Kiel211
Willkommen bei Kiel211.de, dem Gerichtsreportage-Ressort des NewsHQ-Blogs!
Die Idee hinter “Kiel211″ ["211" steht für §211 StGB, der im deutschen Strafrecht den Mordtatbestand regelt] und damit hinter einer regelmäßigen Berichterstattung über Kapitalstrafverfahren im Landgerichtsbezirk Kiel entwickelte sich Anfang 2008, nachdem die veröffentlichte Kriminalstatistik 2007 einen enormen Anstieg der Tötungsdelinquenz in Schleswig-Holstein und dem Kieler Landgerichtsbezirk verzeichnet hatte. Darunter fiel auch der Totschlag an einem mir dem Namen nach bekannten jungen Mann aus meiner Heimat während der Kieler Woche 2007. Mittlerweile beschränkt sich die Berichterstattung nicht mehr nur auf Tötungsdelikte: Neben Verfahren, die sich aus dem gewaltsamen Konflikt zwischen “Hells Angels” und anderen Gruppierungen ergeben, steht ganz aktuell auch das Betrugsverfahren gegen die Betreiber sog. SMS-Chats im Mittelpunkt der Kiel211.de-Artikel.
Zeitung, Funk und Fernsehen können nur einen Bruchteil des Geschehens im Laufe eines Strafprozesses abbilden. Damit ist der Leser, Zuhörer oder Zuschauer gegenüber dem Prozessbeobachter im Saal im Nachteil. Und das trägt nach meinem Dafürhalten nicht unwesentlich zu so mancher Verständnislosigkeit der Öffentlichkeit in Kinderschänder-, Mord- oder anderen Fällen bei. Unter dieser Prämisse versuche ich, einige Strafverfahren aus dem Bereich der Tötungsdelikte möglichst ausführlich zu dokumentieren. Alle bislang veröffentlichten Artikel sind nun hier in einer Übersicht zusammengefaßt.
Die extrem wohlwollende und anerkennende Resonanz, die dieses Projekt bislang von vielen Seiten erfahren durfte, ehrt und bestätigt mich: Aus Journalisten- wie Justizkreisen, von ehemaligen Kriminalbeamten, Verfahrensbetroffenen und interessierten Menschen, die während vieler Verfahren durch ihre Anwesenheit dazu beitragen, die nötige, nicht zu unterschätzende Öffentlichkeit herzustellen. An letzteren orientiere ich mich nach Möglichkeit bei meiner Berichterstattung. Daher bemühe ich mich, so nah an den Geschehnissen im Gerichtssal zu bleiben wie nur möglich: Chronologisch weitgehend dem Ablauf der Beweisaufnahme folgend und nach bestem Wissen und Gewissen inhaltlich korrekt, soweit es die – selbst vom Vorsitzenden der 8. großen Strafkammer wiederholt beklagte – miserable Akustik des Kieler Schwurgerichtssaales und mein Gehör zuläßt.
Es ist natürlich eine andere Herangehensweise, als es Nachrichtenagentur-Journalisten, Zeitungsredakteure oder Magazin-Korrespondenten pflegen. Eine Alternative, die eher in Richtung einer schwedischen Praxis geht, die ich äußerst sympathisch finde: Prozesse im Gerichtssaal per Laptop tatsächlich nahezu real-time wörtlich ins Internet zu transkribieren – in guter Tradition eines Gerichtsschreibers oder -stenographen – nur ohne das Steno. Eine Zukunftsvision, die sich in deutschen Gerichten angesichts der sensibel gehandhabten Öffentlichkeitsregelungen wohl kaum etablieren wird können – zumal sich die neue Informationstechnnologie in Gestalt von Foto-Handys auch am LG Kiel bereits unbeliebt gemacht hat.
Meiner erst kurzen Zeit mit der “Kiel211″-Rubrik verdanke ich dementsprechend bislang schon viele interessante Begegnungen und Erfahrungen, die meinen Horizont erweiterten. Insbesondere seien denjenigen VertreterInnen verschiedener Nachrichten- und Presseorgane gedankt, die mir im Laufe der letzten Monate sehr freundlich und kollegial entgegengetreten sind – obwohl ich den “Makel” mangelnder journalistischer Laufbahn an mir habe.
Ich hoffe, die von mir niedergeschriebenen Beobachtungen sind für den Leser auch nur annähernd so interessant, wie die Einblicke, die ich bereits gewonnen habe. Für Fragen, Anregungen wie Kritik bin ich immer offen. An dieser Stelle sei aber betont, dass ich dieses Projekt, wie das gesamte Blog bisher ausschließlich interessehalber und als Hobby betreue!


