Hochbetrieb bis zum Weihnachstfest
Kiel211: Kurz vor Jahresende beginnen “Mord&Totschlag”-Wochen am Landgericht Kiel
Wednesday, 30.November 2011 um 07:47 Uhr | Kiel211, Polizeimeldungen, Rechtsprechung
Erneut neigt sich ein beschäftigungsreiches Jahr für die Beamten der Mordkommission und der Staatsanwaltschaft in Kiel dem Ende zu. Wieder einmal waren im Landgerichtsbezirk Kiel zahlreiche vollendete und versuchte Tötungsverbrechen aufzuklären – einige davon mehr als vierzig Jahre alt. Kurz vor dem Jahresende beginnen nun am Landgericht Kiel in kurzer Folge vier weitere Prozesse gegen mutmaßliche Täter.
Es sind u.a. verfahrensrechtliche Gründe, die insbesondere die 8. Große Strafkammer dazu bewegen, in dieser Woche gleich zwei Prozesse zu beginnen. Nach §121 StPO darf der Vollzug der Untersuchungshaft wegen derselben Tat über sechs Monate hinaus nur aufrechterhalten werden, wenn die besondere Schwierigkeit oder der besondere Umfang der Ermittlungen oder ein anderer wichtiger Grund das Urteil noch nicht zulassen und die Fortdauer der Haft rechtfertigen. Ansonsten ist der Haftbefehl nach Ablauf der sechs Monate aufzuheben, es sei denn das OLG Schleswig ordnet die Fortdauer nach eigener Prüfung an. In beiden von der Kammer zu verhandelnden Fällen waren diese sechs Monate erreicht.
Versuchter Totschlag in der Stormarnstraße
So kommt es vor der Schwurgerichtskammer am heutigen Mittwoch, dem 30. November 2011 zum Prozessbeginn wegen versuchten Totschlags gegen einen 40-jährigen Mann, der angeklagt ist, am Vormittag des 3. März 2011 in einer Wohnung in der Kieler Stormarnstraße mehrere Schüsse auf einen 56 Jahre alten Bekannten abgegeben und diesen mit mindestens einem im Bauchbereich schwer verletzt zu haben. Der Angeklagte war nach der Tat geflohen und konnte erst Mitte des Jahres gefasst werden.
Für den Prozess sind drei Verhandlungstage bis Mitte Dezember angesetzt.
Brutaler “Overkill” an Seniorin in Norderstedt
Am Freitag dem 2. Dezember 2011 startet vor der selben Strafkammer schließlich der Prozess wegen Totschlages gegen einen 50 Jahre alten Mann aus Norderstedt. Dem Angeklagten wird vorgeworfen, am 06. Juni 2011 seine Bekannte in deren Wohnung in Norderstedt in brutaler Tatausführung mit 50 bis 60 Stichverletzungen getötet zu haben.
Nachdem der Angeklagte und das spätere Tatopfer in deren Wohnung zusammen gegessen und Alkohol konsumiert hatten, soll der Angeklagte aus unbekannten Gründen in Wut geraten sein und zunächst damit begonnen haben, mit Fäusten auf den Kopf und in das Gesicht der Geschädigten zu schlagen. Laut Staatsanwaltschaft soll der 50-jährige im Anschluss zwei auf dem Tisch liegende Küchenmesser ergriffen und damit auf das Gesicht der Geschädigten eingestochen haben, wobei es insbesondere zur Eröffnung beider Augäpfel kam. Daneben soll der Angeklagte der Geschädigten ein Ohr abgetrennt und ihr zahlreiche Stiche in Brust und Bauch versetzt haben. Die Anklage spricht von insgesamt 50 bis 60 Stichverletzungen, die der Angeklagte verursacht haben soll, bevor er eines der Messer im Hals der zwischenzeitlich Verstorbenen stecken ließ und aus der Wohnung verschwand.
Für den Prozess sind weitere drei Verhandlungstage bis Mitte Dezember angesetzt.
Heimtückische Tötung am schlafenden Vater in Neumünster-Gadeland
Unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt die 2. Große Strafkammer als Jugendstrafkammer des Landgerichtes Kiel ab Donnerstag, dem 1.Dezember 2011 gegen einen Jugendlichen aus Neumünster, der angeklagt ist, seinen 39 Jahre alten Vater vorsätzlich unter Ausnutzung der Arg- und Wehrlosigkeit in feindlicher Willensrichtung getötet zu haben, während dieser schlief.
In der Nacht zum Samstag, dem 2. Juli 2011 war der mit seinem 15-jährigen Sohn allein lebende 39-jährige Mann durch massive Gewalteinwirkung zu Tode gekommen. Die Ermittlungen der Mordkommission erhärteten den Verdacht gegen den Sohn. Zu den Hintergründen der Tat, den familiären Umständen und dem Tathergang hatten die Ermittlungsbehörden auch zum Schutz des jugendlichen Beschuldigten geschwiegen, der Prozess findet angesichts der jugendlichen Alters des Kindes rechtlich zwingend nicht-öffentlich statt. Justizkreise halten nach Informationen von Kiel211.de eine tragische “Bilanztat” für möglich.
Bislang sind insgesamt sechs Verhandlungstermine bis kurz vor Weihnachten festgesetzt.
Durch DNA-Analyse überführter mutmaßlicher Frauenmörder vor Gericht
Schlussendlich soll vor dem Landgericht Kiel am 21. Dezember 2011 der Prozess gegen einen mutmaßlichen Serienmörder beginnen, der im August diesen Jahres mehr als 25 Jahre nach dem letzten ermittelten Sexualmord an der 18-jährigen Schwesternschülerin Gabriele S. aufgrund der DNA-Analyse einer damals sichergestellten Spur gefasst werden konnte und gegenüber der Kieler Mordkommission insgesamt fünf Frauenmorde gestand.
Danach habe der mittlerweile 65-jährige S. aus Henstedt-Ulzburg zwischen 1969 und 1984 fünf Frauen vergewaltigt und anschließend getötet. Seine Opfer, zwischen 15 und 22 Jahre alt, seien Zufallsopfer gewesen, die er z.T. im Vorbeifahren vom Auto aus erblickte, spontan den Tatentschluss fasste und ihnen auflauerte. Alle wurden entweder erwürgt oder erdrosselt.
Das erste Opfer, eine 22-jährige Optikerin, soll der gelernte Maurer am 20. Juni 1969 in der Nähe ihres Elternhauses in Norderstedt getötet haben, ihre Leiche wurde einen Tag später in einem Vorgarten in der Nähe entdeckt. In der Nacht zum 1. Oktober 1969 soll eine 16-jährige in Norderstedt Opfer der Mannes geworden sein, als sie auf dem Weg von einem Tanzlokal nach Hause war. Ihre Leiche war erst im Mai 1970 in einem Graben gefunden worden. Eine 22 Jahre alte Frau verschwand am 31. Juli 1970 in Hamburg, ihr Leichnam wurde über einen Monat später entdeckt. Anfang Oktober 1972 soll schließlich ein 15-jähriges Mädchen aus Norderstedt Opfer des Serientäters geworden sein. Den Leichnam fand man erst Ende Mai 1973 in einem Graben neben einem Feldweg. Das mutmaßlich letzte Opfer führte schließlich auf die Spur des Angeklagten. Die 18-jährige Schwesternschülerin aus Henstedt-Ulzburg war am Freitag, dem 03. Februar 1984 gegen 23.15 Uhr per Anhalter von Henstedt-Ulzburg nach Alveslohe fahren wollen, um dort die Diskothek “Kutsche” zu besuchen. Auf dem Weg dorthin verlor sich ihre Spur, in der Discothek kam sie nie an. Der damals 37-Jährige soll das Mädchen im Auto mitgenommen, vergewaltigt und mit ihrem eigenen Schal erdrosselt haben, neun Tage später fanden zwei 14-jährige Schüler den Leichnam der Frau in einer Fichtenschonung nahe Wededelbrook bei Bad Bramstedt.


