus der Kieler Vorort -Gemeinde Mönkeberg hat der Fortschritt der DNA-Analysetechnik erneut zur Aufklärung eines lange Zeit offen gebliebenen Mordfalles geführt. Die Freude und Erleichterung über den erzielten Ermittlungserfolg wird jedoch durch die Erkenntnis getrübt, dass die Tat zwar nunmehr einem bereits wegen mehrerer Tötungsdelikte verurteilten Täter zugeordnet werden kann, aber aufgrund dessen Todes nicht mehr gesühnt werden wird: Der Mord verjährte zwar nie, aber einem Toten kann man keinen Prozess machen.

Wie schon im Mordfall Gabriele S. hatte sich die Mordkommission Kiel auch im Fall der getöteten Schülerin routinemäßig erneut mit den von den Ergebnissen umfangreicher Ermittlungen durch Mordkommission und Staatsanwaltschaft Kiel gefüllten Ermittlungsakten befasst und eine neuerliche Untersuchung der Asservate durch die Kriminaltechniker und Molekularbiologen des schleswig-holsteinischen Landeskriminalamtes in Kiel in Auftrag gegeben. Diesen gelang es schließlich mit neuester Kriminal- und DNA-Analysetechnik für das menschliche Auge nicht wahrnehmbare Spuren zu erkennen, zu sichern und daraus genetisches Material zu extrahieren, das mit Vergleichsmaterial auf Übereinstimmungen geprüft werden konnte und schliesslich den entscheidenden Treffer ergab. Danach sei die Tat einem von den Medien als “Kieler Prostituiertenmörder” bezeichneten Mann zuzuordnen, der wegen Mordes und dreifachen Totschlags vor dem Kieler Schwurgericht angeklagt und verurteilt worden war.

Die 19-jährige Alexandra S. verschwand im Mai 1987 spurlos. Wenige Tage nachdem ihre Eltern die Gymnasiastin als vermisst gemeldet hatten, fanden Einsatzkräfte während umfangreicher Suchmaßnahmen die Leiche der jungen Frau in der Nähe des elterlichen Wohnhauses, auf dem so genannten Ölberg in Mönkeberg. Aufgrund der Auffindesituation und der durchgeführten Sektion war von einem Sexualmord auszugehen. Trotz intensiver Ermittlungen und der Überprüfung von ca. 2.000 Personen konnte die Tat, die in der Öffentlichkeit große Betroffenheit ausgelöst hatte, nicht aufgeklärt werden.

Nach dem Ergebnis der Untersuchungen des Landeskriminalamtes stehe nunmehr fest, das auch diese Tat einem zur Tatzeit 28-jährigen und 1988 vom Landgericht Kiel wegen Mordes und dreifachen Totschlags zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilten Serientäter zur Last gelegt werden muss. In den Jahren 1983 und 1986 hatte dieser drei Kieler Prostituierte vergewaltigt und getötet. Im Juni 1987 vergewaltigte und ermordete er in Altenholz schließlich eine 19-jährige Praktikantin, die er als Anhalterin mitgenommen hatte. Nach dieser Tat war es der Polizei gelungen, den Mann festzunehmen.

Die Pressesprecherin der Kieler Staatsanwaltschaft, Oberstaatsanwältin Birgit Heß erklärte, dass die neuen Untersuchungsergebnisse keine Zweifel an der Täterschaft des Mannes auch im Hinblick auf die Ermordung der Gymnasiastin zulassen. Der Verurteilte sei 2004 während seiner Strafhaft in der Justizvollzugsanstalt Lübeck verstorben.

Verwandte Artikel


Verfasser: BreakingNews
Tags:, , , , , , , , , , , , , , , , , ,
• 1 Kommentar »

Trackback URI | Comments RSS

One Response to “ Kiel211: Mord an Schülerin durch DNA-Analyse nach 24 Jahren aufgeklärt – Tat bleibt ungesühnt ”

  1. # 1 tisiphone Says:

    Da meldet sich tisiphone aus dem OFF – und ganz fix werden alle Schnüre neu verknüpft:
    Wie praktisch, dass der Täter verstorben ist – müsste doch sonst einer der mutmaßlich größten Justizskandale SH’s wieder aufgerollt werden! Über Jahre hinweg wurden die Spuren eines Sicherungswerkzeugs sowie Spuren von Bekleidungsstücken der Spurensicherer hin- und hergetauscht. War der Fall Alexandra S. ein Einzelfall?
    Man stelle sich nur vor, man hätte den Mord jetzt nicht einem toten Täter anhängen können -
    und das, solange die schuldhaft gewordenen Amtswalter noch nicht alle in Pension abgetaucht sind. Denn der eine oder andere hat’s ja ziemlich weit gebracht – oder?
    Wie praktisch, dass man das alles nicht mehr aufrollen muss – auch den Freitod des Ermittlers, der ja in sachlichem und zeitlichem Zusammenhang mit den fragwürdigen Ermittlungen stand. Ganz zu schweigen, von all den anderen Weiterungen, die auch noch Kompensation verlangen würden.
    Ganz vergessen – doch nicht wirklich?

    Angesichts des zeitlich und räumlich so nahen Zusammenhangs der Morde verlangen diese Fragen auch heute noch eine Antwort: warum wurden damals nicht die Asservate aus den verschiedenen Straftaten miteinander verglichen – das hätte doch wohl sehr nahegelegen – oder nicht? Schließlich gibt und gab es ja immer schon mehr zu vergleichen, als nur DNA – Spuren, was man damals – zumindest im KPA – noch nicht konnte.
    tisiphone

Eine Frage, eine Anregung oder eine Meinung dazu?